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25.09.2017

Telefunken M82 Test

Bassdrum-Mikrofon

Das große Schwarze

Wer ein Bassdrum-Mikrofon kaufen möchte, hat die Wahl zwischen etlichen Modellen, viele davon sind bewährte Klassiker, wie zum Beispiel das Shure Beta52A, das EV RE20 oder das AKG D112Je nach Geschick und Erfahrung kommt man mit fast allen Optionen zu brauchbaren Bassdrumsounds. Einige Modelle klingen tendenziell natürlich, andere wiederum betonen den Attack stärker oder besitzen eine starke Mittenabsenkung. Die Entscheidung für ein Modell hat also in erster Linie damit zu tun, auf welche Weise und wie stark das Mikrofon schon bei der Aufnahme ins klangliche Geschehen eingreifen soll. Unser Testkandidat, das Telefunken M82, möchte hingegen die eierlegende Wollmilchsau sein und dem User alle Optionen offen halten. Mit einem grundsätzlich neutralen Grundsound, kombiniert mit zwei EQ-Schaltern zur Anpassung an verschiedene Bassdrums und Geschmäcker, soll es der Konkurrenz klar überlegen sein. Sagt zumindest Telefunken.

Obwohl auch andere Mikrofonhersteller diese Optionen anbieten – beispielsweise AKG mit seinem D12VR – hat das M82 nur wenig Konkurrenz. Der Grund dafür dürfte sein, dass eine am Mikrofon schaltbare Klangveränderung nicht automatisch zu besseren Endergebnissen führt. Im Gegenteil, wer schon bei der Aufnahme bestimmte Frequenzen begrenzt, bekommt diese im Mix unter Umständen nur schwer zurück, wenn sich die gewählte Einstellung beim Abhören als Irrtum erweist. Hinzu kommt der Umstand, dass die legendärsten Aufnahmen nun einmal mit recht einfachem Equipment entstanden sind und viele Tonleute ihren Wunschsound lieber mit Positionierung, Stimmung und Nachbearbeitung erreichen. Davon abgesehen ist ein gutes Bassdrum-Mikrofon nun einmal ein gutes Bassdrum-Mikrofon und Optionen sind schließlich immer eine tolle Sache. Wie gut das (ziemlich kostenintensive) M82 tatsächlich ist, lest ihr im Folgenden.

Details

Das Telefunken M82 erinnert formal an einen alten Bekannten

„Nanu, die Form kommt mir doch bekannt vor?“, denke ich beim Auspacken des Testkandidaten. Kein Wunder, denn wer sich das Telefunken M82 in silber und mit etwas verlängertem Korpus vorstellt, landet unweigerlich beim berühmten Neumann/Telefunken U47/U48, seines Zeichens eines der legendärsten Mikrofone überhaupt und neben seinen Qualitäten bei Gesangsaufnahmen besonders als Kick-Out-Mikrofon immer noch hoch geschätzt. Optisch hat Telefunken hier also schon den Nagel auf den Kopf getroffen, denn Bezüge zu Berühmtheiten der Audiotechnik helfen bekanntlich, den Kaufreflex auszulösen. Mit knapp 450 Gramm liegt das Mikrofon schwer, aber nicht zu schwer in der Hand und wirkt insgesamt sehr hochwertig verarbeitet. Auch bei der Ausstattung hat Telefunken nicht geknausert, denn während ein Halter samt EU-Gewindeverkleinerung, eine Tasche und eine Anleitung durchaus gängiger Standard sind, kann man das vom Fünf-Meter-XLR-Kabel in guter Qualität nicht behaupten. Hier ist also buchstäblich Plug and Play angesagt.

Der Clou sind die beiden EQ-Switches

Obwohl die optische Erscheinung ein Side-Adress-Mikrofon vermuten lässt, handelt es sich beim M82 um ein Modell mit Einsprechrichtung auf der Vorderseite. Alles andere wäre bei einem spezialisierten Bassdrum-Mikrofon auch wenig sinnvoll. Um jede Fehlbedienung auszuschließen, hat Telefunken die Worte „End Adress“ samt Pfeil beidseitig auf den Mikrofonkorb gedruckt. Unter diesem arbeitet eine 3,5 Zentimeter durchmessende Tauchspulenmembran, welche den recht weiten Frequenzbereich von 25 bis 18.000 Hertz übertragen und Schalldruck von bis zu 146 dB verarbeiten kann. Mit einer niedrigen Empfindlichkeit von 1,85 mV/Pa ist der Einsatz auf Nahmikrofonierungen ausgelegt. Zwei Schalter mit der Aufschrift „Kick EQ“ und „High Boost“ sollen für maximale Vielseitigkeit sorgen, neben dem Einsatzgebiet Bassdrum wird das M82 nämlich auch als Sprechermikrofon beworben. Im Gegensatz zur aktiven EQ-Elektronik des AKG D12VR handelt es sich beim M82 um passive Schaltungen, der High Boost veranlasst also kein Anheben der hohen Frequenzen, sondern vielmehr ein Absenken der Frequenzen unterhalb von etwa 2.000 Hertz. „Kick EQ“ hingegen nimmt der Bassdrum die mittigen Resonanzen im Bereich von 350 Hertz, diese EQ-Kurve wird aufgrund ihrer Form auch als Badewanne oder Smiley bezeichnet. 

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