Test
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15.03.2017

Praxis

Ein Schwergewicht, sowohl im Handling als auch klanglich

Eine Snaredrum aus gegossenem Metall erfordert vom Drummer ein bisschen zusätzliche Aufmerksamkeit, da ist die Tempest keine Ausnahme. In der Praxis bedeutet das, dass man sie nicht hochkant auf weichere Holzböden stellen sollte, weil sie dort Druckspuren hinterlässt. Es bedeutet auch, dass der leichte Snare-Ständer, der sonst immer prima funktioniert hat, besser nochmal auf seine Standfestigkeit hin untersucht werden sollte. Man sollte sich beim Tragen auch kurz vergegenwärtigen, dass ein Fallenlassen zu schweren Schäden an Mensch, Snaredrum und Fußboden führen wird. So, Schluss mit den Warnungen, schließlich brennt nicht nur dem Autor dieser Zeilen die Frage unter den Sticks, wie sich dieses monströse Stück Metall wohl im Einsatz schlagen mag. Jeder Trommeltest beginnt mit dem groben Stimmen sowie der Einstellung des Snare-Teppichs, beides geht mithilfe der sehr gleichmäßig laufenden Stimmschrauben und der makellos funktionierenden Abhebung schnell und problemlos. 

Tauschen sich Drummer über den Klang von Gussmetall-Snaredrums aus, fallen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Worte wie „Schädelspalter“, „sehr laut“, „zu brutal für leise Musik“ und Ähnliches. Tatsache ist, dass die Tempest Bell Bronze laut kann. 

Lautstärke: Check! Aber die Tempest kann mehr

Das ist allerdings noch längst nicht alles, denn vor allem kann sie Dynamik. Das bedeutet, dass sie in allen Stimmungen eine Teppichansprache liefert, die man blind definitiv nicht einer mehr als 6 Zoll tiefen Trommel zuordnen würde. Gleichzeitig besitzt der Teppich-Sound eine starke Integration in den Kesselklang und wirkt damit sehr schnell und unmittelbar. Auch das ist bei so tiefen Modellen ein seltenes Phänomen. Rimclicks klacken in allen Tunings schön fokussiert und laut. Ich habe euch die Trommel in vier offenen Stimmungen aufgenommen. 

Sehr tiefe Stimmung

Sehr tiefe Stimmung bedeutet, dass das Schlagfell nur kurz über dem Zugpunkt der Edelstahlschrauben liegt. Hier geben viele Snares nur noch ein „Flatsch“ von sich, nicht so unser Testobjekt. Sogar ohne Dämpfung ertönt ein großer, im Sustain leicht modulierender Ton, welcher deutlich das Kesselvolumen hören lässt. Mir fallen als Assoziationen sofort die typischen Sounds der LA-Rockdrummer-Clique um Dave Grohl, Josh Freese und Taylor Hawkins ein, ordentliches Reinlangen klingt einerseits sehr fett, andererseits trotzdem lebendig, dank der guten Teppichintegration. Ich habe euch ein jeweils ein Solo- und ein Groovefile aufgenommen. 

Mitteltiefe Stimmung

Eine halbe Stimmschraubendrehung darüber beginnt die Fellspannung den großen Kessel verstärkt in die Pflicht zu nehmen. Kräftige Rimshots entfalten jetzt ein Potenzial, welches auch hartnäckige Gehörschutzmuffel zum Umdenken bewegen kann. Der Druck ist wirklich erstaunlich, ebenso erstaunlich ist aber auch die Tatsache, dass der Sound nicht zur Härte neigt. Eigentlich spielt sich die Trommel sogar eher weich, man hat fast das Gefühl, dass die Sticks beim Anschlag etwas eintauchen. Die Teppichansprache ist sehr schnell, gleichzeitig aber breit und „saftig“, ohne matschig zu wirken. Das hört man auch gut auf den beiden Aufnahmen. 

Mittelhohe Stimmung 

Stimmt man die Tempest Bell Bronze noch ein bisschen höher, tritt der Kesselcharakter noch stärker in den Vordergrund, eine leichte, metallisch-warme Modulation gesellt sich jetzt in das Sustain. Was sich bei anderen Metall-Snares manchmal etwas jammernd anhören kann, sorgt beim Testmodell für eine gefühlte „Verbreiterung“ des Anschlags, eine Eigenschaft, welche das Bronzeguss-Konzept insbesondere im Kontext mit anderen Instrumenten so beliebt gemacht hat. Ich habe bei Proben mit einem durchaus lauten Experimental-Projekt nie das Gefühl, dass die Snare untergeht oder Details im musikalischen Geschehen verschwinden. 

Hohe Stimmung

Bringt man das 14x8-Monster in sehr hohe Stimmungen, beginnt der Kesselton langsam aber sicher, den Gesamtsound zu dominieren, jedenfalls dann, wenn man auf Dämpfung verzichtet. Wer hier einen klassischen, tighten Piccolo-Klang erwartet, sollte dieses Modell lieber in einer flacheren Variante bestellen. Trotzdem hat die Trommel auch in dieser Stimmung viel Charakter, was auch damit zu tun hat, dass sich der Kessel kaum verwindet und damit keine Kompressionseffekte eintreten. So lassen sich zwar filigrane Ghostnote-Figuren spielen, wer es drauf anlegt, kann aber mühelos auch die eingangs erwähnten Schädelspalterqualitäten abrufen. Ein Wechsel auf Gussspannreifen dämpft den Kesselton etwas, gleichzeitig lassen sich beängstigende Rimshots generieren.   

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