Test
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20.06.2017

Praxis

Nachdem ich alle Kabel angeschlossen und den sehr massiven Plattenteller vorsichtig anhand seiner zwei Mulden in den Dorn eingefädelt habe, montiere ich an den Tonarm ein Ortofon Nightclub MKII Cocoon Edition. Beim Ausbalancieren des Tonarms zwecks optimaler Gewichtseinstellung stelle ich fest, dass der Technics bei einem Antiskating von null schön die Position hält. Zum Vergleich: Bei anderen DJ-Plattenspieler neuester Generation zeigt der Tonarm bei null Antiskating oft einen Hang zum Driften nach außen.

Den SL-1210GR verbinde ich mit dem Phono-Eingang meines Pioneer DJ DJM-S9. Da der Plattenspieler keinen Phono-Vorverstärker besitzt, fällt das Andocken an den Line-Eingang aus. Zudem verbinde ich einen Technics SL-1210M5G, ebenfalls samt Ortofon Nightclub MKII Cocoon, mit dem zweiten Phono-Kanal des Mixers. Auf beiden Plattenspielern liegt die gleiche Schallplatte für einen A/B-Klangvergleich auf.

Performance

Wer stets mit Technics-Plattenspielern auflegt, fühlt sich beim SL-1210GR wie im Heimathafen. Alles funktioniert wie gewohnt, nur etwas besser. Wurde dem Flaggschiff SL-1200G(AE) noch eine zu kurze Spindel nachgesagt, welche die Phasenkorrektur beim Mixing erschwerte, ist der Dorn beim GR-Modell schön lang. Um Bremse und Torque anzupassen, bedarf es unbedingt der Bedienungsanleitung. Es gibt pro Funktion zwei Taster, um den Wert anzupassen.

Beim ersten Drücken eines Tasters wird die aktuelle Einstellung durch Blinken angezeigt. Wenn man währenddessen den Taster erneut drückt, verändert sich der Wert und die neue Einstellung wird wiederum durch Blinken bestätigt. Nach zwei Sekunden ist der Plattenteller wieder startklar.

Egal ob mit stärkstem oder schwächstem Drehmoment, der Plattenteller lässt sich mit der Hand sehr gut bändigen. Ein großer Vorteil, wenn man für die Phasenkorrektur gern den Plattenteller anschiebt oder bremst. Es bedarf etwas gefühlvollen Drucks – und der Teller hört auf jeden Handgriff. Für mich ein Grund, warum ich einem Torque von 4,5 kg/cm die kalte Schulter zeigen würde.

Der qualitativ hochwertige Aluminium-Tonarm samt Metallaufhängung begünstigt nicht nur eine sehr stabile Spurtreue, sondern auch geringere Einstreuungen, die vor allem mit einem DVS das Timecode-Signal weniger verunreinigen. Beim Auflegen der Hand auf den massiven Plattenteller gibt dieser ordentlich Kontra, sodass auch beim Scratchen die Nadel in der Spur bleibt.

Dank dem neuen Motor wird dem SL-1210GR ein besserer Gleichlauf nachgesagt, was mir als grobmotorischem DJ nicht auf Anhieb auffällt. Audiophile, die das Gras wachsen hören, werden dies gewiss mit mehr Enthusiasmus aufnehmen. Hinsichtlich der Gleichlaufschwankung bleibt er, wie alle anderen DJ-Plattenspieler, den 0,025 Prozent treu. Auch das sogenannte Rumpeln liegt auf identischem Niveau des Klassikers: 78 dB.

Technics SL-1210GR Klang

Was gibt es Besseres, als den Herausforderer mit dem Vorbild zu vergleichen? SL-1210GR und SL-1210M5G spielen dazu die gleiche Platte mit identischen Systemen ab. Im Audiobeispiel wechselt alle vier Takte die Quelle, beginnend mit dem Technics SL-1210M5G.

Man hört keinen markanten Unterschied. Beide klingen sehr transparent, ohne dass sich ein Modell in den Vordergrund spielt. Wer tatsächlich akustisch eine Schippe drauflegen möchte, muss zum 2000 Euro teureren High-End-Modell (G)AE greifen.

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