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Test
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29.05.2017

Praxis

Nach dem Einschalten dauert es nur wenige Sekunden bis das Digitalpiano spielbereit ist. Der Hauptschalter zum Ein- und Ausschalten des DP-95 ist eigentlich ein Standby-Taster. Das Digitalpiano befindet sich – wie ein Fernseher – dauernd im Standby-Modus, wird durch Drücken des Tasters “aufgeweckt” und durch erneutes Betätigen wieder in den “Schlaf” geschickt. Wenn das Digitalpiano 30 Minuten nicht benutzt wird, schaltet es sich automatisch ab. Dieser Sleep-Modus kann auch auf 60 Minuten eingestellt oder deaktiviert werden.

Tastatur

Die 88-Tasten-Hammermechanik-Tastatur lässt sich gut spielen und ist für ein Instrument in dieser Preiskategorie durchaus akzeptabel. Natürlich haben teurere Digitalpianos bessere Tastaturen mit einer ausgewogeneren Gewichtung und einem noch realistischeren Spielgefühl. Als Einsteiger – und an solche Nutzer wendet sich Thomann mit dem DP-95 - sollte man mit der Klaviatur des DP-95 aber gut zurecht kommen. Man kann die Anschlagsempfindlichkeit in drei Stufen (weich, normal und hart) einstellen oder ganz ausschalten.

Die Pedal-Einheit bietet die klassischen drei Pedalfunktionen Soft, Sostenuto und Haltepedal. Bei Betätigung des linken Soft-Pedals wird der Klang des Pianos weicher und die Gesamtlautstärke gedämpft. Sostenuto bedeutet, daß die im Moment der Pedalbetätigung gespielten Noten solange gehalten werden, bis das Pedal wieder gelöst wird. Im Gegensatz dazu wirkt das rechte Haltepedal auf alle Tasten.

Klang

Nach dem Einschalten ist das Instrument immer auf einen akustischen Klavierklang voreingestellt. Dieser wichtigste Sound heißt beim DP-95 “Stereo Grand Piano” und ist glücklicherweise unter allen 500 Voices des Digitalpianos der beste. Ich finde den Klavierklang recht angenehm und ausgewogen und das eingebaute Lautsprechersystem bringt ihn gut zu Gehör. Im Vergleich zu anderen Digitalpianos dieser Preisklasse ist das ein großer Pluspunkt des DP-95. Mir fiel beim Spielen mit Kopfhörer auf, dass der Stereo-Effekt beim Haupt-Klaviersound ziemlich linkslastig ist. Die mittlere und hohe Lage wird etwas lauter wiedergegeben als der Bassbereich.

Thomann gibt auf der Produktseite eine Polyphonie von 128 Stimmen an, in der Bedienungsanleitung wird erklärt, das DP-95 sei 64-stimmig. Was jetzt stimmt, konnte ich nicht herausfinden, auf jeden Fall tauchten beim Spiel keine Effekte auf, die auf eine zu geringe Stimmenzahl hinweisen könnten.

Den eingebauten Brillianz-Regler neben dem Drehknopf für die Lautstärke hätte man sich allerdings sparen können. Die Veränderung des Klangs ist wirklich marginal und man kann es im folgenden Audiobeispiel allenfalls an der HiHat des mitlaufenden Beats erkennen, dass ich beim Spielen an diesem Regler drehe. 

Unter den Klangbeispielen des Klaviersounds ist auch unser “Vergleichs-Midifile”, das wir alle getesteten Digitalpianos abspielen lassen. So könnt ihr den Klang besser vergleichen. 

 

Die übrigen 499 Voices sind teilweise gut, einige aber auch eher enttäuschend. Ausgerechnet die für ein Digitalpiano ebenfalls wichtigen E-Piano-Sounds finde ich nicht gelungen. Man vermisst ein echtes Rhodes- oder Wurly-Sample. Alle E-Pianos klingen leider dünn und synthetisch. Positiv fallen hingegen die mit einer Fläche unterlegten Stereo-Piano-Sounds auf. Dabei muss die Layer-Funktion des DP-95 noch gar nicht benutzt werden

Die Zahl von 500 verschiedenen Sounds ist für ein Digitalpiano wirklich gigantisch. Es wäre meiner Ansicht nach aber besser gewesen, wenn der Hersteller weniger und dafür bessere Klänge eingebaut hätte. Schon beim Durchhören der E-Piano-Klänge stellt man fest, dass viele der Sounds sehr ähnlich und damit überflüssig sind. Von den brauchbaren Klängen hier eine kleine Auswahl:

Styles und Songs

Der eingebaute Arranger mit 200 Styles ermöglicht es, das DP-95 als komplette Begleitband erscheinen zu lassen. Neben der Methode, Styles nach ihrem Namen auszuwählen, gibt es auch die Rubrik “Album” mit 120 festen Song-Einträgen ähnlich dem Music Finder bei Yamaha. Es handelt sich dabei um eine Liste mit bekannten Evergreens. Bei der Auswahl eines Titels aus dem Album stellen sich die Klänge und der Arranger des DP-95 augenblicklich so ein, daß man sofort den entsprechenden Song spielen kann. Das ist natürlich gerade für Einsteiger praktisch. Der Sound der Begleitautomatik kann hingegen nicht mit aktuellen Entertainer-Keyboards mithalten. Der Arranger wirkt recht statisch und klanglich oft künstlich und kraftlos. Insgesamt ist dies also eher eine Funktion, mit der man beim Üben etwas Spaß haben kann, als ein wirklicher Spiel- und Hörgenuss.

Bedienung

Das große Display zeigt viele Funktionen des DP-95 an und erleichtert die Bedienung. Der Name eines Sounds, Styles oder Songs wird im oberen Feld groß dargestellt. Daneben werden die Betriebsart, der gespielte Akkord, der Takt, die Zählzeit, das Tempo, die Speicher-Nummer einer Registrierung und vieles mehr gleichzeitig angezeigt. Praktisch: Es gibt sogar ein komplettes Notensystem mit Bass- und Violinschlüssel im Display und jede gespielte Taste erzeugt eine kleine Note auf der richtigen Linie, sodass ein Einsteiger beim Üben direkt ein grafisches Feedback erhält. Diese Notendarstellung wird auch im Akkord-Lernmodus DICT1 oder DICT2 verwendet, bei dem Drei- oder Vierklänge geübt und abgefragt werden können.

Drückt man die SHIFT- und eine TEMPO-Taste gleichzeitig, so gelangt man ins Funktionsmenü, wo sich viele wichtige Parameter einstellen lassen wie z.B. Feinstimmen, Splitpunkt, Lautstärke des Metronoms, Pedalfunktion des rechten Pedals, Anteil Reverb, Anteil Chorus, Einstellung des Harmonie-Modus, MIDI Empfangs- und Sende-Kanal. Praktisch ist, dass man das DP-95 mit nur einer Tastenkombination (SHIFT + PIANO) in den sogenannten Piano-Modus schalten kann, in dem nur der akustische Klavierklang zu hören ist.

Im DUAL-Modus können zwei Voices übereinander gelegt werden und im SPLIT-Modus wird die Tastatur in zwei Bereiche mit unterschiedlichen Klängen geteilt. Im letzten Fall kann dann der rechte Bereich auch noch im DUAL-Modus betrieben werden, sodass insgesamt maximal drei Voices gleichzeitig gespielt werden können: Lower, Voice R1 und Voice R2. 

Der Arranger kann auf drei verschiedene Akkorderkennungen eingestellt werden: Einfinger- und Mehrfinger-Erkennung für die linke Hand oder die Erkennung auf der gesamten Tastatur bei pianistischem Spiel. Ist die OTS-Funktion (One Touch Setting) aktiviert, so stellt das DP-95 die Voices, Lautstärken und Effekt-Pegel passend zum gewählten Style ein. Hat man eine eigene Gesamteinstellung kreiert, die man behalten möchte, so kann man das Register auf einem der 32 Speicherplätze (M1 bis M4 in 8 Speicherbänken) abspeichern.

Übungs- und Aufnahmefunktionen

Neben dem Arranger bietet das DP-95 auch einen MIDI-Recorder/Player. 60 Übungsstücke sind werkseitig im Gerät vorhanden. Schaltet man die Melodiestimme der rechten Hand stumm, kann man diesen Part selbst übernehmen. Es gibt einen Einzähler und auch eine Loop-Funktion, mit der schwierige Passagen in einer Dauerschleife geüben werden können. Im “Lektionsmodus” können Melodie und Timing trainiert werden. Das Instrument wartet sogar beim Abspielen des Songs auf die richtige gespielte Note und teilt dem Schüler nach der Übung mit, wie gut er war. Zusammen mit der TWINOVA-Funktion bietet das DP-95 mehr Lern-Tools als viele vergleichbare Digitalpianos.

Mit dem MIDI-Recorder kann man drei eigene Stücke aufnehmen, die jeweils sechs Spuren enthalten können (eine Arrangerspur und fünf Melodiespuren). 

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