Hersteller_UniversalAudio
Test
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29.05.2015

Praxis

Simple Installation

Die Installation und Inbetriebnahme des Apollo 8 war unkompliziert und fand ganz ohne Probleme statt. Wie bei allen Thunderbolt-Interfaces gilt auch hier: Ohne Treiber kein Ton, weil es eben keinen Class-Compliant-Mode gibt. Die globale Latenz ist in Ableton ferner auf einem sehr guten, äußerst geringen Niveau (2,53ms bei 32 Samples und 44,1 kHz). Nichtsdestotrotz schafft RME mit USB kaum schlechtere Werte. (RME 4,15 ms / 32 Samples bei 44,1), wobei man nicht vergessen darf, dass es sich hierbei um DAW-Roundtrip-Zeiten handelt. Apollo allein ist auf Grund der DSP-Effekte – und somit stand-alone betrachtet – nochmals deutlich schneller. 

Praktische Bedienmöglichkeiten und Monitor-Controller-Funktionalität

Die vielen Hardware-Bedienelemente am Gerät ermöglichen eine einwandfreie Arbeitsergonomie, vor allen was das Einstellen des Gains betrifft, wenn man mit nur einer Quelle arbeitet. Sollte man mehrere Eingänge gleichzeitig nutzen, ist die Bedienung aus der UAD Console heraus etwas komfortabler, weil man ansonsten durchaus einen kleinen Stepptanz auf dem Encoder vollführen muss: Der Push-Befehl wechselt zwischen den Eingängen. 

Die Möglichkeit, bis zu drei Paar Monitore direkt ans Gerät anschließen zu können, ist in der Praxis sehr hilfreich, da man sich so möglicherweise einen externen Monitorcontroller sparen kann. Leider lässt sich auch hier der Alternativ-Ausgang nur um- und nicht zuschalten, wodurch ein Subwoofer nicht so ideal eingebunden werden kann, sofern er keinen eigenen fernsteuerbaren Bypass bietet.

Auch beim Ausgangsrouting hatte ich anfangs ein paar Probleme, weil ich die Console hier als etwas unintuitiv empfand. Wenn man sich aber das Handbuch in Ruhe zu Gemüte führt und sich einmal in das Software-Mischpult eingearbeitet hat, dann macht auch das keine Probleme mehr. Selbsterklärend ist es allerdings nicht. Wissen sollte man, dass es ferner weitere acht „virtuelle“ Kanäle gibt, die allein für die Kommunikation zwischen DAW und Console gedacht sind. Extrem hilfreich ist auch der flexible Core Audio Treiber, wo man sich seine Ein- und Ausgänge beliebig zuweisen und auch umbenennen kann. Gerade Pro Tools Nutzer, wird diese Tatsache mehr als freuen!

Unpraktisch finde ich die Auflösung der Hardware-Displays für die Pegelvisualisierung am Gerät. Hier hat man leider nicht alle I/Os gleichzeitig im Blick. Sollte man auf die Ausgänge umschalten, dann beginnt das größere Display nicht bei den Channels 1/2 – wie aufgedruckt – sondern bei 3/4, weil der Main-Out ja eine Extraanzeige besitzt.

Tiefergreifende DSP-Möglichkeiten

Im Gegensatz zu den „einfachen“ UAD-Karten und ihren Effekten hat man bei dem Apollo-Interfaces außerdem die Möglichkeit, die DSP-Effekte schon während der Aufnahme bzw. für das Monitoring einzusetzen. Das ist natürlich grundsätzlich eine tolle Möglichkeit, dennoch würde ich mir persönlich bei einer Aufnahme alle Möglichkeiten bist zum Schluss offen halten wollen. Sollte die Band allerdings mal einen kleinen Gig spielen, kann man das Interface auch durchaus auch als kleines Live-Pult missbrauchen – und dann zahlt sich die Echtzeitfähigkeit der Effekte natürlich doppelt aus! Dennoch sollte man sich keine Illusionen machen, dass besonders viele der hochwertigen Effekte mit nur vier DSP-Chips nutzbar sind.

Unison Mic-Preamps

Etwas anders sieht es da schon bei den Mic-Pres aus, da deren Schaltkreise bei manchen der „Preamp Plug-Ins“ variieren. Hierbei verändert sich vor allem die Impedanz der Eingangsstufe, wodurch gewisse Mics zu Lasten der Verstärkungsleistung etwas mehr Charakter zu Tage fördern. Ferner kann man hier mit dem Encoder auch noch die verschiedenen Gain-Stages anfahren. Durch die Veränderungen der verschiedenen Pres kann man also nochmal ordentlich am Preamp-Sound feilen.

Der grundsätzliche Klang der Preamps ist ebenfalls sehr gut, clean und frei von Auffälligkeiten. Mit maximalen 65 dB sind sie außerdem kräftig genug, wenn auch nur Branchendurchschnitt. Auch hierzu haben wir ein paar Audiobeispiele eingefangen. Wie gewohnt kommt ein hochwertiges Brauner VM1 Röhren-Mikrofon und ein einfaches, dynamisches Mikro zum Einsatz – in diesem Falle ein Shure SM57. 

Die Mikros entfalten genug Charakter und fangen den seidigen Klang der Lakewood Acoustic einwandfrei ein. Anhand der Shaker-Beispiele könnt ihr wiederum hören, wie gut die Preamps und Wandler auflösen. Auch die DI-Aufnahme des Basses bietet keinen Anlass zur Kritik, da dieser frisch und knackig eingefangen wird. Alles in allem sind die Preamps also auf einem sehr hohem Niveau.

Mitgelieferte Plug-Ins

Die mitgelieferten Plug-Ins sind allesamt sehr praktisch, allerdings teilweise schon sehr alt („Legacy“) und zählen meine Meinung nach damit gewiss nicht mehr zu der UAD Crème de la Crème. Dieses „Analog Classics“ Bundle haben wir bereits im Rahmen des UAD2 Satellite Tests untersucht, weshalb ich darauf verweisen möchte. Neu hinzugekommen sind der Unison Mode für den UA-610 Preamp, das RAW Distortion Pedal, sowie die Softube Amp Rooms (Metal Amp Room und Vintage Amp Room ). Viel Heißer war ich allerdings, den Neve Preamp mit dem Unison Mode auszuprobieren - der gehört zwar leider nicht zum Bundle, 14 Tage ausprobieren ist bei UAD-2 PlugIns aber immer drin! Der Unterschied der unterschiedlichen Impedanzen ist bei den UA 610-B und Shure SM57 Beispielen (500 Ohm und 2kOhm) ebenfalls sehr gut zu hören.

Ich möchte nicht lügen: Die verfügbaren Effekte für die UAD-Karten sind allesamt nicht schlecht und teilweise sogar verdammt gut, allerdings empfinde ich die Preise für sie teilweise sehr happig – hier zahlt man definitiv die dicken Namen mit! Eine Sache mit der ich außerdem seit Jahren hapere (und das nicht nur bei UAD), sind die viel zu kleinen GUIs, mögen sie noch so süß durch ihren Fotorealismus anmuten. 

Unterschiede zum Vorgänger

Der eine oder andere mag sich sicherlich noch fragen, was sich gegenüber dem Vorgänger-Interfaces geändert hat. Nun, die offensichtlichste Neuerung sind die Farbe und der Wegfall des Firewire-Anschlusses. Thunderbolt gab es aber auch bereits bei den alten Interfaces optional, oftmals direkt mit im Bundle. 

Laut Universal Audio wurden auch die Wandler verbessert. Aus Mangel eines alten Interfaces konnte ich diese Tatsache allerdings nicht explizit überprüfen. 

Ein weiterer Unterschied liegt in den Audioanschlüssen. Wo vorher noch getrennte Klinken- und XLR-Buchsen saßen, hat man nun (wohl aus Kostengründen) Combo-Buchsen verbaut, wodurch durchaus öfters umgesteckt werden muss. Schade.

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