Hersteller_Tonelux_Designs
Test
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11.09.2013

Praxis

Das einzige wirkliche Manko des TX5C ist untrennbar mit dem Funktionsumfang des Moduls verbunden: Die etwas unübersichtliche Frontplatte ist wohl die unweigerliche Kehrseite der Feature-Medaille. Deswegen ist es auch kein echter, harter Kritikpunkt. Dennoch dürfte das Layout des TX5C weniger versierte Anwender zunächst ein wenig überfordern, und ich muss gestehen, dass auch ich eine Weile gebraucht habe, um mich gut zurecht zu finden. Das soll uns aber nicht davon abhalten, jetzt in klanglicher Hinsicht in die Vollen zu gehen.

Eines der Spezialgebiete des API 2500 sind Drums, aus diesem Grund ist es naheliegend, auch den TX5C zunächst mit solchem Material auf die Probe zu stellen. Und in der Tat: Derlei hochdynamische, transientenreiche Signale bieten eine perfekte Folie, vor der sich die Wandlungsfähigkeit des Tonelux-Kompressors abzeichnen kann. Schon im „Normalbetrieb“, also ohne von den Zusatzfunktionen Gebrauch zu machen, zeigt sich, dass der TX5C eine enorme Bandbreite von Einsätzen beherrscht, ohne dass er sich jemals aus der Ruhe bringen lässt. Die auf Wunsch ultraschnellen Zeitkonstanten bringen den Raumanteil auf Drums zur Explosion, und bringt man den Wet/Dry-Mixer ins Spiel, gelingen dicke und trotzdem frisch klingende Overhead-Signale im Handumdrehen. Auch das Tilt-Filter kann hier vorteilhaft eingreifen, etwa um die Bissigkeit der heftigen Kompression zu reduzieren, indem höherfrequente Anteil stärker komprimiert werden. Auf diese Weise entsteht ein wuchtiger, heftiger Drumsound, der trotzdem nicht in den Ohren beißt, bei aller Gewaltigkeit angenehm zurückhaltend in den Präsenzen bleibt – und das alles, ohne dass man externe EQs oder Sättigungstools heranziehen müsste, die unweigerlich den Signalweg verlängern würden.

Auch das exakte Gegenteil gelingt hevorragend: Man kann die Transienten mit dem TX5C nicht nur plattmachen, sondern auch hervorheben, um einen (noch) knalligeren Klangeindruck zu erzielen. Hier entsteht dann auch der charakteristische „VCA-Pop“, ein Klangverhalten speziell auf den Transienten, das man in seiner Grundcharakteristik von allen legendären VCA-Comps von DBX über SSL bis eben hin zu API kennt: ein sehr typischer Sound, der sich mittels Feedback/Feed-Forward-Poti gut dosieren lässt. Auf eine kurze Formel gebracht: „Je Feed-Forward, desto Pop…“

Auf anderen Signalen wie etwa Vocals ist es vorteilhaft, dass der TX5C insgesamt sehr klar und transparent, fast schon hell klingt. Man kann zwar nicht sagen, dass er höhere Frequenzen aggressiv betont, aber er bringt Signale schon recht deutlich nach vorne im Mix. Das ist ein fundamental anderer Sound als beispielsweise betont tiefmittig-dickliche Comps wie der Neve 2254, aber auch das ist keineswegs ein Kritikpunkt. Denn auch der API klingt eher offen und knackig, und solch ein präsentes, durchsetzungsfähiges Klangverhalten steht einem Kompressor ausgesprichen gut, wenn sein Regelverhalten ihn schon für den Einsatz auf Drums prädestiniert. Zwar kann der TX5C sich in puncto Smoothness nicht mit bestimmten Röhren-Optokompressoren in deren Spezialgebiet messen, aber das wäre auch zu viel verlangt. Er erledigt den Lautmacher-Job auf Vocals knackig und lebendig, mit einem rockigen Touch, der bei Jazzballaden vielleicht nicht das Optimum darstellt, in vielen anderen Situationen aber genau richtig erscheint.

Im Prinzip handelt es sich beim TX5C also um einen ziemlich flexiblen Allrounder mit einem Faible für transientenreiches Material, das im Mix kontrolliert nach vorne geholt werden soll. Und dabei überzeugt der Tonelux dank der weiten Parameterbereiche insbesondere bei den Zeitkonstanten in einem sehr großen Spektrum – man ist hier bei der Hüllkurvenformung schlichtweg nicht eingeschränkt. Viele Kompressoren sind entweder gut im Plattmachen, oder aber im Herauskitzeln von Punch. Der TX5C aber kann beides!

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