Test
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18.06.2009

Ein Leisetreter ist das Sigma bestimmt nicht: Im wuchtigen Koffer mit Zahlenschloss kommt es daher, eingebettet in schwarzen Samt wie ein diamantbesetztes Diadem. Das Sigma macht unmissverständlich klar, dass es Zeichen setzen will. Auch die Produktbezeichnung lässt aufhorchen: Der griechische Buchstabe Sigma (sieht aus wie ein um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedrehtes großes “M”) wird in der Tontechnik für “Summe” verwendet. Offensichtlichen Freunden des Wortspiels (“Son” und “…tronics”) traue ich auch eine gewisse Bedeutungsschwangerschaft zu. Doch verlassen wir den schmalen Pfad der Mutmaßungen und biegen auf die Hauptverkehrsstraße der technischen Grundlagen ab.

Arbeitsweise eines Bändchen-Mikrofons
Ein üblicherweise rechteckiges, gefaltetes Aluminiumbändchen wird durch Luftdruckveränderungen in Schwingung versetzt. Dazu muss es idealerweise sehr dünn sein - das des Sigma misst ganze zwei Mikrometer. Durch seine Schwingung verändert es ein durch einen Magneten aufgebautes Feld, ist daher also ein dynamisches Mikrofon. Diese Bauform ermöglicht weder die Verwendung von geschlossenen Kapseln zur Nutzung des Druckempfängerprinzips (Richtcharakteristik: Kugel) noch das Ansetzen eines Laufzeitgliedes, damit der Schall einen “Umweg” zur Rückseite der Membran laufen muss (dadurch mögliche resultierende Charakteristika: Niere, Superniere, etc.). Wir haben es also auch beim Sigma mit der für Druckgradienten-Empfänger üblichen Grundcharakteristik “Acht” zu tun, welche den Schallwandler von seiner Rückseite genauso empfindlich macht wie von seiner Vorderseite. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn die Off-Axis liegt dadurch genau seitlich, die Richtempfindlichkeit ist fast frequenzunabhängig und Achten werden für bestimmte Stereo-Mikrofonierungstechniken zwingend benötigt.

Bändchen-Mikrofone (engl. “Ribbon Mike”) haben einige Eigenschaften, die auf alle derartigen Mikrofone zutreffen: Sie liefern wenig Output, die notwendige starke Hochverstärkung und Impedanzwandlung sorgt für einen im Vergleich zu Kondensatormikrofonen höheren Rauschteppich. Neben verhältnismäßig schwachen Höhen muss man noch in Kauf nehmen, dass diese Bauform mechanisch sehr empfindlich ist. Selbst auf Luftstöße reagiert ein Ribbon-Mike allergisch!

Übrigens: Die Mikrofon-Grundlagen kann euch ein Artikel meines Kollegen Guido Metzen schonend beibringen: www.bonedo.de/index.php

Das Sontronics bezirzt seinen Betrachter mit eleganter Optik in Schwarz und Silber. Das Gehäuse besteht aus zwei Backen links und rechts, umlaufend ist ein Lochblech angebracht, durch das das rechteckige Bändchen zu erkennen ist. Das an DDR-Design erinnernde Sontronics-Logo prangt mitsamt eines eingekreisten Sigmas und der großen Seriennummer auf einem Schild über dem Mikrofonverstärker. Auf der Rückseite findet man ein ähnliches Schild, das die Information über die Richtcharakteristik und die Notwendigkeit einer anliegenden 48V-Phantomspannung beinhaltet. Bedienelemente hat das Sigma keine, demnach verfügt das Mikrofon weder über Hochpassfilter noch über ein Pad.
Die "Spinne", die zum Lieferumfang des Bändchenmikrofons gehört, sieht nicht unbedingt so aus, als könne sie manche Menschen zu panischem Kreischen veranlassen. Die elastische Aufhängung hat ein erfreulich "anderes" Design. Insgesamt macht das tontechnische Gerät einen solide verarbeiteten Eindruck, allerdings erkennt man, wenn man es genau frontal auf Achse betrachtet: Die Membran ist leicht aus der Mitte versetzt. Das ist natürlich kein technischer oder akustischer Makel, aber zumindest ein optischer. Die offizielle Bonedo-Vitrineneignungsprüfung hat das Sigma also knapp bestanden, doch was wirklich interessiert, ist schließlich der Sound. Also schnell an der Zeigefinger-Kuppe geleckt und umgeblättert!

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