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Test
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28.03.2015

Sonor Vintage Series Three 22 Shell Set Test

Kesselsatz ohne Hardware

Aus neu mach alt

In diesem bonedo Test beschäftigen wir uns gespannt und gebannt mit einem Sonor Shell Set aus der neuen „Vintage Series“, das aus drei naturbelassenen Buchenholzkesseln mit den Maßen 22“x14“, 13“x8“ und 16“x14“ besteht und den nachvollziehbaren Namen Three 22 trägt. Der aufgeweckte Trommelfreund errät natürlich sofort, dass man nun auch beim deutschen Traditionshersteller die alten Baupläne aus den hintersten Schubladen gezogen hat, um der Frage auf den Grund zu gehen, warum die eigenen Teardrop Sets, genau wie viele andere Schlagzeuge aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, immer noch so beliebt sind und ob man diese nicht mit den heutigen Produktionsmethoden noch viel besser hinbekommen kann.

Was aber genau sorgt für die stetig steigende Faszination des mittlerweile stark in Mode gekommenen Begriffes „Vintage“, insbesondere für Freunde des gepflegten Musizierens? Allein mit der einfachen „Früher war alles besser“ Formel kann es wohl nicht ausreichend erklärt werden. Vielmehr handelt es sich um eine Mischung aus klanglichen Vorlieben, nostalgischer Schwärmerei und ästhetischem Empfinden. Wer ein ausgeprägtes Faible für alte Instrumente hat, der liebt auch den Gedanken an die mögliche Geschichte dahinter und kann so viel leichter eine emotionale Beziehung dazu herstellen, was einem normalen Gebrauchsgegenstand üblicherweise verwehrt bleibt. Wenn dann noch eine funkelnde Glitzer- oder Perlmutt-Optik die Sinne vernebelt, gerät der Sound schon fast zur Nebensache. Doch gerade den guten alten Wohlfühl-Sound will die Sonor Vintage Series zurück ins Neuheitenregal zaubern.

Details

Runde Gratungen und deutsche Buchenkessel - zurück in die Vergangenheit

Die Konstruktion der in Deutschland gefertigten Vintage Series orientiert sich an den Sonor Teardrop Sets der 60er Jahre. Alle drei Kessel bestehen aus neun Lagen handselektierter deutscher Buche, die es mit modernster Technik kreuzverleimt auf eine Stärke von sechs Millimetern bringen und – im Unterschied zur ersten Generationen der alten Teardrops – ohne Verstärkungsringe auskommen. Die Oberfläche der vorliegenden Trommeln ist naturbelassen und seidenmatt lackiert und zeigt sehr schön die gestreifte Maserung des rotbraunen Holzes. Sämtliche Gratungen sind sorgfältig abgerundet, was bis in die 70er Jahre hinein der Standard bei Sonor war, seitdem aber der 45 Grad Gratung gewichen ist.

Größen von gestern mit technischen Features von heute - die Bass Drum

Die 22“x14“ Bass Drum ist mit Holzspannreifen ausgestattet, die von jeweils acht Klauen gehalten werden. Sowohl diese Klauen als auch die Flügelschrauben und die Teardrop Böckchen sind makellos verchromt und verweisen im Design auf die gute alte Zeit. Die hier verwendeten, sehr stabilen Beine und Füße hätte man damals in dieser Art nicht vorgefunden. Ihre Rundung erlaubt das Einklappen an den Kessel, und kleine Memory Klemmen erleichtern das Wiederfinden der perfekten Position. Die großen, runden Plastikfüße sorgen für ausreichend Halt auf glatten Flächen und beherbergen stabile, spitze Dorne, die bei Bedarf durch Drehen der auf einem Gewinde sitzenden Kunststoffteile freigegeben werden, um sich dann gnadenlos in weichere Untergründe bohren zu können. Eine geriffelte Konterschraube fixiert die Stellung. Sowohl die Bass Drum- als auch die Stand Tom-Beine werden durch klassische Klemmböckchen mit Flügelschrauben am Kessel befestigt. Eine Tomhalterung auf der Basstrommel ist nicht vorhanden, wird aber wahrscheinlich von der angepeilten Zielgruppe keinesfalls vermisst. Bleibt zu erwähnen, dass für eine spannreifenschonende Befestigung der Fußmaschine eine Filzunterlage auf den Rim geklebt wurde und die unteren beiden Flügelschrauben auf der Schlagfellseite durch Vierkantschrauben ersetzt wurden. Angeschlagen wird ein Remo Powerstroke 3 Black Dot Fell, während das alte Sonor Schriftlogo auf einem Powerstroke 3 Fiberskyn Resonanzfell prangt.

Superprofil Spannreifen und modernisierte Teardrop Lugs

Die 13“x8“ und 16“x14“ Toms sind mit einer Neuauflage der alten Superprofil Spannreifen ausgestattet. Dabei handelt es sich um dreifach geflanschte, 2,3 Millimeter starke Stahlreifen, deren Oberkante weich abgerundet ist. Als schickes optisches Bonbon haben sie ihren Namen als Gravur erhalten. Während beim 16er Stand Tom jeweils acht geradlinig angeordnete Teardrop Böckchen zur Befestigung bereitstehen, sind die insgesamt zwölf Lugs beim 13er Tom aufgrund ihrer Länge leicht versetzt angebracht. Diese Böckchen sehen zwar aus wie die Originale, unterscheiden sich aber dadurch, dass sie mit der patentierten Stimmsicherung TuneSafe ausgestattet sind, sozusagen als alte Hülle mit neuem Kern. Wer das Rack Tom nicht auf ein Snarestativ mounten will, kann stattdessen das montierte Klemmböckchen und den mitgelieferten Vierkantwinkelarm nutzen, natürlich nur, wenn er über einen passenden Tomhalter verfügt. Die sehr stabilen Beine des Stand Toms sind im unteren Drittel leicht abgewinkelt und mit einer geriffelten Fläche versehen, die sowohl einen tiefen als auch hohen Aufbau sicher gewährleistet. Füße und Befestigung gleichen den an der Bass Drum verwendeten, allerdings ohne die Dornoption. Beide Toms sind in angemessener Weise mit Remo Ambassador Fellen ausgestattet, aufgeraut auf der zu bespielenden Seite und klar unten. Alle Hardware-Teile sind von passgenauen Kunstoffteilen unterlegt. Der letzte optische Schliff ergibt sich aus dem verchromten 50er Jahre Logo Badge, das zusammen mit einem schmalen „Vintage Series“ Schild auf jeder Trommel zu finden ist sowie dem genieteten, runden Badge, welches das Entweichen der Luft möglich macht und zudem folgende Information beinhaltet: „Made in Germany since 1875“. In diesem Sinne und mit dem angebrachten Respekt wollen wir jetzt aber erkunden, ob dieses hervorragend verarbeitete Set tatsächlich den gewünschten Klang liefert, nämlich den, den man „Vintage“ nennt.

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