Test
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27.08.2010

Praxis:

Welches Ergebnis erhält man, wenn vier gleiche Mikrofone an völlig unterschiedlichen Trommeln Sound schlucken sollen? Völlig unterschiedliche! Während sich das CD65 an der Snare schwer tut, mausert es sich an den Toms zum echten Star. Das hat folgende Gründe: Ein Mittenloch   verpasst gerade eben die etwas druckvolleren Frequenzen der Snare und ein paar überbetonte hohe Frequenzen schaffen es nicht, den eher etwas stumpfen Klangcharakter der CD65-Mics zu kompensieren. Die Snare, das Herzstück des Sets, klingt etwas wummerig. Eines wird schon hier deutlich: Der Frequenzgang des DC1500-Set ist voreingestellt, Gegenregeln am Pult ist die Devise. Dazu sind  Equalizer mit detaillierten Eingriffsmöglichkeiten für den guten Ton der Mikros wichtig. Aber zurück zu den CD65er. Der räumliche Klangcharakter dieser Universal-Mikrofone verbindet sich symbiotisch mit dem offenen Sound gut gestimmter Toms. Das klingt wirklich erstaunlich gut, auch wenn es eigentlich nicht sein kann, aber der Sound lässt sich mit dem professioneller Mikrofone durchaus vergleichen und mir schießt unwillkürlich der Satz eines von mir bewunderten Toningenieurs in den Kopf, der einst sagte: „Es gibt keine schlechten Mikrofone, aber es gibt gute Mikrofone am falschen Platz“. Und tatsächlich sind die CD65er weniger Alleskönner als vielmehr absolute Spezialisten für den Tom-Einsatz, für den sie sich durch klaren Klang und voluminösen Sound empfehlen.

Voluminös und im ersten Moment nicht besonders klar klingt hingegen die Bassdrum. Das BD300 muss schon mit der Keule auf der Schulter auf den Attack hingewiesen werden, also entweder man packt den Totenkopfschädel-Beater aus der Skurrilitätensammlung des Metal-Drummings aus, dreht den EQ in den oberen Mitten auf Anschlag oder man steckt das BD300 seeeehr weit hinein in die Bassdrum. Sehr weit hinein ist die Option, die ich wähle, und es entlädt sich ein Sound, der zwar etwas wummerig daherkommt und bei dem die Kick eher im hochfrequenten Bereich liegt. Aber der generelle Eindruck ist der, dass die Bassdrum sehr energiegeladen klingt, man könnte auch sagen, sie klingt brachial, vielleicht sogar brutal und etwas trashig.

Eher grob aufgelöst ist auch das Frequenzspektrum der Overheads. Einige Frequenzen sind überzeichnet, das Klangerlebnis ist rustikal, die Höhen klirren etwas. Außerdem präsentieren sich die EM500 Mini-Mics des Test-Setups unterschiedlich laut. Womöglich ein Einzelfall, aber einen Abzug in der B-Note gibt’s dafür natürlich trotzdem. Auch die Schalter an den Mikrofonen bewirken keine Änderung, es tut sich nichts. Zu verdanken ist den beiden ungleichen Zwillingen über den Becken allerdings der gute räumliche Klang des Drumsets, an dem sie einen nicht zu unterschätzenden Anteil haben.

Positiv ist auch, dass das gesamte Klangerlebnis vieles von dem bietet, was man als Drummer von sich in der Regie oder im Zuschauerraum hören will, nämlich fette Drums, die schon ohne Preamps und Kompressoren komprimiert klingen und Bass satt in die Peripherie ballern. Dass diese Mikrofone nicht auf die Feinheiten und Nuancen des filigranen Drummings eingehen, sondern ihren Dienst recht stoisch in der ihnen zugedachten Klangdimension leisten, ist natürlich dem Preis geschuldet. Aber hier muss man die Kirche im Dorf lassen, denn gemessen am Preis schlägt sich das Set mehr als respektabel und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Ein paar Erkenntnisse zu Verarbeitung und Qualität habe ich auch gewonnen: Der verarbeitete Kunststoff wirkt optisch nicht unbedingt hochwertig und fühlt sich auch nicht so an, aber meine Sticktreffer haben die Mics lässig verkraftet, genauso wie einen Sturz aus mittlerer Höhe - bei einem Ladenpreis von 158 Euro sind dies Erfahrungen, die auf jeden Fall eine Erwähnung verdienen.

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