Test
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08.12.2015

Telefunken AK-47 MkII Test

Umschaltbares Großmembran-Röhrenmikrofon

Funkig-fettes Tube-Mike

Hierzulande ist im Bereich der Tontechnik dieser Name etwas weniger von der magischen Aura umgeben, als es in den USA der Fall ist. „Telefunken“ wird dort in erster Linie mit alten Röhrenmikrofonschätzchen deutscher Produktion assoziiert, besonders dem ELA M 251 und dem U 47. Moment… U 47… ist das nicht ein Neumann? Genau, das U 47 ist eine Entwicklung von Neumann, die schlicht das Telefunken-Badge aufgedrückt bekam, das ELA M 251 hingegen ist eine eigenständige Entwicklung – allerdings durchgeführt und komplett gebaut von AKG in Wien. Dass dabei die berühmte CK-12-Kapsel zum Einsatz kam, ist sicher nur vorteilhaft und rückt das ELA-Mikro in die Nähe des AKG C 12.

Auch heute ist Telefunken im Bereich der Mikrofontechnik nicht viel mehr als ein Name, wenn auch ein gewichtiger. Nach der Gründung als „Telefunken USA“ in das heutige Telefunken Elektroakustik geändert – natürlich mit dem Recht, diesen Namen zu führen –, haben sich die Amerikaner aus Connecticut dem Bau hochwertiger Röhrenkondensatormikrofone verschrieben. So sind einerseits in der „Diamond Series“ sehr originalgetreue Nachbauten der U-, C- und ELA-Mikrofone entstanden, für die man allerdings sehr, sehr tiefe Taschen braucht: Fünfstellige Eurobeträge kennt man sonst höchstens von gut erhaltenen Originalen. Neben der neuesten Erweiterung des Produktportfolios auf dynamische Instrumenten- und Bühnen-Gesangsmikrofone, sind es die Eigenentwicklungen, wie das Copperhead, welche durchaus Erfolg haben. Das AK-47 entstammt der R-F-T-Serie. Die drei Buchstaben RFT stehen für die in ganz Osteuropa verbreiteten und geschätzten Produkte der DDR-Nachrichtenelektronik. Vielleicht rührt daher die Namensverwandtschaft mit dem russischen Tötungsgerät AK-47, über die ich mich im B.log schon ausgelassen habe. Ja, man hat schon das Gefühl, dass bei Telefunken Elektroakustik viel in einen Topf geworfen wird, was aus unserer Sicht getrennt sein sollte. Sei´s drum.

Das AK-47 MkII wird von Telefunken Elektroakustik als klanglich in der Nähe von Neumann U 47 und M 49 beworben. Beides übrigens sind Mikrofone, die mit der berühmten M7-Kapsel ausgestattet waren (das M 49 verwendete in späteren Produktionsdaten die K49-Kapsel). Da trifft es sich ja gut, dass ich ein Röhrenmikrofon besitze, welches eine „echte“ M7-Kapsel auf PVC-Basis nutzt: ein Microtech Gefell UM 92.1 S.  

Details

Kugel, Niere, Acht – und weitere Richtcharakteristiken

Ein großes Mikrofon in typischer Tubus-Form, externes Netzteil, Mehrpol-Kabel, einfache Spinne, Holzcase: Das sind die Bestandteile, die man erhält, wenn man das Telefunken AK-47 ersteht. Hinter dem klassischen, verchromten Metallgitter arbeitet eine mittenkontaktierte TK67D-Doppelmembrankapsel, die nach dem verbreiteten Braunmühl-Weber-Prinzip aufgebaut ist: Jede Membran dient für die jeweilige rückseitige als Laufzeitverlängerung, wodurch bei beiden einzeln betrachtet eine Nierencharakteristik entsteht. Die beiden Signale der Kapsel lassen sich am Speisenetzteil entweder mit identischer oder invertierter Polarität mischen, was im ersten Fall eine Kugel ergibt, im zweiten eine Acht. Zudem kann das Level der hinteren Membran verändert werden, sodass sich bei positiver Polarität verschiedene breite Nieren, bei negativer Super- und Hypernieren einstellen lassen. Insgesamt sind neun Richtcharakteristiken wählbar. 

EF 732

Ich liebe es, wenn man nicht Uhrmacherschraubendreher oder sonstiges Werkzeug benötigt, um an das Innere eines Mikrofons zu gelangen. So auch beim Telefunken: Das Innere ist zugänglich, indem der dicke, verchromte Ring am Fuß des AK-47 abgeschraubt und die schwere Metallhülse abgezogen wird. Hier gibt es nun einiges zu entdecken: Ein Röhrenmikrofon hat eine Röhre im Signalpfad, klar. Im Telefunken verrichtet eine EF 732 Subminiaturröhre ihren Dienst. Die auch als 5840 bekannte 6,3V-Pentode entstammt alten Neubeständen, ist also NOS („New Old Stock“). Der Klang einer Röhre ist mit der Kapsel stark für den Sound eines Mikrofons verantwortlich, aber unter den weiteren Bauteilen hat der Übertrager eine hohe Relevanz. Der BV8 ist nach seinem historischen, in einigen Neumännern verbauten Vorbild hergestellt, was das Telefunken AK-47 klanglich ebenfalls deutlich in deren Nähe rücken dürfte. 

Vintage-Technik, moderne Werte

Bis hierhin klingt alles sehr nach alter Technik. Das stimmt zwar prinzipiell, doch hat man zumindest die Daten ins neue Jahrtausend transportiert: Von 10,5 dB(A) können Besitzer eines echten Vintage-Röhrenmikros nur träumen. Wie die nervigerweise häufig verwendete Frequenzgangangabe „20 Hz – 20 kHz“ zu deuten ist, bleibt Telefunken durch Verschweigen des Pegelabfalls an diesen Stellen schuldig. Aber mal ganz ehrlich: Anders als bei Equipment wie Studiomonitoren und Kleinmembranmikrofonen ist das bei einem eindeutig „altertümlich“ ausgerichteten Tube-Mike auch herzlich egal. Hauptsache, es rauscht nicht wie Hulle. Und das tut es nicht nur auf dem Papier nicht, das sei schon mal an dieser Stelle verraten. Bei eher mittleren 16,5 mV/Pa Empfindlichkeit liegt die Zerrgrenze nicht irrsinnig hoch, doch sind 132 dB(SPL) für 1% THD keine Werte, die bei üblichem Einsatz Probleme bereiten könnten – zumal der Klirr dieses Mikrofons wahrscheinlich sooo schlecht nicht klingen wird, wenn er nicht gerade Überhand nimmt. „Max. SPL“ ist hingegen mit 125 dB(SPL) angegeben. Eine Angabe über THD+N fehlt dabei, doch sind 0,5% durchaus wahrscheinlich. Das spricht für einen sanften Anstieg der harmonischen Verzerrungsprodukte bei hohen Pegeln. Ich finde das gut!

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