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Test
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19.05.2014

Steinberg WaveLab 8 Test

Mastering-Software

Das Wellenlabor

Schon immer zählte WaveLab zu den absoluten Platzhirschen auf dem Feld der Audio-Editoren. Mittlerweile ist der Funktionsumfang so stark gewachsen, dass dieser Begriff jedoch zu kurz greift, der Funktionsvielfalt dieses mächtigen Werkzeugs also nicht mehr angemessen Rechnung trägt. Mit rund 150 Neuerungen setzt das Major-Update mit der Versionsnummer 8 nochmals ordentlich drauf.

Bei einem derart komplexen und mächtigen Werkzeug von einem „Audio-Editor“ zu sprechen, erzählt tatsächlich nur einen Teil der Geschichte. Sicherlich bleibt dies immer noch eine wesentliche Funktion der Software, vielleicht sogar ihre Kernaufgabe, aber diese schlichte Formel reicht einfach nicht aus. Steinberg selbst spricht von der „perfekten Wahl für professionelle Mastering-Ingenieure, Musiker und Heimstudio-Produzenten gleichermaßen“. Während die Bewertung schlussendlich aus Anwendersicht erfolgen sollte, so stimmt der zweite Teil jedoch auf jeden Fall: Der Funktionsumfang des Wellenlabors bietet viel – und zwar für die unterschiedlichsten Anwendergruppen. Aus diesem Grunde ist es auch nicht ganz einfach, eine Gewichtung vorzunehmen, die Bedeutung der Neuerungen in Version 8 in eine Reihenfolge zu bringen – je nach Use Case könnte diese Bewertung nämlich recht unterschiedlich ausfallen, zu unterschiedlich sind die Schwerpunkte von Broadcast-Power-Usern, Mastering-Profis und Projektstudio-Produzenten. Im Kern ist dies jedoch eine gute Nachricht. WaveLab bietet viel Neues – und zwar für alle.

Details

Bei einem derart komplexen Werkzeug wie WaveLab 8 steckt der Teufel im Detail, und das bedeutet, dass sich viele Features und Neuerungen erst auf den zweiten Blick offenbaren. Bereits beim ersten Start der Software fällt auf, dass die Default-Farbabstimmung dem breiten DAW-Trend zur immer dunkleren Darstellung folgt. Aus Hellgrau wird Dunkelgrau mit Blaustich, was dem Programm insgesamt einen etwas kontrastreicheren und gewichtigeren Auftritt verschafft. Aus Sicht des Mac-Users bleibt die gesamte Programmstruktur, insbesondere die Voreinstellungen und das Datei-Handling, etwas gewöhnungsbedürftig, weil eindeutig an der Windows-Herkunft der Software orientiert. Daran muss man sich gewöhnen, und hier ändert sich auch mit Version 8 nichts. Wahrscheinlich muss man es so sehen: Immerhin ist WaveLab mittlerweile überhaupt auf der Mac-Plattform verfügbar.

Wir wollen das Achter-Update im Folgenden aus dem Blickwinkel des vermutlich größten Teils unserer Leserschaft betrachten: Projektstudio-Produzenten mit Mastering-Ambitionen. Eine weitere gute Nachricht gleich vorab: Auch wenn etwa drei Jahre Entwicklungszeit in das Update geflossen sind, was bestimmt nicht ganz billig war, wurde der Preis der Software im Vergleich zur Vorgängerversion um etwa 10 Prozent gesenkt. Mehr Inhalt für weniger Geld, das ist doch schon mal ein guter Einstieg!

AUDIO PROCESSING

Wenngleich der anspruchsvolle Anwender seine persönlichen Vorlieben sicherlich stets mit einem gewissen Anteil spezieller, selbst ausgewählter Prozessoren befriedigen wird, so ist doch eine gewisse Onboard-Ausstattung auch nicht zu verachten. Je mehr Auswahl, desto besser, und WaveLab kann nun ein paar recht hochkarätige Neuzugänge auf seiner Habenseite verbuchen. Insgesamt vier neue Plug-ins, die direkt ins Klanggeschehen eingreifen, werden nun mitgeliefert. Zum einen handelt es sich hier um Voxengos CurveEQ, ein 64-bandiges Frequenzwerkzeug, das auf linear- bzw. minimalphasigen Filtern basiert. Herzstück des Plug-ins ist eine Frequenzanalyse, die sich speichern und wieder laden lässt. Damit lässt sich also der statische Frequenzgang eines Audiosignals ermitteln und dann einem anderen Audiosignal aufprägen. Es sollte klar sein, dass hier Time-Domain-Faktor prinzipbedingt keine Rolle spielt, es sich immer nur um einen statischen Schnappschuss handelt. Und auch ansonsten gibt es noch ein paar Punkte, die auf den Gesamtklang einer Produktion Einfluss nehmen. Ocean-Way-Sound aus einer Bedroom-Aufnahme per Knopfdruck bleibt also ein Wunschtraum, aber das heißt nicht, dass so ein Plug-in nicht auch seine überaus nützlichen Seiten hätte. In der Postproduktion soll solch ein Tool schon manche Leben gerettet haben – beispielsweise dann, wenn Dialoge in Teilen nachsynchronisiert werden müssen und es gilt, den Sound möglichst nahtlos an die Vorgabe anzupassen.

Die nächste Neuerung kommt in Form des „Tube Compressors“ daher, wobei dieses Plug-in Cubase-7-Anwendern bereits bekannt vorkommen dürfte. Dieser Prozessor verfügt über alle Funktionen, die heute bei einem hochwertigen Dynamiktool als Standard gelten dürfen – darunter ein Mix-Poti für Parallelkompression, ein recht flexibles Sidechain-Filter, das auch einzeln vorgehört werden kann, sowie ein Drive-Poti, das neben der eigentlichen Kompression den Grad der Klangfärbung justiert.

Wer „Mastering“ sagt, der muss heute unweigerlich auch das Wort „Brickwall-Limiter“ in den Mund nehmen. Und einen solchen hat WaveLab nun auch im Gepäck und zwar in Form des prosaisch mit ebendiesem Namen betitelten Prozessors. Dieses Plug-in bietet mit den Parametern Threshold und Release eine denkbar einfache, intuitive Bedienung und zudem die Möglichkeit, sogenannte Intersample-Peaks anzuzeigen. Mit zwei Bargraph-Anzeigen behält man dabei stets den Überblick über Ein- und Ausgangspegel, ganz so, wie man das von hochwertigen Limiter-Werkzeugen gewohnt ist.

Schließlich hat Steinberg zusammen mit den Mastering-Spezialisten von iZotope noch ein neues Dithering-Plug-in entwickelt, das einen ausgesprochen großen Funktionsumfang bietet. Es unterstützt Wortbreiten von 24 runter bis 8 Bit und das mit Hilfe von drei unterschiedlichen Algorithmen und vier verschiedenen Noise-Shaping-Optionen.

Ebenfalls in diesem Zusammenhang muss das neue sogenannte „Single Window Plug-in Management“ genannt werden. Insbesondere beim Audio-Mastering arbeiten die verschiedenen Prozesse häufig hochgradig interaktiv. Will sagen: Eine Justierung am einen Ende der Plug-in-Kette zieht häufig eine Konsequenz an deren anderen Ende nach sich. Und genau dies wird nun erheblich vereinfacht beziehungsweise intuitiver gestaltet, denn WaveLab 8 bietet jetzt ein Fenster, in dem alle Prozesse von Clips, Spuren und Masterbereich an einer Stelle angezeigt werden. So kann man beispielsweise mit nur einem Klick zwischen den Prozessoren hin-  und herspringen. Gerade bei einer solch komplexen Software wie WaveLab ist alles, was den intuitiven Workflow unterstützt, geradezu Gold wert.

LAUTSPRECHER-MANAGEMENT

Der Trend geht ganz klar zur Zweit-Abhöre, um das Klangergebnis auch jenseits von den spezifischen Eigenheiten der Hauptabhöre zu beurteilen. Lautsprecher alleine sind jedoch bereits teuer genug, da wird jede Hilfe Kosten zu sparen gerne mitgenommen. Eine solche, die zudem auch noch sehr bequem ist, bietet WaveLab nun mit dem neuen Lautsprecher-Management-System. Dedizierte Monitorcontroller, welche die Anwahl mehrerer Abhörsysteme erlauben, sind bei entsprechender Qualität ein kostspieliges Vergnügen, während fast jede DAW über ein paar ungenutzter Audioausgänge verfügt. WaveLab erlaubt es nun, für bis zu 8 unterschiedliche Monitorpaare individuell Einstellungen wie Ausgangsanwahl und individuelle Anpassung des Monitorpegels festzulegen. Und zwischen diesen verschiedenen Optionen kann dann softwareseitig latenzfrei umgeschaltet werden. Hervorzuheben ist zudem, dass hier kein weiteres Processing erfolgt, also maximale Signaltransparenz gewährleistet bleibt. Neutraler kann kein Hardware-Monitorcontroller dieser Welt arbeiten.

Jedoch verzichtet WaveLab an dieser Stelle auf typische Monitorcontroller-Funktionen wie Mono- oder Dim-Schalter. Das ist insbesondere deswegen schade, weil der Control-Room-Mixer in Cubase und Nuendo ebendiese Optionen bietet – es leuchtet also nicht direkt ein, warum WaveLab eine solche erweiterte Funktionalität, die einen Hardware-Monitorcontroller tatsächlich weitgehend obsolet machen würde, nicht ebenso mitliefert. Hier sollte das nächste Update nach Möglichkeit die Monitorfunktionen wirklich rund machen.

TRANSPORTFENSTER

Ein dediziertes Transportfenster zählt zur Standardausstattung der meisten Audio-Sequencer. Auch WaveLab hat nun ein solches spendiert bekommen. Sämtliche Transportfunktionen lassen sich nun aus dem sogenannten Master Transport Panel heraus ansteuern, das sich standardmäßig am unteren Rand des Arbeitsbereiches befindet. Auch Jog/Shuttle-Funktionen lassen sich hier ausführen, es gibt Kontrollmöglichkeiten für Bereiche und Ankerpunkte und dazu noch ein Status-Fenster, das wahlweise Zeitposition, Timecode, Samples, Takte und Zählzeiten anzeigen kann. Es versteht sich von selbst, dass die Komponenten des Transportfensters vom Anwender frei wählbar zusammengestellt werden können. Damit schließt WaveLab hier nun also zu dem Standard auf, den wir von DAWs wie Cubase, Logic, Live etc. kennen.

LOUDNESS-METERING    

Professionelle Anwender gerade aus dem Broadcast-Bereich werden sich freuen, dass WaveLab nun über umfangreiche Loudness-Metering-Funktionen verfügt. Das bedeutet, dass man mit WaveLab nun vollständig konform der EBU-R-128-Norm arbeiten kann, ohne externe Hilfsmittel hinzuziehen zu müssen. Neu ist ebenfalls die Lautheitskurven Darstellung einzelner Clips, die nun neben den herkömmlichen Waveform- und Spektrums-Graphen angezeigt werden kann.

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