Hersteller_Tama
Test
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12.08.2013

Tama Star Maple Drumset

Drumset

Ein Stern, der keinen Namen trägt

Tamas neue Topserie heißt schlicht und einfach Star und ist erhältlich mit Bubinga- oder Maple-Kesseln, von denen ich letztere in diesem Test vorstelle. Der Stern hat Tradition im Hause Tama und taucht in fast jeder Serienbezeichnung auf. Neben den bekannten Super-, Rock- und Imperialstars gab es auch viele weniger bekannte Sternchen mit den Namen Beatstar, Stagestar oder Fibrestar. Da sieht man ja vor lauter Sternen kaum noch den Himmel, aber wenn man bedenkt, dass Tama immerhin vor fast 40 Jahren angetreten ist, um den damals vorherrschenden vier großen amerikanischen Herstellern Ludwig, Gretsch, Slingerland und Rogers den Garaus zu machen, erklärt sich der hohe Output.

Bereits vor 20 Jahren hat Tama mit der Entwicklung der Starclassic-Serie schon einmal eindrucksvoll bewiesen, was damals möglich war in Sachen Trommelbau und Verarbeitungsqualität, aber die neue Speerspitze des Firmenprogramms kommt noch deutlich kompromissloser daher. "Perfektion bis ins kleinste Detail" heißt die Devise, und diese Strategie erinnert mich an die Signature-Serie von Sonor, die in den 80er Jahren als der Rolls Royce unter den Drumsets galt und alles bis zu dem Zeitpunkt dagewesene in den Schatten stellen sollte. Ganz so "over-engineered" wie die Signatures sind die Star-Trommeln glücklicherweise nicht, und im Gegensatz zur sehr begrenzten Größenauswahl der Signatures - die Hängetoms waren damals nur in "quadratischen" Maßen, also zum Beispiel 13x13 Zoll erhältlich - bietet Tama mit diversen Größen und Optionen wirklich für Jeden etwas. Ich muss gestehen, dass mich angesichts eines Preises von rund 6000 Euro für das fünfteilige Shell Set (ohne Snare! ) schon ein wenig die Ehrfurcht packt. Das macht im Schnitt 1200 Euro pro Trommel ... die sind ja zum Spielen fast zu schade, denke ich, aber umso mehr juckt es mich in den Fingern und ich mache mich voller Vorfreude an die Arbeit. Tama verzichtet übrigens bei der Star-Serie auf feste Set-Konfigurationen, um dem Kunden die individuelle Auswahl aus insgesamt 52 Trommelgrößen zu überlassen.

Details

Das für diesen Test zusammengestellte Set umfasst neben der 22x16 Zoll großen Bassdrum zwei Hänge-Toms in 10x8 und 12x9 Zoll sowie zwei Stand-Toms in 14x14 und 16x16 Zoll. Als ich die Trommeln auspacke, suche ich nach alter Gewohnheit erstmal nach einem Tom-Halter. Leider vergeblich, aber irgendwie auch logisch, denn schließlich verfügt die Bass Drum ja auch über keine entsprechende Aufnahme auf der Oberseite. Also krame ich für den Test meinen alten Tama Doppeltomständer hervor, damit klappt's. Das exzellente Lackfinish der in Japan hergestellten Trommeln nennt sich Smoky Black und ist eine Nuance heller als echtes Tiefschwarz. Im Sinne optimaler Kesselresonanz wurde konsequenterweise auf ein Typenschild verzichtet, selbst der Name "Star" ist von außen nicht zu erkennen. Stattdessen wurde das Sternsymbol mit den Worten "Tama Japan" in das perlmutt-naturholz-farbene Inlay mit blauen rautenförmigen Farbfeldern integriert, welches, statt auf der Außenseite, optional sogar im Inneren der Kessel in die Verstärkungsringe eingearbeitet werden kann. In Kombination mit den in Holz eingefassten Luftausgleichslöchern sieht das schon mal alles extrem edel aus, und ein Blick ins Innere der Kessel lässt das Herz des kritischen Testers dann noch ein paar Takte schneller schlagen.

Für die Ahornkessel entwickelten die Tama-Ingenieure eine neuartige Sandwich-Konstruktion, bei der ein zwei Millimeter dicker Holzkern in Solid Shell-Bauweise umgeben ist von insgesamt vier - also pro Seite zwei - 0,75 Millimeter dünnen, kreuzverleimten Lagen. So sollen die Klangeigenschaften eines soliden Kessels mit der Stabilität eines kreuzverleimten Kessels kombiniert werden. Die Verstärkungsringe weisen exakt dieselben Konstruktionsmerkmale wie der Kessel auf, so dass die Gesamtstärke auf der Ober- und Unterseite zehn Millimeter beträgt. Die Kesseinnenwände sind von Hand geölt und erstrahlen in einem unwiderstehlichen, honigfarbenen Farbton. In Kombination mit der exquisiten Verarbeitung sieht das ganze schon eher nach Designermöbel als nach schnöder Trommel aus. Aber abgesehen von der Optik interessiert mich zunächst einmal, ob die Trommeln auch rund sind. Wie jetzt? Klar doch, eckig wohl kaum, oder? ... höre ich es raunen, aber ganz so unberechtigt ist die Frage nicht, denn ich hatte schon so manche teure Trommel unter der Lupe, die auf einen Knick in der Pupille des Endkontrolleurs schließen ließ. Bei den Star-Trommeln messe ich mehrmals nach, aber das berühmte Haar in der Suppe ist definitiv nicht zu entdecken. Wenn es überhaupt messbare Durchmessertoleranzen gibt, dann bewegen sich diese im Bereich von unter einem Millimeter. Besser geht's nicht! Und auch die Fellauflageflächen sind so glatt und ebenmäßig wie es im Buche steht. Tama setzt bei den Star Maple Drums übrigens auf eine stark gerundete 45 Grad-Kesselgratung, die dreieinhalb Millimeter von der Außenseite entfernt, und somit auf der mittleren Holzlage platziert ist. Dadurch entsteht eine relativ große Fellauflagefläche, so wie es bei den meisten Vintage-Trommeln der Fall ist.

Bei der Kesselhardware gibt es mit den neu entwickelten Böckchen im Bridge-Type-Design eine weitere Innovation. Die Formgebung ist klassisch, gleichzeitig aber auch sehr eigenständig und wirkt zeitlos und elegant. Und auch die Tom-Halterung mit dem Quick Lock-System ist eine patentierte Neuentwicklung. Ähnlich wie beim Star Cast Mounting System der Starclassic-Serie sind die Guss-Spannreifen mit Extralöchern für die Aufhängung versehen, was bedeutet, dass die Aufhängung nicht - wie bei anderen Konstruktionen - an den Stimmschrauben erfolgt. Stattdessen handelt es sich beim neuen "Super Resonant Mounting System" um eine rundum gummigepufferte Zweipunktaufhängung mit einer justierbaren Stütze, die am unteren Spannreifen anliegt und der Konstruktion zusätzliche Stabilität verleiht. Durch die weiche Gummilagerung haben die Toms sehr viel Spiel, was beim Trommeln nicht weiter stört. Allerdings brauche ich eine Weile, bis ich die Toms in Idealposition gebracht habe, denn wenn man die Schraube am Halter festzieht und die Trommel loslässt, gibt sie immer noch etwas nach. Das Quick Lock-System kann man sich in etwa so vorstellen, dass das Tomböckchen zweigeteilt ist, wobei die obere Hälfte zur Aufhängung gehört und die untere am Tomhalter verbleibt. Werden die beiden Hälften aufeinander gesteckt, sorgt ein umlegbarer Kunststoffhebel für die Arretierung. Für meinen Geschmack könnte dieser Hebel übrigens etwas schwergängiger sein, damit er sich nicht unbeabsichtigt verstellt.

Das Quick Lock-System kommt auch bei den Stand-Toms zum Einsatz. Deren weiche Gummifüße sind, wie auch die neuen Bass Drum-Füße, mit einem Hohlraum versehen, sodass, ähnlich wie bei den Hänge-Toms, auch hier die natürliche Kesselschwingung nicht beeinträchtigt wird. Die ausfahrbaren Spikes an den Bass Drum-Beinen sind freischwingend gelagert, so dass der Dämpfungseffekt auch wirkt, wenn die Trommel auf den Spitzen steht. Zur schier endlosen Liste der Neuerungen zählen zu guter Letzt auch die zierlichen und gleichzeitig massiven Bass Drum-Klauen, welche die in Setfarbe lackierten Holzspannreifen sanft umschließen und durch Kunststoffeinsätze akustisch vom Kessel isoliert sind. Das Testset ist mit Remo Ambassador-Fellen auf den Toms - oben weiß-aufgeraut, unten klar - und einem Powerstroke 3-Schlagfell sowie Fiberskyn-Resonanzfell auf der Bass Drum bestückt.

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