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Test
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03.11.2015

Steinberg Padshop Pro Test

Granularer Synthesizer

Neues von den Padshop-Boys

Steinberg Padshop Pro macht es anders: Bislang galt die Granularsynthese als eine komplexe und oft unhandliche Syntheseform, die nicht allzu oft zur Klangerzeugung verwendet wird. Bei Steinberg in Hamburg dreht man den Spieß um und setzt mit dem in Cubase integrierten Padshop auf ein einfaches Bedienkonzept trotz granularer Klangerzeugung.

Dabei spezialisiert sich der Synth auf Flächensounds und Klangtexturen und erhält in der Pro-Version „Padshop Pro“ auch gleich eine Möglichkeit zum Import eigener Samples. Dazu gibt es eine erweiterte Effekt-Sektion, wodurch er in der Praxis nicht zuletzt für Sounddesigner sehr interessant sein dürfte. Lest im Test unsere Erfahrungen mit dem Padshop Pro von Steinberg!

Details

Allgemeines

Die kleine Version „Padshop“ gehört seit Cubase und Cubase Artist 6.5 zur Standardausrüstung der DAW und kann mit einem kostengünstigen Upgrade auf Padshop Pro hochgestuft werden. Dabei stehen auf der Steinberg-Website wahlweise „Padshop Pro Basic“ für 9,99 € und „Padshop Pro Bundle“ für 34,99 € als Upgrade bereit. Die Bundle-Version enthält dabei das „Zero Gravity Expansion Pack“, welches ansonsten für zusätzliche 29,99 € zu erwerben ist. Der kleine Bruder „Padshop“ basiert in Cubase selbst auf VST 3.5 und ist somit nicht für die meisten anderen DAWs erhältlich. Padshop Pro wurde neben VST 3.5 auch als VST 2.4- und AU-Instrument implementiert, wodurch er nun auch für User anderer DAWs wie etwa Apple Logic oder Ableton Live verfügbar ist. Die Voraussetzung für den Erwerb von Padshop Pro ist jedoch eine Cubase- bzw. Cubase Artist-Lizenz. Eine 30-Tage-Test-Version steht auf der Steinberg-Website sowohl für Windows als auch für Mac OS X zur Verfügung.

Padshop vs. Padshop Pro – die neuen Features

Im Gegensatz zum kleinen Bruder bietet Padshop Pro den Import eigener Samples, was nun endlich ein individuelles Sounddesign ermöglicht. Hier hat Steinberg also die Nachfrage der Nutzer erhört und die Pro-Version um eine praktische Import-Funktion via Drag & Drop erweitert, wodurch nun auch Presets mit eigenen Samples geschraubt werden können.

Eine Erweiterung findet sich auch in der Effekt-Sektion. Zu den bisherigen Chorus und Delay kommen nun auch ein 3-Band-Equalizer mit variablem Q-Faktor und ein algorithmischer Reverb.

Die Presets des Padshops erhalten in der Pro-Version nun 50 weitere Presets in der „Basic Version“. Mit dem „Gravity Expansion Pack“, enthalten in der „Bundle Version“, kommen noch mal 250 Presets und zusätzliche 150 Samples als Klangquelle hinzu, die von internationalen Producern erstellt wurden.

Klangerzeugung

Das Besondere am Padshop ist seine Klangerzeugung, die keine einzelnen Oszillatoren nutzt, um Klänge zu erzeugen, wie man es von anderen Synthesearten gewohnt ist. Vielmehr werden, der granularen Synthese entsprechend, importierte Audiodateien (Samples) im „Grain Oszillator“ in kleinste Schnipsel, sogenannte „Grains“, zerlegt und als Ausgangsmaterial für die Synthese verwendet. Sie dienen daher als Startpunkt für die Klangerzeugung und können durch die dauerhaft wiederholte Wiedergabe und den Einsatz verschiedener Parameter zu komplexen Klängen geformt werden. In jedem der beiden Layer kann jeweils ein Sample als Ausgangsmaterial für die Klangerzeugung geladen werden und mit den Parametern unabhängig voneinander bearbeitet und moduliert werden.

Nach dem Import eines Samples zerlegt Padshop das Audiomaterial zunächst in sogenannte „Grains“, die in ihrer Anzahl, Länge, Position, Abspielgeschwindigkeit und -richtung angepasst werden. Je mehr „Grainstreams“, also die Durchläufe einzelner Grains dabei verwendet werden, umso lebendiger werden die Sounds, da hierbei die Anzahl der verwendeten Grains erhöht wird und somit mehrere Stellen eines Samples zur Klangerzeugung genutzt werden. Mit Random-Funktionen werden zufällige Abspielpositionen und Pitch-Effekte erzeugt, die abwechslungsreiche Texturen ermöglichen. Zur visuellen Darstellung und Kontrolle der Grains dient beim Padshop ein Wellenform-Display. Direkt darüber befinden sich globale Einstellungen wie Voice, Pitchbend-Range und auch der Trigger Mode, der es ermöglicht, Trills zu spielen. 

Hüllkurven

Der weitere Aufbau des Padshop Pro ist einfach und strukturiert gehalten, da sich hier alle typischen Parameter finden, wie sie in den meisten Synthesizern vorzufinden sind. So befindet sich direkt hinter der Klangerzeugung eine Pitch-Sektion, in der die Tonhöhe und Formanten angepasst werden können. Die dahintergeschaltete Filter-Einheit bietet neben der obligatorischen ADSR-Hüllkurve und dem Cutoff-Filter mit 12 verschiedenen Filter-Typen auch eine Distortion-Einheit mit den Möglichkeiten einer Tube-, Bit-, Clip- und Rate-Verzerrung. Natürlich darf auch im Padshop Pro eine Amp-Hüllkurve nicht fehlen, deren Amp-Sektion hier auch gleich ein Panorama-Regler bereithält.

Modulation Matrix

Padshop Pro besitzt eine Modulationsmatrix, in der die meisten Parameter des Padshops als Ziel angewählt und durch verschiedene Quellen moduliert werden können. Um die maximal zehn Modulationen genauer zu kontrollieren, stehen die Parameter „Offset“, „Modified“ und „Depth“ bereit. Dabei lässt sich mit „Offset“ ein zusätzlichen Versatz am Ausgang der Quelle einstellen, „Depth“ bestimmt die Intesität der Modulation. Mit einem zusätzlichen „Modifier“, der beispielsweise das Mod-Wheel des MIDI-Keyboards sein kann, lässt sich die Intesität der Modulation über einen zusätzlichen Parameter regeln. 

Zu den elf Quellen wie Hüllkurven, Step Modulator, Pitchbend und Velocity gesellen sich auch zwei LFOs. Letztere arbeiten pro Layer und erzeugen periodische Modulationssignale in den üblichen verdächtigen Schwingungsformen Sinus, Dreieck, Rechteck und Sägezahn. Sie lassen sich in ihrer Rate (inklusive Sync) anpassen und mit dem Shape-Regler formen. Den Möglichkeiten der Modulation stehen im Padshop also viele Wege offen.

Step Modulator

Um rhythmisch kontrollierte Sequenzen zu programmieren, beinhaltet der Padshop den polyphonen Step Modulator, der es ermöglicht, jeden erdenklichen Parameter mittels Matrix in bis zu 32 Steps zu modulieren. Für die Steps können mit Slope die Steigungen programmiert werden, um aufsteigend, fallend oder abwechselnd zu erklingen. Diese Programmierungen des Step Modulators lassen sich praktischerweise in Presets abspeichern und können so in jedem Sound-Preset erneut geladen werden. Um zu kontrollieren, ob und wann der Step Modulator synchronisiert wird, lässt sich die Synchronisation in den drei Sync-Modi „Beat“, „First“ und „Each“ definieren. Dabei wird der Step Modulator in „Beat“ zur DAW synchronisiert, in „First“ nur dann, wenn eine einzelne Taste gedrückt wird, ohne dass eine weitere gehalten wird. Mit „Each“ startet er bei jedem Tastendruck erneut, wodurch die Sounds des Padshop Pro sehr lebendig werden können. 

FX

In der Effekt-Sektion wurde der Padshop Pro um einen 3-Band-Equalizer erweitert, der pro Layer bereitsteht und sich somit hervorragend zur Klangschichtung eignet. Die beiden äußeren Shelving-Bänder sind mit Gain- und Frequenz-Reglern ausgestattet, wohingegen das Mittenband eine Bell-Charakteristik aufweist. Weitere Frequenzbänder oder eine auswählbare Charakteristik der drei vorhandenen Bänder wären zwar wünschenswert gewesen, jedoch ist dieser EQ für die meisten Layering-Anwendungen – besonders für Padsounds – ganz sicher ausreichend. Um die Layer etwas aufzupolieren, stehen weiterhin Chorus/Flanger und Delays bereit.

Reverb

Der algorithmische Hall arbeitet zwar nicht unabhängig pro Layer, jedoch kann er von jedem der beiden Layer einzeln mit einem Send-Regler beschickt werden. Der Hall besteht aus drei Frequenzbändern, die einzeln in der Nachhallzeit eingestellt und bis auf das Mittenband in ihrer Frequenz geregelt werden können. Ein zusätzlicher Hi Cut-Regler und die regulierbare Pre-Delay-Zeit runden den Reverb ab.

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