Hersteller_Superlux
Test
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18.03.2013

Superlux HI-10 Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofon

"High Five" für das HI-10?

Im bonedo-Testmarathon ist auch das Superlux HI-10 vertreten. Ja nee, schon klar: ein Kleinmembran-Kondensatormikrofon für 29 Euro Ladenpreis! Meine Mondrakete kostet 99 Euro, mein Atomkraftwerk 249 (ohne Brennstäbe, die kosten nochmal vier Cent das Stück) und ich bin der Kaiser von China. Es ist jedoch mitnichten so, dass wir jetzt bei bonedo.de anfangen würden, Kinderspielzeug zu testen. Wir wollen einfach wissen, ob es sein kann, dass man für ein Produkt statt 2000 einfach nur 29 Euro ausgibt – und ordentliche Ergebnisse damit erzielt. Wem diese Spanne enorm erscheint, der soll bitte mal an Preisspannen von Anziehsachen denken.

Das kleine Mikrofon wird auch gar nicht als Allrounder-Kleinmembran beworben, sondern schlicht und einfach als Hi-Hat-Mikrofon – das legt auch schon das Produktkürzel nahe. Na und? Vielleicht schlägt es sich ja auch recht ordentlich an anderen Schallquellen, wer weiß? Schließlich handelt es sich ja auch hier im Wesentlichen nur um ein dünnes Häutchen, eine Gegenelektrode und den Impedanzwandler.

Details

Für ein derart preiswertes Mikrofönchen macht das HI-10 aber einen ganz schön dicken Larry: Der Kopf glänzt in gelbgoldender Farbe und formt einen kleinen Hals zum antrazithfarbenen Korpus. Mit 94 Millimetern Länge und 21 Millimetern Durchmessern ist das Superlux allerdings recht kompakt. Wer jetzt glaubt, bei so einem Billigprodukt könne man mit einer Dokumentation höchstens nach Manier ostasiatischer Instant-Nudelsuppen rechnen, der täuscht. Neben einem (wahrscheinlich durchaus etwas geglätteten) grafischen Frequenzgang steht ein Datenblatt fast wie bei den "Großen" Rede und Antwort. Von 50 Hz bis 18 kHz ist die Übertragung angegeben, der Blick in die Grafik verrät, dass hier nichts beschönigt wurde, denn die Angaben sind im Industriestandard +/-3 dB erfolgt. Es gibt zwei Auffälligkeiten: Ein sanfter Roll-Off beginnt schon leicht unterhalb von 1 kHz, aber die 20 Hz wird mit etwa -10 dB geschnitten. Das ist sicher genauso sinnvoll für die Abnahme einer Hi-Hat wie die durchaus beachtliche Beule von etwa 8 dB, die man um die 7 kHz herum ausmachen kann. "Ausmachen können" ist vielleicht nicht ganz so geeignet wie "nicht verfehlen können". Man wird das sicherlich auch klanglich feststellen. Ebenfalls ungehört feststellen kann man, dass sich durch diese Frequenzgang-Eigenschaften zeigt, wieso das Mikrofon als Hi-Hat-Mike angepriesen wird.

Mit 12,6 mV/Pa ist unser Kandidat nicht sonderlich empfindlich, aber auch das ist dem Hauptanwendungszweck eher zuträglich. Der Grenzschalldruckpegel ist mit 134 dB SPL angegeben, doch ohne weitere Information (wahrscheinlich 0,5% THD). Beim Eigenrauschen sind 25 dB angegeben, vermutlich wird es sich wie üblich um den Äquivalentschalldruck nach A-Filterung handeln. Um seiner Arbeit nachzugehen, ist eine Spannungsversorgung im Bereich von 12 bis 52 Volt notwendig. Backplate-Elektret ist meist preiswerter in der Herstellung als das Echtkondensatorprinzip, daher wird natürlch die Vorpolarisation verwendet. Auch niemanden verwundern wir die Richtcharakteristik Niere. Ein kleines Schmankerl aus dem Datenblatt möchte ich nicht vorenthalten: Neben der Auflistung des Zubehörs ist dort zu lesen: "Colorful outer packing". Soso, der Karton ist bunt. Toll, was?

Schrauben wir also alle einmal angesichts des Preises unsere Erwartungen nach unten und klemmen zwei der Mikrofönchen ganz naiv an die Stelle vor das Instrument, an der zuvor noch Schoeps und Co. ihre Duftmarken hinterlassen haben. Was das wohl geben mag?

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