Test
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21.12.2020

Praxis

Nach Betätigung des Netzschalters nimmt der verbaute Lüfter sofort seine Arbeit auf. Die Hoffnung, dass dieser sich nach wenigen Sekunden in seiner Drehzahl etwas mäßigt, darf man begraben. Der kleine Kollege arbeitet leider nicht Temperaturgesteuert und gibt daher Vollgas wie ein 3er BMW vor der örtlichen Eisdiele. In ein Rack eingebaut, hält sich der Lüfterlärm in Grenzen, Freifeld als Desktop-Gerät nervt der Propeller auf die Dauer etwas. Entschädigung gibt es in Form einer tadellosen Kommunikationsstruktur.

Für die erste Kontaktaufnahme nutzten wir den USB-Port. Freudige Überraschung: Verbindet man den Laptop via USB-Kabel mit dem Kandidaten und startet die Software, ist man nach wenigen Sekunden online! Kein langes Konfigurieren, das Ganze funktioniert „out of the box“. Sehr schön! Was die Netzwerkverbindung via Ethernet betrifft, kann der Anwender leider nur mit einer statischen IP arbeiten. Komfortables DHCP bietet die Matrix nicht. Hat man eine passende IP vergeben, funktioniert die Verbindung allerdings tadellos.

Die Ethernet-Verbindung bietet sich an, wenn mehrere the t.racks 8x8 Matrix Controller im Verbund arbeiten und von einem Computer aus gesteuert werden sollen. Dazu verbindet man die Matrix mit einem Switch und dockt dort ebenfalls den Computer an. Dieser darf maximal hundert Meter vom Switch entfernt stehen. Wer noch längere Kabelwege zwischen Matrix Controller und Remote Laptop benötigt, der kann auf die etwas betagte, aber in puncto maximale Verbindungstrecke immer noch sehr potente RS232/485-Schnittstelle zurückgreifen.

Software

Die Installation auf meinen betagten Levono T430 Laptop (Windows 10 – 64 Bit) ist schnell und problemlos. Auf Wunsch installiert der Installer noch ein Desktop Icon. Für bondeo-Autoren im Herbst des Lebens eine dankbare Option. Nun noch die Matrix mit dem Laptop über ein USB-Kabel verbinden, die Software starten und die Hard- und Software synchronisiert sich in wenigen Sekunden von selbst. Die Software ist optisch vielleicht noch nicht ganz im Jahr 2020 angekommen, dafür ist sie sehr anwenderfreundlich aufgebaut. Am oberen Rand befindet sich für jede Standardfunktion ein Tab, der ein eigenes Fenster öffnet. Somit muss man sich nicht durch Untermenüs und Sub-Seiten quälen. Die Navigation folgt zudem dem logischen Signalfluss von der Gain Stage über die Eingänge bis hin zu den Ausgängen. Die Software kann hier nicht bis ins Detail beschrieben werden, dafür sind die Möglichkeiten zu umfangreich. Im folgenden Praxisteil konzentriere ich mich daher auf die Highlights.

Wichtige Funktionen

Die Default-Seite der Software ist die Gain Page. Gain ist auch das erste Tab im oben angebrachten Menu. Bei einem angewählten Tab ändert sich dessen Schriftfarbe von Weiß auf Grün. Das man tatsächlich Zugriff auf das Gerät hat, zeigt die grüne „Online“-Anzeige oben rechts in der Software.

Auf der Gain Page hat der User die Möglichkeit, allen Eingängen einen eigenen Namen zu verpassen und die Eingangspegel zu verwalten. Als Default sind Line-Pegel eingestellt. Das MicPre Gain wird erst zugänglich, wenn man den Input von „Line“ auf „Mic“ umschaltet. Dann erst lässt sich die Phantompower aktivieren, was auch ein Schutz angeschlossener Line-Quellen darstellt. Auf der Gain Page lassen sich zudem die EQ- und Filterpunkte für alle Ein- und Ausgänge anzeigen, damit behält man den Überblick.

Welche EQ-Filter bietet die Matrix? Die Auswahl ist erstaunlich umfangreich. In jedem Ein- und Ausgang stehen Low & Hi Shelf, Peak, Low & High Pass, Allpass1 und Allpass2 Filter zur Auswahl. Dabei lassen sich in jedem Eingang fünf und in jedem Ausgang sieben EQ-Punkte setzten. Eine gute Auswahl finden wir auch bei den X-Over-Filtertypen. Ungewöhnlich, dass sowohl in den Ein- als auch in den Ausgängen je ein High & Low Pass zur Verfügung steht. Dabei wird von sanften –6-dB-Filtern bis steilflankigen –48-dB-Filtern durchweg alles angeboten. Leider ist die Filterbezeichnung teilweise etwas kryptisch. Neben der typischen Abkürzung „BW“ für Butterworth Filter, werden noch „LK“ und „BL“ angeboten. Aufgrund der optischen Darstellung würde ich „LK“ als Linkwitz/Riley (üblich mit „LR“ abgekürzt) übersetzten, während „BL“ vermutlich „Bessel“ bedeutet.

Dynamics, Delays und Matrix

Ich notiere Gates in allen Eingängen und Kompressoren in allen Ausgängen. Für den Treiberschutz sind die verbauten Kompressoren dank frei einstellbarer Ratio, Attack- und Release-Zeiten auch als Limiter einsetzbar. Allerdings erfüllen sie nur einfache Ansprüche. Professionelle PA-Controller bieten meist mehrere Limiter pro Ausgang (RMS, Peak und Voltage Limiter) Da kann der the t.racks 8x8 Matrix Controller nicht mithalten. Hier werkelt der Limiter eher als grobe Kelle, was aber meistens ausreichend sein dürfte.

Gut gefallen mir die Laufzeiten-Delays, die jeden Ausgang auf Wunsch bis zu 233 Meter verzögern. Das passt auch für größere Installationen und Setups. Volle Punktzahl erhält von mir die Matrix-Seite. Jeder Eingang lässt sich frei auf jeden Ausgang routen. Per Default ist das Routing wie folgt: Eingang 1 geht auf Ausgang 1, Eingang 2 geht auf Ausgang 2 und so weiter. Das lässt sich über den Matrix-Tab frei ändern. Neben den acht Eingängen lässt sich ein neunter Weg (Aux) einbinden. Dieser verfügt zwar nur über einen 5-Band-EQ, ist dafür aber mit einer Automix-Funktion und einem Hall/Delay-Effekt ausgestattet. Daher macht es Sinn, diesen für einen Mikrofoneingang zu nutzen.

Als (Notfall-) Durchsagemöglichkeit, lässt sich der Aux Kanal auf jeden Ausgang zuweisen. Gesangsdarbietungen samt dem verbauten Effekt sind meiner Meinung nach eher für eine spontane Karaoke-Session gedacht, anstatt für eine ernsthafte musikalische Darbietung. Dafür sind die direkten Zugriffsmöglichkeiten einfach zu beschränkt. „Beschränkt“ ist auch der Button „Camera“ im Aux-Menü. Diese Funktion ist schlichtweg nicht belegt.

Copyshop

Eine wirkliche Arbeitserleichterung sind die Funktionen Copy & Paste und Kanal Link, die es erlauben Parameter schnell auf andere Ein- und Ausgänge zu kopieren. Mit der Group Control kann der Anwender das Gain/Volume mehrerer kombinierter Ein- und Ausgänge auf einmal steuern. Eine Lock-Password-Funktion, um unerwünschten Zugriff auf die Einstellungen zu verhindern, wurde ebenfalls nicht vergessen. Ein Tongenerator (Pink & White Noise, Sinus) stellt auf Wunsch Testsingale zu Verfügung.

Hat man alle Einstellungen wie gewünscht vorgenommen, dann stehen 21 Speicherplätze auf dem Gerät bereit. Alternativ lassen sich die Einstellungen auch auf dem Computer ablegen. Erstaunlich viel Ausstattung für ein derart günstiges Gerät. Auch die Bedienung ist im Grunde selbsterklärend, wenn man die wesentlichen Funktionen eines Matrix- oder PA-Controllers kennt.

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