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Test
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27.08.2019

TC Electronic Finalizer

Mastering-Software

TC System 6000 für den Desktop, einfach kompliziert oder kompliziert einfach?

Der „echte“ TC Electronic Finalizer war eine digitale 19-Zoll/1-HE-Box, die Mitte der 90er herauskam und noch Jahre später in sehr vielen Studios zu finden war. Besonders für seine A/D-Wandler und die Dynamics- und Limiter-Algorithmen wurde der Finalizer geschätzt, war er doch die etwas pragmatische Version des ambitionierten TC M5000 Mainframes; das Dynamics-Paket des kleinen Mannes sozusagen.

Aufgrund des moderaten Preises und seiner relativ simplen Bedienung war der Finalizer für TC ein riesiger Erfolg und der Name wurde zum Synonym für diese Gattung von Mastering-Geräten. Und was macht TC? Der Hersteller wird mit dem System 6000 und der mittlerweile längst eingestellten Powercore-Plattform noch ambitionierter… Nun ja, Hardware geht heutzutage nicht mehr ohne Weiteres über die Theke, die fetten Studios und Broadcaster sind versorgt und der durchschnittlicher User nutzt nun mal lieber günstige Computer und die entsprechende Software. 

„Was also tun?“, fragte sich wohl auch der neue TC Eigentümer Musictribe aka Behringer. Richtig: Alte Algorithmen entstauben, in eine Standalone-Software gießen und mit modernen Optik-Features und Zauberstaub garnieren. Gesagt, getan: TC Finalizer – jetzt als Software.

Details

Man bleibt sich treu: One-Stop-Mastering-Tool

TC Finalizer ist eine Stereo-Mastering-Software für OSX und Windows. Eine Plugin-Version gibt es nicht und der Import von VST/AU ist auch nicht vorgesehen.

Es handelt sich um eine reine Standalone-Software, in etwa vergleichbar mit dem Editor von RX7 bzw. Ozone von iZotope oder gar dem mächtigen Wavelab von Steinberg – allerdings weit weniger umfangreich und mit deutlich strafferem „straight-forward“ Konzept. Viele der hier verwendeten Algorithmen haben ihren Ursprung im äußerst umfangreichen, etwas älteren, aber immer noch recht teuren „DSP-Kasten“ TC System 6000.

Das moderne One-Window-Konzept und kleine Helferlein hier und da, machen klar, es geht um schnelle „amtliche“ Ergebnisse. Konkret: Man kann einen Stereo-Track laden, ihn analysieren, ihn bearbeiten und seine Bearbeitung mit der Ausgangslage (A/B) sowie Referenz-Tracks vergleichen. Schneide- oder Batch-Funktionen gibt es nicht. Man kann anschließend eigentlich nur noch Exportieren inklusive Samplerate/Bitdepth Conversion und Dithering.

Hinzu kommt eine Monitoring-Sektion, die besonderen Fokus auf Loudness und deren Messung legt. Presets mit entsprechenden LUFS-Targets für Spotify und iTunes unterstreichen das. Ebenfalls nicht unwichtig mit Hinblick auf die Platzhirsche: Der moderate Preis von 199 Euro und der besonders attraktive Einführungspreis von aktuell 99 Euro. 

Background-Analyse und Navigation

Pegel ist nicht gleich Loudness – das wissen wir nicht erst seit Metallica und dem Loudness-War. TC Electronic hat schon lange gute Tools am Start, um empfundene Lautstärke ordentlich und nach den neuesten Standards zu messen, wie auch beim TC Clarity. Und auch hier: Im unteren Bereich sehen wir wahlweise die Wellenform (Peak) oder die Loudness in LUFS unseres importierten Songs. Etwaige Bearbeitungen werden sofort und für den ganzen Song optisch dargestellt.

Das funktioniert, weil TC weiß, wie die Algorithmen über die Zeit funktionieren und das ist auch der Hauptgrund, warum externe Plugins hier eben nicht unterstütz werden können. In der Timeline kann man außerdem navigieren und Regionen für den Loop auswählen. Files schneiden, faden oder gar partielle Bearbeitungen vornehmen ist indes nicht vorgesehen.

Darüber – oben links – finden wir das omnipräsente Spectro Lab mit seinen Anzeigen für Spectral Dynamic Countour (SDC), Real Time Spectrum (RTC) und die Average Spectral Curve (AVG) – grob gesagt, alles FIRs mit unterschiedlichen Halte- bzw. Integrationszeiten – und damit bestens geeignet, dynamische Änderungen visuell den Frequenzen zuordnen zu können. Hier können die verschiedenen Algorithmen außerdem grafisch editiert werden.

Zwischen den unterschiedlichen Visualisierungen, Ansichten sowie den A/B- und Referenz-Mixen wechselt man unkompliziert und schnell, zusätzlich sogar mit der Tastatur und deren Zifferntasten 1 bis 9. Eigene Shortcuts sind ebenfalls möglich. Besonders cool: Pegelsprünge zwischen den unterschiedlichen Loudness-Variationen gibt es nicht, da diese absolut präzise ausgeglichen werden, um den Fokus auf die Bearbeitung und nicht den Pegel zu legen. Das kennt man bereits von anderen Plugins, so unauffällig wie hier habe ich das aber noch nie erlebt. Auch dieses Feature wäre mit Plugins und einhergehender „konventioneller“ Echtzeit-Bearbeitung nicht möglich gewesen.

Final Frontier

Bei der tatsächlichen Bearbeitung unterscheidet sich der Finalizer aber kaum von üblichen DAWs. Man lädt hier zwar keine Plugins, dafür aber eben Module bzw. Algorithmen wie Filter, Kompressoren, Multiband-Dynamics sowie Dynamic-EQs (dienen auch als Deesser), Stereo-Verbreiterungen und den umfangreichen 5-Band-EQ. Die Multiband-Dynamics erinnern stark an den MD3 – mit seinen drei Bändern sowie dem „TC Legacy Sound“ – und den moderneren 5-Band-Kompressor MD4. Allerdings hier nur in Stereo.

Vintage-Emulationen, Exciter oder Sonstiges gibt es hier nicht. Externe Plugins und Hardware-Inserts lassen sich auch nicht laden, was – nochmal – der Background-Analyse geschuldet ist. Dafür sind alle Algorithmen mit zielführenden Parametern, reichlich Presets sowie Attributen und einer entsprechenden übergreifenden Library ausgestattet. Es geht also schlicht und ergreifend um den letzten Schliff und ein möglichst neutrales „Auf-Pegel-bringen“ und eben nicht um extremes Klangverbiegen.

Via Doppelklick bzw. Drag’n'Drop lädt man Module in eine Art Insert-Slot, in dem man sie auch nach Lust und Laune verschieben und kombinieren kann. Es gibt nur eine Ausnahme und die betrifft den Brickwall-Limiter. Dieser ist fest, das letzte Glied der Kette, und man kann auch nur eine Instanz von ihm laden. Es gibt dabei die Wahl zwischen „konventionellen“ Limiting und modernem Loudness-Limiting. Letzteres berechnet seine Parameter auf Grundlage der zuvor erfolgten Background-Analyse und der Target-Loudness. Soft-Clip und internes Oversampling kennen aber beide.

Man kann sich die Optik der Algorithmen wie bei Adobe Premiere vorstellen, denn unterschiedliche GUIs oder Pop-Ups gibt es nicht – alles sieht einheitlich und damit übersichtlich aus. Einzelne Algorithmen wählt man in der mittleren Spalte aus und in der linken Spalte werden dann entsprechende Parameter angezeigt. Die Parameter lassen sich auch im Analyzer grafisch bedienen. Bypass und Ähnliches gibt es natürlich auch, bemerkenswerter ist die Focus-Funktion: Wählt man ein Modul aus, werden nachfolgende Module inklusive Limiter „gebypasst“, sodass man sich gut auf das aktuell ausgewählte Modul und dessen akustischen Auswirkungen konzentrieren kann.

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