Test
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21.08.2019

SoundStudio STG-2412 Stagebox

Digitale Stagebox

Hardware für Software

Mit dem eMotion LV-1 Software-Mixer hat die Firma Waves eine interessante Alternative zu einem herkömmlichen Digitalpult am Start. Die SoundStudio STG-2412 Stagebox von New Old Sound Ltd. aus Israel ist die passende I/O-Hardware dazu, die auf das SoundGrid-Protokoll setzt. Knapp 3000 Euro UVP werden für die Stagebox aufgerufen. Ein schlagkräftiges Team im Verbund mit der Waves-Software?

Details

In den 80er Jahren war vieles einfacher. Da gab es in Sachen Videofilme nur die Wahl zwischen VHS und Betamax. Das war die damalige Vorstufe zu Netflix. Netflix läuft nicht ohne Netzwerk, genau wie alle aktuellen Digital-Stageboxen. Schaut man sich um, mit welchem Netzwerkprotokoll oder Digitalformat einzelne Systeme arbeiten, dann kann einem schon schwindlig werden aufgrund der Auswahl: MADI, AES50, AVB, Ravenna, DANTE, um nur einige zu nennen.

Die israelische Software-Schmiede Waves hat vor einigen Jahren mit ihrem SoundGrid-Protokoll ein weitere Variante hinzugefügt. Logisch, dass kompatible Stageboxen nicht lange auf sich warten lassen. Unser Testkandidat ist demnach ein SoundGrid-Hardware-Frontend, das wir unter die Lupe genommen haben. Und womit lässt sich die SoundStudio STG-2412 Stagebox verbinden? Auf diese Frage hat Waves ebenfalls eine Antwort. Der Spielkamerad der Stagebox ist der Waves eMotion LV-1 Softwaremixer.

SoundGrid

LV-1, SoundGrid, Waves? Wer sich mit dieser Materie noch nicht befasst hat, der erhält an dieser Stelle den Bondeo „SoundGrid Quick Start Guide“. Wer bereits im Thema ist, kann direkt zum nächsten Abschnitt übergehen.

Zur Sache: SoundGrid ist ein von Waves entwickeltes proprietäres Datenprotokoll. Diese „Audio über Ethernet Technologie“ erlaubt es, bis zu 128 Kanäle mit sehr niedriger Latenz (bis 0,8 ms) innerhalb des SoundGrid-Netzwerks zu verarbeiten. Dabei lassen sich die einzelnen Signale mit Waves Plug-ins versehen und auf Wunsch auch direkt mit Plug-in-Processing aufnehmen. Die Audiosignale lassen sich frei zwischen SoundGrid-fähigen Gerätschaften routen, solang sie sich im selben Netzwerk befinden.

Signale werden mit CAT5e-Kabeln über ein 1-Gigabyte-Netzwerk gesendet und via Netzwerk-Switch verteilt. Das SoundGrid-Protokoll benötigt allerdings spezielle Hard- und Software. Jedes SoundGrid-Netzwerk benötigt einen Computer, auf dem die Host-Application (in unserem Fall der Waves LV-1) läuft.

Auf dem Host-Rechner sind die Waves-Plug-ins und der SoundGrid-Treiber installiert. Einsetzen lassen sich die Plug-ins in Kombination mit unterschiedlicher SoundGrid-Software. Davon bietet Waves gleich eine ganze Reihe. Unter anderem besagten Emotion LV-1 Softwaremixer, der das Livemischen mit Waves Plug-Ins erlaubt.

Um SoundGrid im Studio oder Live einsetzen zu können, benötigt man allerdings noch weitere Hardware. Die niedrige Latenz und die hohe Anzahl an gleichzeitig verwendbaren Plug-ins wird dadurch erreicht, dass sie nicht auf dem Leitrechner, sondern auf einem Waves-Hardware-Server berechnet werden. Waves-Server sind Computer mit einem angepassten Linux, die via CAT5e-Kabel ins SoundGrid-Netzwerk integriert werden.

Die Server dienen ausschließlich zur Berechnung der Plug-ins. Es gibt sie in unterschiedlichen Leistungs- und Preisklassen. Der günstigste Server ist das Impact-Modell, das Flaggschiff nennt sich „Extreme Server“. Last but not least benötigen wir natürlich noch SoundGrid-kompatible Audio-Hardware, die im Studio oder auf der Live-Baustelle die notwendigen Ein- und Ausgänge zur Verfügungen stellt. So wie unseren Testkandidaten, die SoundStudio STG-2412 Stagebox.

Auspacken

Schicker Karton, schwere Hardware: Die Design-Abteilung hat schon mal alles richtig gemacht. Das massive 19-Zoll-Gehäuse im 4-HE-Format sieht klasse aus und wirkt überaus wertig. Dazu kommt ein stattliches Gewicht von fast 9 kg, das sich aber bestens handhaben lässt, da man der Stagebox zwei fette Metallgriffe spendiert hat. Damit lässt sich der Kandidat einfach in ein passendes Rack verfrachten.

Was ist im Lieferumfang?

Neben der Stagebox befinden sich noch Ausweispapiere (Sicherheitshinweise, Seriennummer), zwei Kaltgerätekabel und ein Netzwerkkabel im Karton. Der Netzanschluss ist wie üblich auf der Geräterückseite platziert, dort finden wir auch den Einschaltknopf. Ansonsten gibt sich die Rückseite ungefähr so spektakulär wie ein Besuch im Straßenverkehrsamt. Lediglich das Lüftungsgitter mit dem dahinterliegenden Doppellüfter verspricht etwas frischen Wind. Schauen wir uns auf der Vorderseite um.

SoundStudio STG-2412 Stagebox Vorderseite

Hier ist die Action. Alle Ein- und Ausgänge sind hier untergebracht und davon gibt es gleich eine ganze Reihe. Den meisten Platz nehmen die 24 Mic/Line-Inputs im Combobuchsen-Format ein. Die Anschlussarmaturen stammen aus dem Hause Neutrik. Jede Combobuchse wird von einer Clip-LED und einer +48 Volt LED begleitet. Rechts neben den Eingängen notiere ich 12 XLR-Line-Ausgänge. Hier dockt man seine Aktivmonitore, die PA oder In-Ear-Strecken an.

Neben diesen analogen Ein- und Ausgängen spendierte man der Stagebox noch einen AES/EBU-Ein- und Ausgang. Somit kann die Übergabe des Summensignals an den PA-Controller oder Systemamp auch digital erfolgen. Doch es gibt noch mehr: eine MIDI-Schnittstelle, die in diesem Stageboxen-Universum Seltenheitswert besitzt. Links daneben residiert eine SoundGrid EtherCon-Buchse für die Verbindung mit dem LV-1 Hostrechner.

Wer seine Stagebox alternativ „clocken“ möchte, der kann das über die verbauten Wordclock-BNC-Armaturen bewerkstelligen. Es folgt der Kopfhörerverstärker. Dieser lässt sich mit jedem erdenklichen Signal aus dem LV-1 beschicken, sei es der Summenmix, ein Cue-Mix oder ein Monitormix für einen Musiker. Nicht schlecht!

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