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09.06.2018

Tama Classic Hardware Set HC4FB Test

Flatbase Hardware Set mit Tasche

Vom Case zum Täschchen

Zwei Worte kommen einem in den Sinn, wenn es um Flatbase Hardware geht: Retro und Rücken. Die ersten Schlagzeugstative waren nämlich noch nicht die massiven, doppelstrebigen Metallskulpturen, wie wir sie heute kennen. Stattdessen befestigte man die überschaubare Beckenauswahl an dünnen, klapprig wirkenden Gestängen, die eine flache Stativbasis besaßen. Der geringen Stabilität und Tragkraft stand allerdings ein Vorteil gegenüber, den moderne Drummer immer mehr zu schätzen wissen: ein „sauberer“, unauffälliger Look und – noch wichtiger – ein rückenfreundliches Gewicht. Nur acht Kilogramm soll Tama's neues HC4FB Classic Hardware Set auf die Waage bringen, die beiden Beckenstative, der Snare-Ständer sowie die Hi-Hat-Maschine sollen sich problemlos in der mitgelieferten Tasche verstauen lassen.

Für Fans komplexer Setups sind die Stative natürlich nicht gemacht, die zwei schweren Hängetoms plus das 22er Ride-Becken sollten nach wie vor eher an doppelstrebigem Material befestigt werden. Trotzdem sollen die modernen Flatbase-Konstruktionen einiges aushalten und auch kräftigere Spielweisen locker wegstecken können. Dafür ist nicht nur eine leichte, sondern vor allem auch durchdachte Konstruktion der Teile notwenig, damit die „Flachwurzler“ nicht übermäßig wanken und – besonders bei der Hi-Hat-Maschine – ein ausreichend genaues Spielgefühl ermöglichen. Hinzu kommt, dass unsere Testobjekte das Konzept der Reduktion besonders konsequent ausreizen. Da stellt sich die Frage: Kann man die Teile ernsthaft verwenden? Die Antwort lest ihr auf den folgenden Zeilen.

Details

Minus Platz, minus Gewicht

Der erste Vorteil des Tama Classic Hardware Sets offenbart sich schon, bevor man ihn ausgepackt hat. Im kompakten Lieferkarton erwartet man nämlich definitiv keinen ganzen Stativsatz. Doch tatsächlich, in vier schmalen Einzelpaketen verbergen sich die bemerkenswert handlich zusammengelegten Retro-Stative. Den meisten Platz nimmt eine gut verarbeitete, schwarz-rote, Nylontasche mit den ungefähren Außenmaßen von 70x16x16 Zentimetern ein. Alle Teile sind einfach, aber sauber verarbeitet. Kommen wir nun zu den einzelnen Komponenten des Sets.

Die beiden Beckenständer erinnern an alte Notenstative

Dass es Tama mit der Gewichtsreduktion ernst meint, merkt spätestens, wer sich die beiden geraden, zweifach ausziehbaren Beckenständer genau ansieht. Ihr unterer Rohdurchmesser beträgt gerade einmal zwei Zentimeter, ihr Standradius umfasst einen knappen halben Meter. Etwa 1500 Gramm zeigt die Küchenwaage, das ist gut die Hälfte von dem, was ein moderner, einstrebiger Beckenständer wiegt. Statt der heute gängigen, oft stufenlos verstellbaren Becken-Tilter geht es bei den Classics ganz oldschool zu. Fast schon filigrane, gezahnte Gelenke mit einem kurzen Gewindedorn müssen reichen, das einzige Zugeständnis an moderne Zeiten ist die schwarze Kunststoff-Rändelschraube zum Fixieren des Beckens. Das auffälligste Konstruktionsmerkmal der Classic Beckenstative ist der Umstand, dass die Beine zum Transport nach oben geklappt werden. Diese Bauweise erinnert an die alten, metallenen Notenständer, die sich ebenfalls auf Zollstockformat zusammenlegen ließen.

Beim Snare-Stativ gibt es eine stufenlose Neigungsverstellung

Mit 1700 Gramm bewegt sich auch das Classic Snare-Stativ im sehr moderaten Gewichtsbereich, der Unterschied zu einem leichten „Normal“-Modell, wie beispielsweise einem Yamaha 700er, fällt allerdings geringer aus als dies bei den Beckenstativen der Fall ist. Klassisch geht es auch hier zu, was sich besonders bei der Korbkonstruktion zeigt. Nicht nur Retro-Freunde kennen das System der drei auffächerbaren, beziehungsweise herausziehbaren Haltestreben, auch Besitzer billiger Einsteigersets der 80er und 90er Jahre dürften Erfahrungen mit derartigen Snare-Ständern gemacht haben. Der teilweise beängstigenden Instabilität früherer Modelle begegnet man bei Tama jedoch mit einigen modernen Details wie ausreichend dimensionierten Streben, griffigen Halteschrauben und dick gepolsterten Auflageflächen. Dass die Neigung der Trommel stufenlos eingestellt werden kann, ist ebenfalls ein Pluspunkt. Etwa 57 Zentimeter beträgt die maximale Ausfahrhöhe vom Boden bis zum unteren Spannreifen der Snaredrum, eine Memory-Klemme merkt sich die Einstellung, sofern man Ober- und Unterteil zum Transport separiert.

Der Trittplattenwinkel der Hi-Hat-Maschine ist verstellbar

Grundsätzlich besteht die Hi-Hat-Maschine aus drei Teilen. Da wäre zunächst die Basis samt Trittplatte und den – wie bei den Beckenständern – nach oben anklappbaren Beinen. Wer das Pedal aus dem Karton nimmt, erkennt bei der Inspektion der glatten Aluminium-Trittplatte gleich ein hilfreiches Detail. Auf ihrer Unterseite sind zwei kleine Haltevorrichtungen für die Arretierbügel angebracht, welche dafür sorgen sollen, dass diese beim Transport kontrolliert an der Trittplatte anliegen und nicht herum schlackern. Die kompakte Gussbasis ist zudem mit zwei ausfahrbaren Metall-Spikes versehen. Mithilfe einer Vierkantschraube ist das Hauptrohr mit der Basis verbunden, interessanterweise lässt sich darüber auch der Trittplattenwinkel justieren. Dazu löst man die Vierkantschraube und bewegt das Rohr in die gewünschte Position. Das ist bei einer so reduzierten Konstruktion zwar nicht zwingend nötig, allerdings doch eine praktische Option zur Anpassung der Maschine an die eigenen Spielgewohnheiten. Angetrieben wird die konventionell einschraubbare Zugstange übrigens von einer dreigliedrigen Kette, welche zum Spieler hin mit einem kleinen Plastikschutz verkleidet ist. Somit wird der Kontakt zwischen Fuß und Kette verhindert, was besonders Barfußspielern entgegen kommen dürfte. Der obere Teil der Maschine entspricht modernen Standards, wozu eine Neigungsverstellung des unteren Beckens ebenso gehört wie eine Clutch mit gummiertem Gewinde, um das Beckenloch nicht zu beschädigen. Auf etwa 96 Zentimeter kann die Maschine ausgefahren werden, das Gesamtgewicht beträgt gerade einmal 2200 Gramm.

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