Software
Test
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12.04.2019

Steinberg AXR4 Test

Thunderbolt 2 Audiointerface

Das neue Cubase Flagship!

Details

Allgemeines

Das Steinberg AXR4 ist ein Thunderbolt-2-Audiointerface mit einem spektakulär hohen Auflösungsvermögen von 32 Bit und 384 kHz. Auf einer HE und 19 Zoll versammelt das 4,6 kg schwere Gerät vier Preamps mit „Neve-Silk-Emulation“, acht Line-I/Os, zwei separat regelbare Kopfhörerausgänge und bis zu 16 weitere digitale I/Os. Es misst 37,8 cm in die Tiefe.

In Summe bietet das Interface maximal 28 Eingänge und 24 Ausgänge, je nach Samplerate. Darüberhinaus können bis zu drei AXR4 in Reihe geschaltet werden, sodass bis zu 84 Eingänge und 72 Ausgänge ermöglicht werden. Das AXR4 ist damit Steinbergs modernste und aktuell umfangreichste Systemlösung

Für Mac und bald auch Windows 

Das Interface wird über ein externes 4-Pin-XLR-Netzteil mit 100 bis 240 Volt versorgt. Die Anbindung an den Rechner erfolgt via Thunderbolt-2-Kabel.

Ein Anschluss an Thunderbolt 3 (USB-C) ist mit einem entsprechenden Adapter ebenfalls möglich. Beides muss separat erworben werden und sollte aus Kompatibilitätsgründen idealerweise von Apple stammen, ist also nicht günstig. OSX wird ab 10.12 unterstützt, Windows-10-User müssen sich noch gedulden. Sollten Windows-Treiber verfügbar werden, erfahrt ihr es hier.

Zu den beiden Thunderbolt-Anschlüssen, die in einem Card-Slot sitzen, kommen neben den Audioverbindungen auch noch ein Wordclock- und MIDI-I/O hinzu. Modulare Thunderbolt-Boards sieht man in letzter Zeit häufiger, ich gehe dennoch nicht davon aus, dass in Zukunft andere Anschlussvarianten hinzukommen werden. 

Neuer DSP-Chip, bessere Konsole, schickes Display

Im AXR4 wurde eine DSP-Eigenentwicklung von Yamaha verbaut. Der neue „DSPX“-Chip ist für das „dspMIXFX“ zuständig und damit für internes Mixing und Monitoring verantwortlich. Gesteuert wird das Ganze mit der „dspMixFX AXR App“, ich möchte noch ein X kaufen.

Zurück zum Wesentlichen: Es gibt interne DSP-Effekte wie den Sweet Spot Morphing Channel Strip, den REV-X Reverb (noch ein X!) sowie den Vintage Classics Compressor VCM 276 und VCM EQ601. Wer Cubase nutzt, profitiert natürlich von einer besonders schicken Integration der Monitoringoptionen in die DAW-GUI, die dank der„True-Integrated-Monitoring-Technologie“ vollständig von der Cubase-Benutzeroberfläche aus zu bedienen sind. Xcelent!

Die GUI der Konsole ist übersichtlich gestaltet und lässt in mir keine Fremdscham aufkeimen, wie ich sie kürzlich beim GUI von UR-RT2 und UR-RT4 spürte. Ebenfalls gut in diesem Zusammenhang ist das fein aufgelöste und wirklich gut lesbare Farb-LCD an der Front. Dass Layout und Optik etwas an RME erinneren, ist sicherlich nur Zufall.

Praktische Front

Ergänzt wird das schnieke Display von einem Kunststoff-Push-Encoder in Silberoptik und sechs weiteren beleuchteten Tastern. Darunter fällt die Navigation, die Channelanwahl, die Setupeinstellungen, die Scene-Recall-Funktion (Snapshots) sowie Mute und die „Moni“, sprich das Patching und Routing. 

Die Preamps verfügen außerdem über Direktanwahltaster, sodass man nicht erst durch alle Inputs kurbeln muss, um sie anpassen zu können. Die Patchmöglichkeiten am Gerät sind ferner effektiv gehalten, können in der Software natürlich noch tiefergehend angepasst werden – Stichwort: Routingmatrix, Submixe und so weiter. Dazu mehr im Praxisteil.

Nicht so richtig getrennt adressierbare Kopfhörerausgänge 

Den beiden Kopfhörerausgängen kann man nur Line-Out 1-8 beziehungsweise ADAT A1/2 oder ADAT B1/2 zukommen lassen – individuelle, unabhängige Streams sind nicht vorgesehen. Man muss sich das Kopfhörersignal somit von anderen I/Os abzwacken. Warum auch immer. Neben den beiden Kopfhörerausgängen (zweimal große Klinke) findet sich außerdem der Hauptschalter.

Vier Preamps mit Neve-Glitzer

Kommen wir zum interessantesten Feature, angekündigt durch ein elegantes Autogramm in Form eines großen „R“, was für Rupert Neve Designs steht, und einen mit SILK beschrifteten Encoder, der direkt neben den Preamps sitzt. Übertrager gibt es keine, das sieht man bereits durch die stark perforierte Oberseite der Kiste. 

Der fein auflösende Encoder für die Silk-Texture kann in Zehntelschritten bis 10,0 geregelt werden. Mit ihm steuert man die zuschaltbare Sättigung der Preamps, welche es in den Geschmacksrichtungen Blue und Red gibt. Rot sorgt für „schimmernden Glanz“ in den Höhen und Blau für „druckvolle Wärme“ im Bass.

Die Vorverstärker bieten außerdem die üblichen Annehmlichkeiten hochpreisiger Interfaces, darunter digital geregelten Gain (bis maximal 68 dB), Stereo-Link-Mode, individuelle Phantomspeisung, Pad-Schaltungen sowie eine Phasen-Invertierung und ein variabler Highpass (Off, 40 Hz, 60 Hz, 80 Hz, 100 Hz und 120 Hz). Die Zielfrequenz des Highpassfilters ist global – unterschiedlichen Eingängen kann man somit keine unterschiedlichen Frequenzen zuordnen.

Die vier Vorverstärker sind ferner mit Combobuchsen (XLR/TRS) ausgestattet und bieten für Instrumente eine Impedanzanpassung in den Inputs 1 und 2. Die anderen kennen hingegen nur Linelevel, müssen aber trotzdem mit dem Gain angepasst werden. Fixe Levelbezugspunkte gibt indes nur für die acht rückseitigen Inputs, sprich Line 5-12, und zwar mit +4 dBu(20), +4 dBu(16) und -10 dBV.

Rückseitige Anschlüsse

Schauen wir uns die Rückseite noch mal im Detail an: Alle analogen Verbindungen sind symmetrisch ausgelegt und mit großer Klinke versehen (6,35 mm TRS). Es gibt außen acht Ausgänge und daneben acht Eingänge. Einen zusätzlichen Monitor-Out, gar auf XLR, gibt es nicht.

Hinzukommen die zwei digitalen Schnittstellen (A und B) mit jeweils maximal acht Kanälen. A bietet ADAT- beziehungsweise S/PDIF-I/O (optisch). B wahlweise ADAT, S/PDIF oder das fortschrittlichere AES/EBU auf D-Sub (DB25, vier Mal stereo rein und raus). Fortschrittlicher alleine deshalb, weil sich bei doppelter oder gar vierfacher Samplerate die Kanäle nicht verringern. Somit stehen bei 192 kHz auch noch alle vier Stereokanäle zur Verfügung, bei ADAT ist indes nur noch ein Stereo-I/O anstatt vieren am Start. Benutzt man wiederum die maximalen 384 kHz stehen gar keine digitalen I/Os per ADAT-Schnittstelle mehr zur Verfügung.

Lieferumfang und mitgelieferte Software

Im Lieferumfang findet sich das passende Netzteil, Thunderbolt-Kabel sucht man vergebens. Außerdem gibt es eine gedruckte Schnellstartanleitung sowie ein kleines Softwarepaket mit einem Channelstrip, einem Kompressor sowie einem EQ und einer Cubase-AI-Version. In Anbetracht der Interfaceklasse und des Preises handelt es sich eher um Beigaben als kaufentscheidende Faktoren.

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