Gitarre
Test
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14.06.2021

Praxis

Alter

Der SSL UltraViolet Equalizer beansprucht zwei Steckplätze in der Lunchbox und je nachdem, wie dicht die Lunchbox besiedelt ist, kann die Installation etwas fummelig werden, bis beide Anschlussleisten ihr Gegenstück gefunden haben. Nach der Installation lade ich zum Kennenlernen erstmal eine alte Mix-Sessions ins Pro Tools, schleife den UltraViolet EQ in den Summenbus ein und probiere einfach mal rum. Die sofortige Erkenntnis: Alter, macht das Spaß! Sorry für den Straßenslang, aber ich ertappe mich mal wieder dabei, wieviel Freude es bereitet, mit geschlossenen Augen an analogen Outboard zu schrauben. Für mich ist das ein soviel intuitiveres und irgendwie auch einfacheres Arbeiten als das Pixel-Schubsen auf dem Bildschirm mit der Maus!

Wie klingt der SSL UV EQ?

Für die Audiobeispiele greife ich auf den Song „Everything We Wanted“ des Würzburger Singer/Songwriters Markus Rill zurück. Das Album, auf dem dieser Titel erscheinen wird, ist gerade noch in Arbeit, der verwendete Ausschnitt stammt aus einem Rough-Mix, der während des Produktionsprozesses zum Anhören für die Musiker erstellt wurde. Dennoch haben mir Markus Rill und Mix-Engineer Achim Sauer vom 7V-Studio in Bockenem freundlicherweise erlaubt, den Rough-Mix für diesen Test zu benutzen. Danke hierfür!

Maximale Verwurstelung

Zu Beginn gebe ich gleich mal Gas: Was genau passiert, wenn ich mit dem LF- und HF-Band maximal booste? Nix Schlimmes, wie das Audio-Beispiel zeigt (wo ich im LF- und HF-Band bei 30 Hz, bzw. 20 kHz die maximalen neun Dezibel reindrehe). Für das nächste Audio-Beispiel suche ich halbwegs vernünftige Werte und lande bei einem +3 dB Boost bei 50 Hz und 16 Hz, für den typischen Einsatz vom Low- und High-Shelving-Filter: „untenrum andicken, obenrum aufmachen“. Für Beispiel drei habe ich zusätzlich mit dem HMF-Band mit maximalem Q-Faktor (also sehr schmalbandig) bei ca. 1,1 kHz etwa 3 dB herausgezogen. In einem letzten Audio-BSP booste ich wieder sehr breitbanding im Grundtonbereich des Basses, bei ca. 280 Hz um die Basstöne etwas präsenter und den Sound etwas dicker zu machen.

Ein Bessermacher!

Den Audiobeispielen hört man es schon an: Der SSL UltraViolet-EQ geht eher dezent zur Sache, große Klangverbiegungen sind nicht sein Metier. Aber für die einfache und schnelle Polierarbeit ist der UV-EQ perfekt geeignet. Der SSL UltraViolet EQ macht es einem echt leicht: Mit den moderaten Gain-Werte und den flachen Filterkurven kriegt man eigentlich kein Signal kaputt gemischt. Egal, wohin man wie weit dreht, mit dem UVEQ klingt das Ergebnis sicherlich anders, oftmals besser, aber sehr selten schlechter als vorher. Hier sehe ich auch die größten Vorteile eines analogen EQs wie dem UltraViolet, wo man auch mal beherzt Höhen reindrehen kann, ohne dass man Angst haben muss, dass es grisselig oder harsch wird. Die Mittenbänder sind durch den Focus-Mode sehr flexibel einsetzbar und erlauben auch mal etwas präziseres bearbeiten enger Frequenzbereiche. Ganz allgemein erledige ich persönlich das chirurgische Herausfiltern einzelner Störfrequenzen lieber mit einem Plug-in, aber einen störenden Oberton auf der Snare während einer Schlagzeugaufnahme, kriegt man mit dem UV-EQ genausogut in den Griff.

Der SSL UV-EQ ist übrigens kein Equalizer, der schon beim Einschalten den Sound verändert, wie das zum Beispiel beim Pultec-EQ der Fall ist. Sind beim SSL UltraViolet EQ alle Gain-Regler in der Nullstellung eingerastet, hört man beim Aktivieren des EQs nahezu keinen Klangunterschied (ein klein bisschen verändert sich der Sound schon, aber das ist wirklich sehr gering).

Obwohl der UltraViolet EQ in meinen Augen vor allem im Summenbus glänzt, kann man ihn auch auf Einzelsignalen einsetzen. Derart verkabelt liegt halt immer ein Kanal brach, da der UltraViolet EQ ja ein reines Stereogerät ist. Es folgen drei Beispiele mit Vocals der Jazzsängerin Sylwia Bialas, einer Bassaufnahme und ein paar Takte Echtdrums.

Wer es genau wissen möchte: Das sind die Werte für die vorangegangenen Audio-Beispiele:

  • Vocals Beispiel 1: LF +3 dB @ 80 Hz; HF +7 dB @ 20 kHz; Low-Cut @ 80 Hz.
  • Vocals Beispiel 2: LF +3 dB @ 80 Hz; HF +6 dB @ 20 kHz: LMF -3 dB @ 800 Hz, Q-Poti in Nullstellung: HMF -2 dB @ 4,5 kHz, Q-Poti auf Linksanschlag, Focus aktiv; Low-Cut @ 80 Hz.
  • E-Bass: LF +3 dB @ 70 Hz; HF +4 dB @ 8 kHz; LMF +2 dB @ 100 Hz, niedriger Q-Faktor; HMF +4 dB @ 5 kHz, mittlerer Q-Wert, Focus aktiv; Low-Cut bei 40 Hz.
  • Drumloop: LF +3 dB bei 50 Hz: HF +4 dB bei 30 kHz; LMF -2 dB bei 300 Hz, hoher Q-Wert, Focus aktiv: HMF +2 dB bei 1,6 kHz, Q-Poti in Nullstellung.

Vorher, nachher und wo genau?

Der SSL UltraViolet-EQ verarbeitet Line-Signale, ob man den EQ schon während der Aufnahme hinter der Mikrofonvorstufe einschleift, oder im Mixprozess aus der DAW heraus beschickt, bleibt dem Anwender überlassen. In beiden Fällen macht sich der UV EQ nützlich: Während der Aufnahme kann man Stereo-Signale wie Synthesizer, E-Pianos oder digitale Amp-Modeler sehr schnell aufhübschen. Genauso gut lassen sich Stereo-Mikrofonierungen gewinnbringend bearbeiten, ich denke hier an Drum-Overheads oder Raummikrofone bei der Schlagzeugabnahme. Im Mixdown glänzt der SSL auf jeder Art von Stereosignal und natürlich auf allen Subgruppen und im Summenbus.

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