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Test
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04.03.2016

Soundcraft Ui16 Test

Digitalmischpult

Mixer to go!

Wir leben in glorreichen Zeiten: Virtuelle Mixer erlauben es uns, großformatige Konsolen zu Hause zu lassen und stattdessen mit einer digitalen Stagebox und einem Remote-Device (Tablet, Notebook) zum Job zu fahren. Logisch, dass in diesem Marktsegment viel Bewegung ist. Mit der verblüffend günstigen Ui-Serie will sich die Firma Soundcraft einen Teil vom Kuchen abschneiden. Die Bonedo-Testküche hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ein Ui16 auf dessen Nährwert überprüft - mit folgendem Ergebnis ...

Details

Ein erster Blick in den Karton fördert einiges zutage. Neben dem Mischer notieren wir einen Quickstart-Guide, ein externes Netzteil mit verschraubbaren Stecker und eine Download-Lizenz für die Recording Software Ableton Live 9 Lite. Der Kandidat macht einen robusten Eindruck, das Metallgehäuse ist solide verarbeitet. Es lässt sich wahlweise auf die Bühne stellen oder in einem 19-Zoll-Rack unterbringen, wo es vier Höheneinheiten beansprucht. Die Oberfläche beherbergt die wichtigsten Ein- und Ausgänge. Eingänge 1 - 8 sind als Combobuchsen ausgeführt. Sie akzeptieren Mikrofon- und Line-Pegel, wobei Kanal 1 und 2 zudem Hi-Z-Pegel vertragen. Eingänge 9 - 12 sind reine Mikrofoneingänge. Für den Anschluss eines Zuspielers bietet sich ein Cinch-Pärchen an, das neben den beiden USB-Slots platziert ist. Das Ui16 kann über einen dieser Port die Stereosumme aufzeichnen und über den anderen den eingebauten Mediaplayer mit Audiofiles versorgen. Coole Sache! Ausgangsseitig wollen sich vier XLR-Ausgänge mit Monitoren oder In-Ear-Systemen verbinden, wobei diese durch den AFS-Feedback-Unterdrücker aus dem Hause dbx Unterstützung finden.

Wem vier Ausgänge zu wenig sind, kann die beiden Kopfhörerausgänge zu weiteren Aux-Ausgängen transformieren. Das Summensignal wird über zwei XLR- und zwei zusätzliche Klinkenausgänge ausgespielt und verfügt über zwei analoge Volume-Potis. Gute Sache, falls man schnell die PA muten oder die Gain-Struktur anpassen muss. Neben den Master-Potis ist ein Volume-Poti für die Kopfhörerausgänge platziert. Alle Potis und die abnehmbare WLAN-Antenne sind versenkt angebracht, dennoch ragt die Antenne einen Zentimeter hervor. Damit ist sie auf der Bühne oder beim Transport ohne Case ein potentielles Unfallopfer.

Gut geschützt sind dagegen der Anschluss für das externe Netzteil und der Netzschalter auf der rechten sowie die Bedienelemente auf der linken Gehäuseseite. Dort befinden sich ein Reset-Taster, zwei USB-Ports und ein HDMI-Ausgang sowie eine Netzwerkbuchse. Die Idee dahinter: Hier sollen eine Tastatur, Maus und ein Computermonitor Anschluss finden, um das Ui16 ohne Remote zu bedienen. Leider wird diese Funktion erst in einer der kommenden Firmware-Versionen implementiert. 

Quickstart

Als erstes wollte der Autor wissen, wie man ein Remote-Device mit dem Mixer verbindet. Der Quickstart-Guide kennt die Antwort: Anstatt für verschiedene Plattformen Programme und Apps zu nutzen, läuft die Steuerung der Ui-Serie über den Webbrowser. Somit lassen sich die Mixer vom  Betriebssystem und Gerät unabhängig fernsteuern, Hauptsache ein Webbrowser ist vorhanden. Ein weiterer Vorteil: Die Bedienung ist immer identisch, egal ob man Linux, Windows oder OSX einsetzt. Soundcraft stellt bei der Einwahl in das System zwei unterschiedliche Auflösungen für Smartphones sowie für größere Tablets und Desktop-Rechner zur Auswahl.

Die Verbindung wird wahlweise über den eingebauten WLAN-Router (leider nur mit 2,4 GHz) oder über die RJ45-Netzwerkbuchse hergestellt. Wer beide Möglichkeiten parallel nutzen möchte, muss einen externen Router verwenden. Die Ui-Serie erlaubt den Zugriff von maximal zehn Bediengeräten, so können beispielsweise die Musiker unabhängig vom FOH-Mann ihren Monitormix selbst erstellen. Der Autor hat die Fernsteuerung mit diversen Geräten ausprobiert, unter anderem mit einem Windows-Laptop, einem MacBook Pro, einem iPhone 6, einem iPad2 und einem sehr einfachen Android 7“ Tablet für schlappe 55 Euro. Immer gelang der Zugriff schnell und unkompliziert.

Software

Die Bedienoberfläche der Remote-Software ist wirklich gelungen. Schön, dass das bereits von anderen Soundcraft-Mixern bekannte „Fader Glow‟ umgesetzt wurde. Es ermöglicht durch spezielle Farbgebung eine rasche Zuordnung der Funktionen: Effekt-Returns sind blau hinterlegt, die vier Gruppen-Fader dagegen violett und Aux-Master sind gelb eingefärbt.

Alle Ein- und Ausgangskanäle sind auf einer Ebene angeordnet und lassen sich durch einfaches Wischen (links/rechts) erreichen. Nur für die Aux- und FX-Sends gibt es zusätzliche Layer, die sich in der Kopfzeile mit einem Tap aufrufen lassen. Gleiches gilt für die Gain-Einstellung der Kanäle 1 - 12.

Jeder Eingangskanal besitzt einen vollparametrischen Vierband-EQ plus durchstimmbaren Low-Cut (bis 1 kHz). Darüber hinaus spendierte Soundcraft pro Kanal einen Real Time Analyser im EQ-Fenster und den Kanälen 1 - 12 einen De-Esser. Donnerwetter!

Licht und Schatten dagegen in der Dynamics-Abteilung, die sich in jedem Ein- und Ausgang befindet. Während der Kompressor mit den üblichen Parametern wie Ratio, Attack, Release, Threshold und Gain ausgestattet ist und zudem auf die Hard- und Softknee-Schaltung von dbx zurückgreifen kann, besteht das Noise Gate nur aus einem Threshold-Fader und wird ansonsten automatisch gesteuert. Immerhin ist die Ansprechzeit so schnell, dass es zum Gaten von Drums funktioniert.

Erfreuliches gibt es aus der FX-Abteilung zu vermelden. Das Ui16 besitzt vier Effekteinheiten (2 x Reverb, 1 x Modulation/Chorus, 1 x Delay), die Algorithmen stammen von Lexicon und können editiert und gespeichert werden. Praktisch ist, dass sich alle Effekte über einen virtuellen Mute-Button oder via Fußschalter stumm schalten lassen. In den Kanälen 1 und 2 hat Soundcraft sogar eine Gitarrenverstärker-Simulation von Digitech verstaut.

Auch in den Ausgangskanälen lässt sich Soundcraft nicht lumpen und implementiert ein Trio aus 31-Band-GEQ, Noise Gate und Kompressor. Außerdem lässt sich in den Aux-Mastern der bekannte dbx AFS Feedback-Unterdrücker aktivieren, der das Aufspüren und Filtern koppelfreudiger Frequenzen übernimmt. Ebenfalls ungewöhnlich für diese Preisklasse sind die sechs Mute- und vier Subgruppen.

Über sogenannte View-Gruppen lassen sich Custom-Layer erstellen: Der Anwender kann beliebige Ein- und Ausgangskanäle einer der sechs verfügbaren View-Gruppen zuordnen. In dieser Ansicht werden alle nicht zugeordneten Kanäle ausgeblendet, was die Navigation deutlich vereinfacht und die Bedienung beschleunigt.

Erstaunlich, was sich alles in der kleinen Kiste unterbringen lässt. Da verwundert es kaum, dass selbst ein Mediaplayer im Ui16 beheimatet ist. Playbacks während des Gigs abfeuern oder bei der nächsten Gartenparty eine lustige Karaoke-Session abfeiern? Klar, das geht, und zwar mit Wave- und MP3-Dateien.

Übrigens: Alle Einstellungen lassen sich im Gerät oder auf einem USB-Stick speichern, selbst die Einstellungen der Mikrofonvorverstärker dürfen wir sichern, was in dieser Klasse nicht Standard ist. Somit bietet das Pult Total Recall.

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