Test
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25.03.2020

Praxis

Inbetriebnahme

Mit dem MZ-123BT unter dem Arm sollte man, auch wenn es eilig ist, mit Bedacht vorgehen. Eine provisorische Verkabelung und ein Soundcheck aller Quellen sollten unbedingt vor der Festinstallation erfolgen. Ist das Teil erst einmal in einen tiefen Rack-Schrank eingebaut, mutiert das Verstellen des Mäuseklaviers und die Justierung der rückseitigen Vorverstärker und Equalizer aufgrund der Tatsache, dass die SIG- und PEAK-LEDs auf dem Frontpanel sitzen, zu einer fast schon unlösbaren Aufgabe, es sei denn, man kann sich ganzkörperlich bewundernswert verbiegen oder in Windeseile selbst klonen.

Auch habe ich mir beim Setup ein echtes Stereo-Meter gewünscht. Zwischen freundlich-grüner Signalanzeige und rotem Peak-Alarm gibt es eine Menge „dB“, ein Headroom, den man womöglich kaum nutzt.

Handling

Ist Tascams Rackmixer erst mal installiert und verdrahtet, treten seine Vorzüge schnell zutage. Die Flexibilität hinsichtlich der Wahl der Mikrofone, insbesondere bei Mikrofonanschluss 1 ermöglicht auch die Integration jedweder Billig-Handgurken mit festem Stereoklinkenkabel bis hin zu hochwertigen Kondensatormikrofonen.

Selbst außerordentliche Ausgangspegelschwächen meistert der MZ-123BT spielend leicht und die rückseitigen Dreiband-EQs rücken dem virtuellen Molton einer verhangen klingenden Handgurke effektiv auf den Pelz. Ebenso verhält es sich mit der Tiefenabstimmung des Nahbesprechungsbereichs bei einfachen dynamischen Mikrofonen.

Die unkomplizierte Monosummenbildung erweist sich bei kontinuierlichen Monobeschallungen und zudem bei der Verwendung der Talkback-Funktion als ein praktisches „Goodie“. Das Routing auf die Ausgänge geht schnell und unkompliziert vonstatten und ist genauso leicht wieder rückgängig zu machen. Die visuelle Kontrolle über die rot illuminierten Buttons ist praxisnah und verschafft einen schnellen Überblick über die Gesamtbelegung.

Das Monitoring via Kopfhörer per Routing-Button geht kinderleicht von der Hand und der Kopfhörerverstärker ist mit 2x 80 mW wohl dosiert und kräftig genug für deutlich lautere Umgebungen, wie zum Beispiel auf einem Messe-Sonntag, wenn auch für Bühnenmonitormixe auf Rockkonzerten doch eher ungeeignet.

Der MZ-123BT ist eher für Anwendung in der Gastronomie, der Hotelbranche oder auf kleineren Konferenzen konzipiert. Auch für den großen Einzelhandelsladen mit mehreren Stockwerken könnte der Tascam-sche „Tonarbeiter“ herhalten.

Nicht ganz so praxisnahe empfinde ich Line 3, den Kombikanal von Miniklinke und Funkempfänger. Jener Channel verfügt nicht über eine separat regelbare Vorverstärkung. Mein iPhone 5S verursacht an Line 1 einen Pegelunterschied im Vergleich zu Line 3 von nahezu 12 dB, die man mit dem Ausgangsregler nicht mehr nachregeln kann. Die Pegeldifferenz bei meinem Mobiltelefon zwischen Bluetooth und Miniklinke kann man dabei eher vernachlässigen. Sie beträgt nur 2,5 dB.

Bei der Umschaltung von Line-Betrieb auf Bluetooth-Empfänger ist ein derart leises Schaltgeräusch wahrnehmbar, dass man diesen Vorgang sogar on-air durchführen könnte. Der Grundklang des Signals ist nach der Übertragung immer noch gut und vom Original kaum zu unterscheiden. Hierfür folgt ein Audiobeispiel, bei dem ich zuerst die Ausgabe des Sounds über den DA-Wandler des iPhones 5S aufzeichne, die Wiedergabe stoppe, den Bluetooth-Empfänger einschalte und nach dem automatischen Pairing die Wiedergabe erneut starte. 

Das Pairing hat sowohl mit meinem MacBook Pro als auch mit meinem Mobiltelefon auf Anhieb funktioniert. Kennen sich Sender und Empfänger bereits, läuft alles wie von Geisterhand, sprich die beiden verbinden sich miteinander ohne mein Dazutun, was ausnahmslos zügig gelang, Bluetooth Version 4.2 sei Dank!

Bleibt mir noch, ein Wort über die Talkover-Funktion zu verlieren. Die Funktionalität ist für die eben genannten Anwendungen absolut gegeben. Die Feineinstellung ist allerdings nicht ganz so trivial, wie man annehmen möchte, schließlich hängt sie von einem Sprachsignal ab, das im Idealfall wenig Dynamikschwankungen aufweist, was aber zum Beispiel bei einem unbearbeiteten Signal, das von einem dynamischen Mikrofon mit Nahbesprechungseffekt stammt, nur dann eintritt, wenn der Benutzer geübt im Umgang mit Mikrofonen ist.

Attack und Release separat einstellen zu können, wäre zudem wünschenswert, wenn auch nicht zwingend erforderlich. Kurzum: Durchsagen über Hintergrundmusik: Ja! Moderieren einer Radioshow: Nein! Aber das maßt sich das kleine Tonwerkzeug schließlich auch nicht an.

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