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Test
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29.11.2016

Telefunken R-F-T CU-29 Copperhead Test

Großmembran-Röhrenmikrofon

Nur echt mit dem Kupferkopf

Röhrenmikrofone sind nach wie vor bei vielen Usern die bevorzugte Wahl, um Gesang aufzunehmen, aber auch diverse Instrumente zu recorden. Das CU-29 „Copperhead“ von Telefunken Elektroakustik ist ein solches Mikrofon, zudem beschreitet es die klassischen Wege. Der R-F-T-Serie Telefunkens zugeordnet, befindet es sich in starker konzeptioneller Nachbarschaft zu AK-47 und AR-51, jeweils ebenfalls derartige Mikros.

Details

AR-51, AK-47, CU-29: Wo sind denn da die Unterschiede?

Um vielleicht kurz einmal Licht ins Dunkel zu bringen: Anders als die beiden mit „A“ beginnenden Röhrenmikros hat das R-F-T CU-29 keine einstellbaren Richtcharakteristiken, sondern besitzt eine feste Niere. Ein Kollege von mir meinte einmal: „Ich glaube, 90% aller umschaltbaren Mikros stehen eh immer auf Niere.“ Ich persönlich denke, dass das deutlich übertrieben ist, aber dennoch ist und bleibt die Niere wegen ihrer genau rückseitigen Auslöschung und ihres dadurch einfachen „Bedienkonzepts“ das beliebteste Polar-Pattern. Weiterhin sind die wesentlichen Unterschiede in den verwendeten Bauteilen zu suchen, und zwar in allen wesentlichen: Das CU verwendet die verbreitetere Variante der mittenkontaktierten Membran mit passiver Rückmembran, deren Signal ja nicht abgegriffen werden muss. Mit der 5654W findet man eine Röhre, mit dem Lundahl LL1935 einen Übertrager, die in AR und AK nicht zum Einsatz kommen. 

All dies hat Auswirkungen auf einige technische Parameter. So ist der Pegelfrequenzgang breiter, Telefunken gibt ihn im Bereich zwischen 20 Hz und 20 kHz mit einer Toleranz von nur +/-2 dB statt +/- 3 dB an. Die Empfindlichkeit ist mit 19,5 mV/Pa etwas höher, der maximale Schalldruckpegel ebenfalls – und das Rauschen geringer. Mit 7 dB(A) gleicht es zumindest zahlenmäßig dem des Neumann TLM 103. Das ist ein Wert, der durchaus hellhörig macht.

Steampunk-Optik

Der Aufbau des Copperheads ist klassisch und simpel (und wirkt etwas hausbacken): Die Elektronik im Inneren ist durch einen Zylinder geschützt, den man durch einen Ring am Fuß abziehen kann. Der Korb besteht aus Drahtgeflecht, das Finish ist schwarz, die sonst bei vielen derartigen Mics verchromten Metallteile sind in gebürsteter Kupferoptik gehalten. Ich bin zwar ausgewiesener Kupfer-Fan, die Steampunk-Optik des Telefunken wirkt auf mich aber etwas zu „gewollt“. Das CU-29 wird aber sicher seine Freunde finden. 

Nur ein Koffer für das Mikro selbst – aber das ist nicht so schlimm

Natürlich gehört zum „Kupferkopf“ eine Spinne, mit der es auf einem Mikrofonstativ verbunden wird. Und ohne ein Netzteil kann das Mikro nicht betrieben werden, auch dies ist selbstverständlich dabei, auch ein Holzköfferchen für das CU-29 selbst. Was fehlt, ist allerdings ein Case für das Komplettsystem, lediglich die Transportverpackung mit Formschaumstoff kann als Aufbewahrungsort dienen. Aber: Viele User werden ihr Mikrofon wahrscheinlich ständig auf dem Stativ belassen und abdecken, statt alles immer wieder im Koffer zu verstauen. Und wieso Ressourcen (darunter Geld) verbraten für etwas, das man nicht benötigt? Im Baumarkt kann man sich zur Not auch einen Koffer dazukaufen – wir reden beim CU-29 ja nicht über ein High-End-System.

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