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Test
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24.08.2020

Synapse Audio Obsession Test

Synthesizer-Plugin

Der Oberheim-Überflieger: Analoge Kraft, Wärme und Glanz

Mit The Legend bewies Synapse Audio schon eine glückliche Hand und bildete den Sound des monofonen Klassikers Moog Minimoog als Softwareinstrument nahezu perfekt nach. Nun soll Obsession sich eines polyfonen Analogsynthesizers annehmen. Schreibt man die ersten Buchstaben groß (OBsession), ist sofort klar, dass Synapse Audio einen Oberheim OB-X(a) emulieren möchte. Im Bondedo-Vergleich fällt der Obsession durchweg positiv auf. Schauen wir und diesen praktischen virtuellen Oberheim-Synthesizer näher an und beweisen unseren positiven Eindruck anhand von insgesamt 16 Hörbeispielen.

Details

Allgemeines

Synapse Audio Obession ist ein 64-Bit-Plugin (VST2, AU, AAX) und unterstützt auch das NKS-Format von Native Instruments. Es läuft unter Windows (ab Win 7) und macOS (ab 10.11), ohne großen CPU-Hunger zu haben. Die virtuell-analoge Klangerzeugung kann auch mit einem MPE-Controller (Multiphonic Polyphonic Expression) verwendet werden.

Subtraktiv à la Tom Oberheim

Es beginnt fulminant, denn Synpase Audio Obsession lässt sich in drei Modi verwenden: Single, Dual oder Split mit einer Polyfonie von bis zu 8 oder 16 Stimmen. Die Klangarchitektur ist typisch Oberheim: Es gibt zwei Oszillatoren mit Dreieck, Sägezahn und Rechteck, die Oszillator-Sync- und Cross-Modulation beherrschen. Die Pulsbreite kann variiert werden, ein Rauschgenerator ist ebenfalls vorhanden. Je eine klassische ADSR-Hüllkurve steht für das Filter und die Lautstärke bereit. Zwei LFOs sind ebenfalls auf dem Frontpanel anzutreffen. Standardmäßig steuern sie die Tonhöhe und die Pulsbreitenmodulation beider Oszillatoren sowie natürlich auch die Filterfrequenz. Die Filtersektion bietet einen Tief- und Bandpass in der 2- und 4-Pol-Variante (12 und 24 dB Flankensteilheit) und einen Trackingparameter.

Eine Raffinesse des Obsession sind die Voice-Boards. Mit dem „Voice Adjustment Edit“ lässt sich jede einzelne Stimme des polyfonen Synthesizers individuell bearbeiten. So lassen sich etwa feine Verstimmungen und subtile Differenzen beim Filter justieren. Der Klang beginnt subtil zu driften und wirkt dadurch lebendiger oder organischer. Es ist aber ebenso möglich, durch Stimmungen in Halbtonschritten typische Dreiklänge und andere Akkorde zu erzeugen. Man kann diese Voicing-Option ignorieren und auch so erfolgreich Klänge editieren und keine Sorge: So statisch oder steril klingen sie nicht.

Effektsektion und Modulation

Der Obsession verfügt auf einer zweiten Bildschirmseite über eine dreifache Effektsektion, zwei Step-LFOs und eine Modulationsmatrix. Zu den Effekten gehören ein Delay, ein Reverb sowie ein Chorus/Ensemble mit einer simplen, aber sinnvollen Parametrisierung. Etwas auffälliger ist der „Shimmer“-Parameter beim Reverb (Pitchshifting des Halls um eine Oktave aufwärts), womit sich ein monumentaler Nachhall erschaffen lässt, der das Sounddesign von beispielsweise Ambientklängen richtig spannend macht.

Die Modulationsmatrix des Obsession stellt sechs Slots bereit. Bei den Zielparametern sind praktisch alle Klang- und Effektparameter selektierbar. Es lassen sich also beispielsweise die Intensität des Reverbs per Modulationsrad oder LFO steuern und andere Modulationsverbindungen erstellen – sehr gut! Für rhythmische und anderweitige Modulationen treten die beiden Step-LFOs auf den Plan. Sie umfassen jeweils bis zu 128 Schritte und gestatten das Einzeichnen von beliebigen Kurven und Modulationsverläufen per PC-Maus, was sehr einfach geschieht. Ein Step-LFO kann in wählbaren Notenwerten synchron zum Songtempo laufen. Mit den globalen Parametern „VCA Sat“, „Limiter“ und „Organic“ wird der Gesamtklang noch einmal druckvoller und lebendiger.

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