Hersteller_Thomann Gitarre
Test
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01.03.2019

Praxis

Die Classica Fusion 8-String besitzt einen normal großen Korpus, was das Handling erleichtert. Ein Cutaway ist keines vorhanden. Warum sie nun genau das "Fusion" im Namen trägt, erschließt sich mir nicht ganz, denn typische Fusion-Passagen sind ohne den Zugang zu den oberen Lagen nur eingeschränkt möglich.

Der Hals erscheint einem Normalgitarristen, der sechs Saiten gewohnt ist und vielleicht vor allem auch noch E-Gitarre spielt, wirklich sehr breit. Wer zudem noch nie mit achtsaitigen Gitarren zu tun hatte, wird eine längere Übephase einkalkulieren müssen. Hat man diese Hürde genommen, kann man sich an der überraschend lockeren Bespielbarkeit der Classica Fusion 8-String erfreuen. Die Finger finden ausreichend Platz für alle Spieltechniken, sofern man sich einer lehrbuchgemäßen Handhaltung befleißigt, denn mal eben den Daumen um den Hals legen ist hier definitiv nicht drin.

Der Klang ist schön präsent und gleichzeitig weich. Die tiefen Saiten könnten knackiger tönen; hier wird es etwas undefiniert, worunter speziell die ganz tiefen Register leiden. Man sollte mit dem Saitentyp experimentieren, denn mit dem passenden Material kann man noch die eine oder andere Nuance herauskitzeln. Die massive Decke beschert der Fusion 8-String eine gut formbare Dynamik und eine angemessene Reaktion auf die Anschlagregister. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt des Klangs stellt übrigens die Resonanz der tiefen Saiten dar, die dem Gesamtsound eine unerwartete Fülle beschert.

Mit der vorgesehenen Stimmung kann man besonders gut die Lautenmusik des Barock und der Renaissance darstellen – man höre sich beispielsweise die Aufnahmen von Sting mit dem Lautenisten Edin Karamazov an. Diese Literatur werden jedoch die wenigsten von uns spielen wollen. Meistens dürfte diese Gitarre im Grenzbereich zwischen Folk und Pop eingesetzt werden. Dann lohnt es sich, mal mit der Stimmung zu experimentieren. Eines der Hörbeispiele habe ich beispielsweise mit der Stimmung B-B-E-A-D-F#-B-F# eingespielt. Hier erhält man mit den mittleren sechs Saiten eine Baritonstimmung. Die tiefste Saite habe ich auch auf B gestimmt, was einen etwas satteren Sounds möglich macht.

Völlig neue Welten erschließen sich, wenn man die beiden tiefen Saiten eine Oktave unter das E und das A der Standardstimmung legt, was den beiden tiefen Tönen eines E-Basses entspricht. Das geht mit den aufgezogenen Saiten nicht mehr, dazu sind sie zu dünn. Es gibt jedoch Saitenhersteller, die solche Saiten auf Anfrage herstellen - Pyramid beispielsweise. Oder man benutzt den Oktavsatz von Magma und fügt noch zwei hohe Saiten dazu.

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