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Test
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30.06.2021

SSL UC1, Bus Compressor 2 & Channel Strip 2 Test

DAW-Controller mit Plugins

Die Console 1 von SSL selbst ?!

Console 1 muss sich warm anziehen, denn SSL bringt nun selbst eine Hardware-Bedienoberfläche für seine nativen Plugins raus! SSL 360° wird aufgebohrt und Version 2 des beliebten SSL Channel Strip und berühmten SSL Bus Compressor vorgestellt. 

Mit dem DAW-Controller UF8 und den Plugin-Controller UC1- hat SSL damit zwei sich gut ergänzende Geräte am Start mit denen es sich in der DAW, mit ausgewählten Plugins sowie der übergreifen Mix-Oberfläche SSL 360° komfortabel mischen lässt; fast wie an einer richtigen Konsole. 

Details

Präambel

Erst vor Kurzem überraschte SSL mit dem neuen Motor-Fader-Controller UF8, der sich dank MCU und HUI Protokoll flexibel an so gut wie jede DAW bindet. Auch die SSL 360° Software wurde vorgestellt, ihr Sinn erschloss sich damals aber noch nicht ganz.

Mit dem nun zum Test stehenden UC1 schließt sich der Kreis: Eine Mix- bzw. Bedienoberfläche, die sich – ähnlich wie Console 1 – auch etwas außerhalb der DAW bewegt.

Im Gegensatz zur klanglich flexibleren Console 1 setzt SSL aber alles auf die eigene Karte, macht den Controller dafür aber auch richtig geil groß, sodass es ordentlich Platz zwischen den Encodern gibt, vom freshen Look einmal ganz abgesehen!

Nutzt man auf jedem Channel der DAW einen SSL Native Channel Strip 2, kann man wie mit einer richtigen Console mischen – inklusive Mute und Solo. Besondere Mix-Bus-Simulationen gibt es allerdings nicht. Die SSL 360° Software muss für die Fernbedienung im Hintergrund laufen, bietet außerdem einen tollen Überblick über das Gesamtgeschehen – und sagt damit Maus bzw. Tastatur fast Lebewohl.  

Fetter Controller, Plugins inklusive

Der SSL UC1 ist zunächst mal ein typischer USB-Controller, der sich der Bedienung von Plugins verschrieben hat, allerdings mit 296 x 62,7 x 266 mm recht groß und 2,5kg schwer ist, ganz im Gegensatz zu beispielsweise der TC Icon Serie.

Es handelt sich aber keineswegs um einen Universal-Controller, sondern um einen ziemlichen Spezialisten, der so aktuell auch nur den neuen SSL Channel Strip 2 und den SSL Bus Compressor 2 bedient. Die Plugins vorab in der Demo zu testen, macht vor dem Kauf des Controllers also durchaus Sinn.

Mit einer UVP von jeweils 329 USD vor Steuern sind beide Plugins gewiss kein Schnäppchen – Glück also, dass sie Bestandteil des Controllers sind, welcher sich für rund 798 Euro verkauft. Aber alles halb so wild: Anfang des Jahres gab es beide Plugins auch schon mal für 49 USD. Das Gute kommt zu den, die warten können.

Für (Abo-)Kunden des 6.5 Native Bundles sind sie aber auch so zu haben. Im Prinzip soweit die gleiche Soße wie bei den Vorgängern – abgesehen von der Sound-Verbesserung, der deutlich frischeren Optik sowie natürlich external Sidechain via VST3 – und eben UC1 Bedienungsmöglichkeit. Den Vocal Strip gibt es mittlerweile auch in Version 2, der wie der Drum Strip 1 übrigens zum Bundle des UF8 gehört. Den SSL X-EQ 2 haben wir schon vor 2 Jahren getestet, welcher bereits die neuen „Anti-Cramping“ Algorithmen nutze, wie sie nun auch im Channel Strip 2 zu finden sind. 

Dezentes 2er-Update

Bei den Channel Strip 2 und Bus Compressor 2 Plugins handelt es sich um die wichtigsten und typischsten SSL-Prozessoren, die es grundlegend als Plugins schon recht lange gibt. Der Teufel steckt wie so oft im Detail – auch wenn sich SSL wenig Mühe macht, das korrekt zu kommunizieren.

Beide „Version 2“ klingen jedenfalls deutlich besser, so viel sei bereits jetzt verraten, und bringen natürlich alles mit, sich mit dem dedizierten Controller fernbedienen zu lassen. Detailverbesserungen gibt es hier und da natürlich auch, es beschränkt sich aber überwiegend auf Bug-Fixes und teils feinere Parameter Es werden die Formate AU, VST2, VST3 und AAX Native auf OSX und Windows unterstützt.

Klickt man das entsprechende Plugin an, kann man alle seine Parameter mit der UC1 unkompliziert editieren. Tatsächlich kann das entsprechende Plugin aber auch ganz bequem am Controller per Encoder ausgewählt werden, ferner lassen sich Bus Compressor und Channel Strip gleichzeitig und unabhängig voneinander bedienen – egal an welcher Stelle sich welches Plugin auch immer im DAW-Mix befinden.

Bemerkenswert ist außerdem, dass man mit dem Encoder und seiner dedizierten 7-Segment-Anzeige nicht nur die Plug-Instanz auswählt, sondern tatsächlich den entsprechende Track der DAW. Konkret: Steht auf dem Controller eine 7, heißt das, es ist nicht Plugin 7 im Fokus, sondern wirklich Track 7 – und im richtigen Display daneben steht sogar der Spurname. Ja und sogar mehrere Plugins auf dem selben Track gehen klar, sofern man Solo-Safe ordentlich konfiguiert.

2 for 1

Der Bus Compressor wird mit dem Mittelteil des Controllers bedient, die Bedienelemente des Channelstrip sortieren sich darum, flaniert von einer fetten und recht flinken Aussteuerungsanzeige für den Input und Output des gerade im Fokus stehenden Channel Strip 2 Plugins. Optisches Highlight ist das echte VU-Meter, was mit einer hübsch-hüpfenden Nadel die aktuelle Gain Reduction des Bus Compressor visualisiert. Apropos Nadel, auch im Plugin hüpft die jetzt deutlich authentischer, weil träger, und damit deutlich aussagekräftiger.

Das UF8 ähnliche Display visualisiert nicht nur Routing und Auswahl, sondern lädt auch zum Laden von Presets direkt von der Hardware aus ein. Mir hat sich zwar noch nie der Sinn von EQ/Compressor-Presets erschlossen, aber sei es drum. Mit dem linken Encoder wählt man ferner den zu bedienenden Channel Strip, mit dem Encoder rechts davon den entsprechende Bus Compressor aus. Alle Encoder fühlen sich wirklich gut an, haben genügen Platz zu einander, einen aussagekräftigen und flinken LED-Kranz sowie die SSL-typischen bunten Kappen. Sogar die Taster drücken sich sehr gut, lediglich der Encoder zur Auswahl des Comps ist bei meiner Unit etwas wackelig. Hinzu kommen SSL 360° spezifische Taster wie Phase, Bypass, Fine, Focus, Zoom, Solo, Solo Safe, Solo Clear und Mute. 

Sexy Systemlösung

Das Gehäuse des Controllers ist sehr hochwertig verarbeitet und bietet ähnliche physikalische Finessen wie der Motor-Fader-Controller UF8. Dazu gehören die funktionalen Füße, die ein Anstellen des Controllers in vielen verschiedenen Winkeln ermöglichen. Außerdem lässt sich der Controller so auch auf ein Mischpult stellen, ohne dessen Regler massiv zu blockieren. Ferner ist der UC1 genauso tief und hoch wie der UF8, sodass sie eine tolle optische Einheit bilden können; müssen sie aber nicht unbedingt, denn man kann UC1 und UF8 auch komplett getrennt voneinander nutzen.

Verbunden wird mit USB, wobei am Gerät selbst USB-C zum Einsatz kommt. Ein Kabel auf USB-C und ein weiteres Kabel auf „altes USB“ sind Teil des Lieferumfangs, genau wie das hässlich-klobige Universalnetzteil. Die Anschlusssektion wurde nicht ganz so schön wie beim UF8 eingerückt, sodass man mit minimal herausstehenden Kabel durchaus Vorlieb nehmen muss. Ob man das UC1 in den THRU des UF8 stecken kann, entzieht sich meiner Kenntnis, da ich den UF8 leider nicht bis zum Test dieses UC1 behalten durfte.  

SSL Bus Compressor 2 Plugin

Die Funktionsweise des berühmtesten aller Bus-Kompressoren, der „SSL Bus Compressor“, ist weitläufig bekannt, sein Layout wurde überwiegend beibehalten, weswegen ich es kurz halte: Im Prinzip handelt es sich um zwei in Reihe geschaltete Kompressoren, die so auch in jeder SSL Konsole im Master bzw. Mix-Bus sitzen und die meisten erfolgreichen Mixe verdichtet haben dürften.  

Entscheidende Neuerung sind die vier zusätzlichen Ratios, was nun in Summe: 1,5; 2; 3; 4; 10; 20 und „X“ ergibt. Außerdem kommt die 20ms Attack sowie die 0,4s und 0,8s Release hinzu Als bereits bekannte Ergänzung stehen ein variables Sidechain-Filter bis 185 Hz sowie ein Dry/Wet-Regler zur Seite. External Sidechain gibt es in der VST3-Variante ebenfalls, außerdem gibt es hier eine Oversampling-Option (Aus, x2, x4) für noch bessere Klangqualität. Threshold, Make-up machen soweit, was man von ihnen erwartet.

SSL Channel Strip 2 Plugin

Der Channel Strip 2 wurde durch die neuen bzw. aus dem X-EQ2 bekannten „Anti-Cramping“ Algorithemn klanglich aufgewertet und deutlicher neusortiert, seine einst horizontale Aufteilung also „vertikaler“ gemacht, was auch mehr der Hardware-Grundlage entspricht: Links finden wir nun den 4-Band-EQ mit den beiden zusätzlichen Cut-Filtern, rechts den Compressor mit seinen Gate.  

Die Reihenfolge der drei Funktionsgruppen (Filter, EQ, Compressor/Gate) lässt sich sowohl am Gerät als auch im Plugin umsortieren. Ferner kann man beispielsweise auch die Filter und den EQ in den Sidechain packen, um sich den Kanalzug als Deesser zu konfigurieren. Dank VST3 gibt nun External Sidechain, außerdem wurde das Routing deutlich übersichtlicher gestaltet.

Die Combo Comp/Gate bietet solide Dynamik-Werkzeuge insbesondere für Einzelsignale, die Parameter sind entsprechend überschaubar. Die Ratio ist von 1 bis unendlich regelbar, sodass  der Compressor auch als Limiter taugt. Für die Detektion kommt RMS oder Peak infrage, was auch das Knee von Soft zu Hard beeinflusst. Die Release ist von 0,1 bis 4 s anpassbar, die Attack-Zeit passt sich zwischen 3 bis 30 ms automatisch an, kann aber auch fix auf Fast=3ms geschalten werden. Aufgeholt wird mit dem Channel-Gain, was ungüntig ist, da man die Dynamic-Sektion so allein nicht normalisiert bypassen kann.

Das Gate ist solide-funktional und bietet regelbare Range, Release, Hold und Threshold; auch hier ist der Attack umschaltbar zwischen Normal/Fast, was dann 1,5 ms bzw. 0,1ms entspricht. Darüber hinaus gibt es einen Expand-Mode.

Der EQ des Kanalzuges ist DAS Arbeitstier schlechthin und eine Mischung zweier voll-parametrischer Glocken (Q von 0,5 bis 2,5) sowie zweier halb-parametrischer Bänder, die zwischen Shelving und Glocke umschaltbar sind. Ferner kann man zwischen E und G Series Charakteristik umschalten, was sich homöopathisch in der Kantigkeit der Glocke bei geringen Hub manifestiert: G ist weicher, fließender und E eben kantiger.

Alles weitere erklärt sich von selbst, sodass eine Auflistung der Parameter und ihrer Wertebereich genügen müsste: 

  • Low-Cut (18 dB Flanke): 20 Hz bis 500 Hz,
  • High-Cut (12 dB Flanke): 3 kHz bis 22 kHz
  • High-Filter (Glocke oder Shelf) : +/- 20 dB Gain; 1.5kHz – 22kHz,
  • High-Mid-Filter (var. Glocke) : +/- 20 dB Gain; 600Hz – 7kHz
  • Low-Mid-Filter (var. Glocke): +/- 20 dB Gain; 200Hz – 2kHz
  • Low-Filter (Glocke oder Shelf): +/- 16,5 dB Gain; 40Hz – 600Hz
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