Test
8
23.08.2016

Praxis

Strom von unten

Vor dem ersten Check benötigt das Pult Strom, und da hat sich Soundcraft etwas Pfiffiges einfallen lassen. Das Signature 12 besitzt ein internes Netzteil, das über ein Kaltgerätekabel mit dem Stromnetz verbunden wird. Dieses Kabel wird nun nicht auf der Rück-, sondern an der Unterseite des Pults angesteckt und zeigt gewissermaßen in Richtung Anwender. Es wird an der Seite herausgeführt, sodass ein versehentliches Herausreißen der Stromversorgung nahezu unmöglich ist. Schaut einfach in die Bilderstrecke, dann versteht ihr sofort, wie's funktioniert. Es liegt übrigens nicht an euren Augen: Das Signature 12 MTK besitzt tatsächlich keinen Netzschalter. Das kann man so machen, dann schaltet wenigstens niemand das Pult versehentlich aus.

Hängt das Soundcraft am Netz, leuchten dezent grün die Power-LED und weniger dezent blau die beiden Effektkategorien. Blind wird man davon aber nicht, das ist bei anderen Pulten schlimmer. Beim ersten Gucken und Drehen fällt mir auf, dass die Beschriftung der Bedienelemente teils sehr klein ausgefallen und nur dann lesbar ist, wenn man direkt von oben schaut. Aber sei's drum. Hat man sich ein wenig mit dem Gerät beschäftigt, braucht eh keiner mehr die Beschriftung. Etwas Licht kann dennoch nicht schaden, weshalb noch kurz die bisher vergessene USB-Power-Buchse erwähnt sei.

Der Geist im Mixer

Ghost nennt Soundcraft seine (Mikrofon-)Preamps. Gerühmt wird deren Rauscharmut und hohe Verstärkerleistung. Maximal 60 dB Verstärkung gibt der Hersteller an sowie ein Rauschen (EIN) bei maximaler Verstärkung von -124 dBu. Das liest sich nicht nur gut, das klingt auch so. Selbst schwachbrüstige dynamische Mikrofone oder eine wahrlich nicht mit hohem Output gesegnete Stratocaster verstärkt das Signature 12 ohne nennenswertes Rauschen.

Auch für den EQ hat Soundcraft einen blumigen Namen gefunden: Sapphire. Bei prinzipiell üblicher Basisparametrisierung (bitte in den technischen Daten nachlesen) arbeiten diese Filter „asymmetrisch‟. Ihr Verhalten ist abhängig davon, ob Frequenzen abgesenkt oder angehoben werden. Bei den Mitten ändert sich zum Beispiel der Q-Faktor; werden sie verstärkt, ist der Q-Faktor kleiner, es gibt also einen größeren Bauch. Senkt man die Mitten, erhöht sich der Q-Faktor, es entsteht ein „spitzes Tal‟. Bei Höhen und Bässen führt ein Abschwächen zu einer zunächst vorsichtigen Anhebung der Eckfrequenz, ein Anheben senkt hingegen die Eckfrequenz. Einen vergleichbaren Effekt erzielt ein Hoch- bzw. Lowpass-Filter mit höherem Q-Wert. So eine Einstellung fördert das musikalisches Arbeiten; es fühlt sich so an, als wüsste der EQ genau, was man will.

Schöne Effekte

Der Effektprozessor im Signature 12 stammt von Lexicon und überrascht mit in dieser Preisklasse bemerkenswerter Qualität. Die Hallfahnen klingen sauber aus, nichts tönt blechern oder scheppert. Da jeder der 22 Algorithmen mit zwei Parametern angepasst werden darf, ist der DSP außerordentlich flexibel. Dass sich Settings nicht speichern lassen, muss man angesichts der Preisgestaltung in Kauf nehmen.

Sehr gut hat Soundcraft das Effektrouting im FX-Return gelöst: Der Return darf separat auf Subgruppe und Master gelenkt werden, außerdem auf die Master-Aux-Sends. So ist es zum Beispiel möglich, den Hall ganz aus dem Master und den Bussen zu nehmen und ihn nur auf einen Monitorweg zu geben. Die Extraportion Gnadenhall für den Sänger sozusagen. Den Haupthall übernimmt dann vielleicht ein externer Prozessor.

Ganz kühne Zeitgenossen können auch eine rustikale Delay-Line zusammenschustern. Dazu schließen sie die hinteren Lautsprecher an die Group-Outs an und füttern diesen ausschließlich mit dem DSP-Signal, der jetzt ein Slap-Delay bereitstellt. Angesichts fehlender Möglichkeiten, Delay-Zeiten millisekundengenau einzugeben, ist das natürlich eher scherzhaft gemeint. Es zeigt aber, wie flexibel sich der DSP nutzen lässt.

Multitrack-USB

Viel Spaß bereitet das im MTK integrierte USB-Interface. Es arbeitet mit maximal 24 Bit bei 48 kHz Samplefrequenz und funktioniert dank Class Compliance ohne Treiberinstallation unter Windows, OSX und Linux. Die Signale werden, ich erwähnte es schon, direkt hinter dem Gain-Regler für die Aufnahme abgegriffen bzw. für die Wiedergabe eingespeist. Man nimmt also ohne EQ auf, kann aber für die Wiedergabe den EQ und auch die Aux-Wege nutzen. Soll bereits bei der Aufnahme der EQ zum Einsatz kommen, hilft nur der Weg über den Master-Out (USB-Out 13/14).

Diese Schaltung mag verwundern, hat aber praktische Vorteile. Sie erlaubt nämlich den eher von Digitalkonsolen bekannten virtuellen Soundcheck. Dazu nimmt man zunächst die Band in einer typischen Soundcheck-Situation auf. Beim nächsten Soundcheck wird diese Aufnahme abgespielt, noch bevor die Band auf die Bühne kommt. Jetzt kann man in Ruhe die EQs den räumlichen Gegebenheiten anpassen, die Effekte setzen und die Pegel abstimmen. Wenn die Band auf die Bühne kommt, ist nur noch Finetuning nötig. Praktisch!

Ebenfalls pfiffig ist, dass man das Eingangssignal eines Kanals über USB herausführen und – bei gedrückter USB-Return-Taste – sofort über denselben Weg ins Pult zurückleiten kann. Hängt nun etwa eine DAW zwischen beiden Punkten, lassen sich individuell Plug-ins in jeden der neun Kanalzüge einbinden! So könnt ihr beispielsweise mit relativ wenig Aufwand jeden Channelstrip mit einem Kompressor versehen. So relativieren sich die nicht vorhandenen analogen Insert-Punkte. Falls man vor dem Einsatz eines Notebooks nicht zurückschreckt, eine tolle Sache.

Auch im Studio ist das Signature 12 ein angenehmer Partner. Auf meinem MacBook Pro läuft es ohne Murren mit einer Puffergröße von 64 Samples und überrascht dabei mit einer niedrigen Roundtrip-Latenz von knapp über 6 Millisekunden. Daher spiele ich ein kleines, achtspuriges Arrangement ein und simuliere anschließend den virtuellen Soundcheck im heimischen Studio. Da gerade Genelec 8350 plus Subwoofer testbereit aufgebaut sind, kommt mit 350 Watt pro Seite sogar etwas Clubatmosphäre auf.  

Klangbeispiele

Dieses Bandarrangement ist das erste Soundbeispiel. Den Bass (Yamaha TRBX 504, passiv geschaltet) und beide E-Gitarren (Fender American Stratocaster, Cort CR-250) habe ich live in Cubase eingespielt und dabei natürlich das USB-Interface des Soundcraft benutzt. Der Bass geht direkt in den Hi-Z-Input, die Gitarren bekommen etwas „Fett‟ von einem Mooer „The Juicer‟. Die Drums stammen aus Native Instruments „Abbey Road Drummer 60‟-Library, das E-Piano aus der tollen Suitcase-Library von e-Instruments. Die Moog-Line im zweiten Teil steuert ein Arturia Mini bei. Beim Downmix benutze ich ausschließlich die Pult-EQs, als Effekt kommt das Room-Preset zum Einsatz.

Um die Qualität der Preamps zu demonstrieren, spreche ich ein paar warme Worte in ein Rode NT1-A. Bei der Wiedergabe bewege ich nach etwa 40 Sekunden den EQ. Es werden Mitten angehoben und abgesenkt, allerdings nie mehr als +/-3 dB. Auch an den Bässen kurbele ich vorsichtig. Hört's euch einfach mal an.

Sobald ich den Effektprozessor erwähne, wird der Algorithmus Hall&Delay aktiv, etwas später schalte ich auf Room. Wie ihr hört (bzw. nicht hört), geht der Programmwechsel ohne Knackser über die Bühne.

Zu guter Letzt noch etwas Steelstring. Meine Yamaha AC1M nehme ich dazu mit zwei Rode M5 ab. Zunächst hört ihr die Aufnahme trocken. Bei der ersten Wiederholung bekommt die Gitarre etwas Bass-EQ und der untere Mittenbereich ist bereinigt. Im dritten Durchgang darf dann der DSP mit dem Algorithmus Hall&Chorus zeigen, was er kann.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare