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25.08.2018

Vic Firth SIH2 Drummer-Kopfhörer Test

Dass es oft ganz einfache Rezepte sind, die zu großem Erfolg führen können, hat Vic Firth mit seinem SIH1 Drummer-Kopfhörer unter Beweis gestellt. Die Formel geht so: Man nehme einen handelsüblichen Baulärm-Gehörschutz, baue dort zwei einfache Kopfhörerlautsprecher ein und gebe das Produkt den tausenden Stock-Endorsern dieser Welt. Der Rest ist Geschichte, die meisten Drummer dürften die Konstruktion entweder besitzen oder zumindest mal auf den Ohren gehabt haben. Ganz ohne Kritik kamen die Teile allerdings nicht davon, und so hat man kürzlich eine optimierte Version auf den Markt gebracht. Sie heißt – richtig! – SIH2.

Im Gegensatz zu anderen, ohrumschließenden Kopfhörern sind Modelle speziell für Drummer meistens extrem geschlossen gestaltet. Das bezieht sich sowohl auf die Gehäuse, welche keine Löcher oder Schlitze aufweisen, als auch auf den relativ hohen Anpressdruck. Dieser sorgt dafür, dass die Ohrpolster möglichst dicht mit dem Kopf abschließen und kaum Außenschall zum Trommelfell durchlassen. Das mag nicht jeder, einige Drummer greifen daher auf weniger dichte Modelle oder auch In-Ear-Hörer zurück. Was aber jeder mag, ist guter Sound, und hier wurde dem SIH1 bisweilen fehlende Ausgewogenheit nachgesagt. Beim SIH2 wurde also klanglich nachgebessert. Was Vic Firth noch verändert hat, lest ihr auf den folgenden Zeilen.

Details & Praxis

Außen gibt es jetzt einen Carbon-Look

Technisch handelt es sich bei unserem Testobjekt um einen geschlossenen Stereo-Kopfhörer, bei welchem die Vic Firth-Entwickler besonderes Augenmerk auf eine maximale Außengeräuschdämmung gelegt haben. Denkt man sich das 1,9 Meter lange Kabel weg, ist die Verwandtschaft zu einem Baulärm-Gehörschutz immer noch deutlich sichtbar. Weiche, moosgummiartige Muschelpolster sollen das Tragen auch über längere Zeiträume angenehm gestalten, auch die Unterseite des Kopfbügels ist mit diesem Material ausgekleidet. Der Kopfbügel selbst besteht aus einem halbrunden Kunststoffträger, die Anpassung an die Kopfgröße des Drummers erfolgt nicht gerastert, sondern soll sich bei jedem Aufsetzen selbst justieren. Rein optisch unterscheidet sich der SIH2 vom SIH1 nur in der äußeren Beschichtung des Gehäuses, welche an Carbon erinnern soll. Diese neue Oberflächenstruktur fühlt sich ein bisschen samtig an, haptisch wirkt der SIH2 dadurch hochwertiger als der SIH1. Ein vergoldeter, steckbarer Adapterstecker ermöglicht den Anschluss an 3,5- oder 6,3 Millimeter Buchsen.

Verbesserte Treiber sollen für einen ausgewogenen Sound sorgen

Die wichtigste Neuerung des SIH2 verbirgt sich unsichtbar im Inneren der beiden Gehäuse. Neue Treiber (Lautsprecher) sollen die audiophilen Qualitäten des SIH2 deutlich über jene des Vorgängers heben. Wie dieser überträgt der Testhörer einen Frequenzbereich zwischen 20 und 20.000 Hertz, die Verwendung von „50 mm Dynamic Speaker Mylarcon“ – so Vic Firth – soll zudem längeres, ermüdungsfreies Hören ermöglichen. Was genau hinter der Bezeichnung steckt und welche Änderungen im Detail vorgenommen wurden, war im Test nicht zu ergründen, denn die Komponenten sind verklebt. Es ist allerdings anzunehmen, dass die Treiber sich einer 50 Millimeter großen Kunststoffmembran bedienen. Ein anwenderfreundliches Austauschen eventuell defekter Einzelteile ist nicht möglich. Bei der Außengeräuschdämmung gibt Vic Firth 25 dB an, dieser Wert entspricht jenem des SIH1.

Im Einsatz macht der SIH2 Spaß

Ein so persönliches Werkzeug wie einen spezialisierten Kopfhörer objektiv zu bewerten, ist nicht einfach. Das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Anwendungsgebieten, sondern an teilweise erheblichen Unterschieden wie der Kopfgröße, der Hörfähigkeit und anderen Faktoren. Ich werde daher meine eigenen Vorlieben zum Maßstab machen, dann habt ihr eine Referenz, an der ihr euch orientieren könnt. Es beginnt beim Tragekomfort, der für einen Kopfhörer mit hohem Anpressdruck durchaus akzeptabel ausfällt. Im Winter finde ich es persönlich angenehmer, mit einem solchen Hörer zu arbeiten, die aktuelle Rekordhitze reduziert allerdings die Bereitschaft, einen zusätzlichen Kopferhitzer länger zu tragen als nötig. Wer unempfindlich auf geschlossene Kopfhörer reagiert, dürfte sich etwa eine bis zwei Stunden lang unter dem SIH2 wohlfühlen, danach beginnt es bei den meisten Trägern zu drücken. Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor bei einem Drummer-Kopfhörer ist der Spielspaß. Der SIH2 liefert ihn definitiv. Auch ohne Beteiligung der Lautsprecher pumpen die Gehäuse den natürlichen Drumsound auf und sorgen für eine Kompression, die besonders Spielern von Backbeat-Stilen gefallen dürfte. Störende Obertöne der Toms werden im Gesamtspektrum effektiv abgesenkt, was wiederum einen aufregenden Loudness-Effekt zur Folge hat. Wer es gerne linear und natürlich mag, wird möglicherweise nicht so zufrieden sein, zumindest, wenn er als reiner Gehörschutz verwendet werden soll. Beim Vorgängermodell kam es bei intensiver Nutzung zu einem recht schnellen Verhärten der Polster, hier ist abzuwarten, wie sich der SIH2 langfristig schlägt.

Der Lautsprecherklang ist deutlich ausgewogener als beim Vorgänger

Kommen wir nun zum spannenden Teil, nämlich der Frage, wie denn nun die Lautsprecher klingen. Kurz gesagt: gut, sofern man nicht auf perfekte Linearität und Plastizität steht. Vic Firth hat die vorlauten und rauen Mitten des Vorgängers deutlich entschärft, was dem Bass- und Höhenbereich mehr Luft einräumt und den ganzen Hörer wesentlich entspannter und runder klingen lässt. Wer sich selber am Schlagzeug aufnimmt, muss die Lautstärke weniger weit aufdrehen als bei vielen anderen Hörern, bei denen der Direktschall das aufzunehmende Signal verfälscht. Als Studiokopfhörer taugen die SIH2 trotzdem nicht, hier sollte in linearer arbeitende Modelle investiert werden. 

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