Gitarre Hersteller_Thermion
Test
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07.07.2017

Thermion Gasoline High Octane Drive Test

Distortion Pedal

Zerren auf Spanisch

Der Thermion Gasoline High Octane Drive hat seinen Ursprung in Europa, genauer gesagt im spanischen Albacete. 2012 gegründet, werden inzwischen neben Verstärkern auch zwei Pedale gefertigt. Außer dem Thermion Heartbreaker, einem Overdrive-Pedal, auch unser heutiger Testkandidat, das Gasoline High Octane Drive.

Dabei handelt es sich trotz Drive im Namen um ein Distortion-Pedal, das laut Hersteller jeden Amp in eine Rock- und Metalmaschine verwandelt - der Zusatz "High Octane" würde in diesem Fall durchaus Sinn ergeben. Nur Marketinggeklingel oder Realität?

Details

Optik/Verarbeitung:

Das Gasoline High Octan Drive wird von Hand in Spanien gefertigt und entsprechend fällt auch die Verarbeitung des 541 Gramm schweren und 155 x 120 x 65 mm (B x T x H) großen Pedals aus: ausgesprochen hochwertig und solide. Allerdings benötigt es aufgrund seiner Größe auch etwas mehr Platz auf dem Pedalboard.

Die sieben Potis in gehobener Qualität arbeiten super-geschmeidig und erlauben ein präzises Einstellen von Gain, Volume, Bass, Mid, Treble, Deep und Presence. Diese Elemente kennen wir auch von unseren Verstärkern, entsprechend schnell ist man mit ihrer Wirkungsweise und mit ihrer Bedienung vertraut. Neben dem Fußschalter, der das Pedal aktiviert, und einer weißen Status-LED, steht ein Dreiweg-Kippschalter bereit, der mit M, R und V beschriftet ist. Dabei handelt es sich um eine Modus-Schalter, der zwischen Modern, Raw und Vintage wählt. Thermion gibt laut der im Karton beiliegenden Bedienungsanleitung dem Nutzer die Möglichkeit, das Pedal auf drei verschiedene Arten zu betreiben.

  • 1. Wird das Pedal mit dem Eingang eines Verstärkers verbunden, empfiehlt der Hersteller den Modus M- also Modern für einen aggressiven, aber nicht harschen Klang.
  • 2. Am Effekt-Return des Amps oder direkt an einer Endstufe übernimmt es die Rolle der Vorstufe. Thermion empfiehlt den Modus R wie Raw.
  • 3. Ist der Ausgang des Pedals mit einer Soundkarte oder einem anderen Interface verbunden, lässt sich sein Signal in der DAW mit der hauseigenen SE2 Technologie nachbearbeiten. Dabei werden die von Thermion erstellten Impulsantworten genutzt, mit denen eine Vielzahl von Boxen und Mikrofonen darstellbar ist. Für diese Arbeitsweise empfiehlt Thermion ebenfalls die R-Einstellung des Dreiwegschalters.

Last, but not least steht die V-Position des Mode-Schalters für Vintage und damit für klassische Overdrive-Sounds. Thermion empfiehlt die V-Stellung in Verbindung mit klassischen Amps wie Fender oder Marshall. Auf die SE2 Technologie komme ich gleich zu sprechen, vorher schauen wir uns aber an, was das Pedal noch zu bieten hat.

An der rechten und linken Gehäuseseite befinden sich die Ein- und Ausgangsbuchsen, die passenderweise mit dem Symbol einer Zapfsäule beim Eingang und dem für Feuer beim Ausgang bebildert sind. Ebenfalls links wartet eine Buchse auf den Anschluss eines 9-Volt-Netzteils. Warum diese mit einer Gummidichtung verschlossen ist, erschließt sich mir nicht unbedingt, denn das Pedal lässt sich ausschließlich mit Adapter und nicht mit Batterie betreiben. Soll verhindert werden, dass beim Transport Flüssigkeit oder Schmutz in das Pedal gelangen, müssten auch die Ein- und Ausgangsbuchsen verschlossen sein, was nicht der Fall ist. Aber das nur nebenbei. Besagtes Netzteil ist übrigens nicht Teil des Lieferumfangs, dafür aber eine Bedienungsanleitung in Spanisch und Englisch. Der fehlende Adapter sollte allerdings kein großes Problem darstellen, da die meisten von uns ihre Pedale auf dem Board ohnehin mit einer zentralen Spannungsversorgung betreiben. Und dort sind alle Anschlüsse belegt und Gummidichtungen überflüssig.

Die Unterseite ist mit vier Gummifüßchen versehen, die das Wandern des Gasoline Distortion verhindern - leider keine Selbstverständlichkeit, wie man bei vielen Boutique-Geräten immer wieder feststellen muss. Gehalten wird die Bodenplatte des Pedals mit vier Schrauben, und wo ich schon einmal dabei bin, werfe ich einen Blick hinein. Auch hier gibt es seitens der Verarbeitung nichts zu bemängeln, alle Arbeiten wurden penibel und sauber ausgeführt. Ist das Gasoline deaktiviert, wird das einkommende Signal per True Bypass ohne Umwege auf den Ausgang weitergeleitet.

Die bereits erwähnte SE2-Technologie bietet Impulsantworten, also die Simulation echter Verstärker, Boxen und Mikrofone, die sich mit dem Freeware PlugIn Lepou Lecab nutzen lassen. Es kann auf einem PC als VST und auf dem Mac als AU und auch als VST-Plug-In innerhalb einer DAW betrieben werden und steht, sobald man sich registriert und die Seriennummer des Pedals eingegeben hat, zum Download bereit, genau wie diverse Impulsantworten.

Thermion stellt die Impulsantworten folgender Amps und Boxen bereit:

  • Blackstar HT 100, 4x12 Closed Back, Celestion Vintage 30
  • Blackstar HT100, 1x12 Open Back cabinet, Jensen G12K
  • Diezel VH4, 1x12 Open Back cabinet, Jensen G12K
  • Diezel VH4, 4x12 Closed Back, Celestion Vintage 30
  • Framus Cobra, 4x12 Closed Back, Celestion Vintage 30
  • Framus Cobra, 1x12 Open Back cabinet, Jensen G12K
  • Genz Benz El Diablo, 1x12 Open Back cabinet, Jensen G12K
  • Genz Benz El Diablo, 4x12 Closed Back, Celestion Vintage 30

Aufgenommen wurden sie in Kombination mit einem der folgenden Mikrofone:

  • Audio Technica 4040
  • Audio Technica 4041
  • Shure SM7B
  • Shure SM57 off axis
  • Shure SM57 on axis

Die Bedienung des Plug-Ins ist kinderleicht, man muss lediglich eine Impulsantwort in den endsprechenden Slot laden und schon kann es losgehen. Positiv zu erwähnen ist die Tatsache, das sich unterschiedliche Impulsantworten für den linken und den rechten Kanal nutzen lassen. Die Verarbeitung des Gasoline ist auf höchstem Niveau und gibt keinerlei Anlass zur Kritik und ich bin gespannt, ob das Distortion-Pedal klanglich genau so überzeugen kann.

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