Hersteller_Ultrasone
Test
8
28.11.2014

Praxis

Beim Anblick des Lieferumfangs des Ultrasone IQ Pro mag man sich zunächst darauf einstellen, viel Zeit mit der Suche nach dem bestgeeigneten Schaumstoff- oder Silikonaufsatz vertun zu müssen. Wer seinen Gehörgang durch Erfahrung mit anderen Systemen schon etwas besser kennt, der hat sicher einige Vorteile bei der Wahl der richtigen Größe. Sollte jemand überlegen, weil man ja weiß, welcher Silikonpilz am besten einen In-Ear-Hörer druckdicht im Gehörgang hält, die Schaumstoffaufsätze gleich links liegen zu lassen, möchte ich mich mit wedelnden Händen gerne einmischen: Bitte ausprobieren! Diese Schaumstoffdinger sitzen hervorragend und haben genau die richtige Mischung aus Festigkeit sowie Formbarkeit! Zudem dankt es die Haut bei langem Tragen, dass der Schaumstoff Poren besitzt. Der Wunsch nach Otoplastiken war bei mir auch nach einem Dauertest immer noch sehr gering. Auch im langen Betrieb bleiben die IQ Pro an ihrer Position im Gehörgang, selbst, wenn man sich viel bewegt. Die Kabelführung “obenrum” ist erprobt und praktisch – wenn man mit Bodypacks arbeitet, sind 1,2 Meter selbst für sehr große Menschen eher etwas zu großzügig bemessen, wenn diese die Kabel über Rücken und Gürtelline in eine der vorderen Hosentaschen führen. Zum hohen Tragekomfort tragen auch das geringe Gewicht und der nicht zu große Korpus bei. Unauffällig sind die Hörer natürlich nicht.

Die Ingenieure bei Ultrasone haben augenscheinlich ganze Arbeit geleistet, die beiden verschiedenen Treibertypen miteinander zu verbinden, denn Probleme an oder um eine bestimmte Trennfrequenz mit verschiedenem Material sind nicht auszumachen. Der Bass ist bei korrektem Sitz sehr kurz und kantig. Für den reinen Musikgenuss wäre das vielleicht etwas zu klinisch, um beim Monitoring eigene Signale und die eines Mitmusikers nachvollziehen zu können, ist das aber genau richtig (und für Sänger eine wichtige Grundlage zur korrekten Intonation). Hier ist also die richtige Entscheidung getroffen worden, denn schließlich geht es nicht um schmeichelnden Schönklang, sondern um ein präzises Monitoring, welches auch nach einer oder anderthalb Stunden nicht anfängt, nervig zu werden. Das merkt man auch bei der Hochmitten- und Höhenwiedergabe: Die Phones klingen zwar luftig und feingliedrig, aber nie anstrengend – zu schnell fangen Snare und Stimme an zu beißen, wenn der obere einstellige Kilohertzbereich etwas überrepräsentiert ist. Wäre er zu schwach, würde man im Livebetrieb möglicherweise Probleme mit der “Griffigkeit” eines Signals bekommen. Signale im Air-Band haben ja keine wirklich relevanten Anteile mehr. Grundtöne und die ersten Obertöne, die für eine Intonation herangezogen werden müssen sowie kurze Geräuschanteile, welche für ein genaues Erkennen von rhythmischen Vorgängen notwendig sind – allesamt liegen sie deutlich unterhalb des allerhöchsten Frequenzbereichs. Dennoch ist es gut, dass die IQ Pro auch im zweistelligen Kilohertzbereich ordentlich liefern können, denn dadurch, dass die Signale etwas weniger belegt klingen, verringert sich das negative Gefühl des Eingeschlossenseins, welches einen beim Tragen derartiger Systeme beschleichen kann.

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