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Test
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27.12.2012

Solid State Logic 611EQ & 611DYN Test

API 500 Module EQ und Kompressor

SSL-Sound im API-Rack

Solid State Logic 611EQ & 611DYN im Test - Der britische Traditionshersteller großer Mischpult-Dickschiffe hat mit dem X-Rack-Format schon länger ein eigenes Modulsystem im Programm. Doch nun erscheinen zusätzlich zwei 500-Module: Auch SSL konnte sich wohl dem Sog von APIs Standard nicht länger entziehen.

SSLs Mischpulte der 4000-E-Serie gehören zu den größen Equipment-Klassikern der 80er-Jahre. Diese Konsolen halfen, den Sound einer Ära zu prägen, bis heute schwören Engineer-Größen überall auf der Welt auf die Qualitäten eines solchen Mischpultes. Diese Pulte zeichnen sich einerseits aus durch die ungemein flexiblen Routing-Möglichkeiten, was in der Prä-DAW-Ära auf keinen Fall unterschätzt werden konnte. Andererseits kann man den SSL-Konsolen dieser Ära durchaus einen ziemlich mittig-rockigen Charakter unterstellen. Sie klingen zwar weniger dick und sämig als ein diskretes Neve-Pult aus den frühen 70ern, aber sie färben und beeinflussen den Klang stärker als die aktuellen SSL-Geräte, die mit den zeitgemäßen „SuperAnalogue“-Schaltungen gefertigt werden.

Seit jeher begeisterten SSL-Konsolen mit umfangreichen Eingriffsmöglichkeiten. Die Baugruppen, die nun in Form zweier 500-Module auf den Markt kommen, waren einst Bestandteil eines jeden Mischpultkanalzugs. Und mit 4-Band-EQ und einer recht üppig ausgestatten Dynamikabteilung kann man nur sagen: Viel vermisst man hier nicht, da gibt es zahlreiche Outboard-Einheiten, die schmaler ausgestattet daherkommen. Wer sich nun also kernigen 80er-Jahre-SSL-Sound in seine Lunchbox holen möchte, der hat zwei Möglichkeiten: 611EQ oder 611DYN. Beide Module basieren auf dem klassischen SSL-611E-Kanalzug, sie kommen in offener Steckkarten-Form und verfügen über randvoll mit SMD-Bauteilen gespickte Platinen. Die 500-Module sind kleiner als SSLs hauseigenes X-Rack-Format, und sie verfügen nicht über die Total-Recall-Möglichkeit, die SSL mit den eigenen X-Rack-Frames anbietet.

Details 611EQ

Die vier aktiven RC-Bänder des E-Series-EQs teilen sich in zwei Gruppen auf: HF und LF sind semiparametrisch, können aber wahlweise im Peaking- oder Shelving-Modus arbeiten. Die beiden Peaking-Mittenbänder hingegen verfügen über jeweils ein eigenes Poti für die Filtergüte. Der EQ kann global aktiviert werden, zudem lässt sich die Charakteristik der Filter zwischen „Brown“ und „Black“ umschalten. Der Fachmann weiß: Das bezieht sich auf die beiden populärsten Varianten der drei Versionen dieses EQs, die über die Jahre angeboten wurden. Anhand der Farbe der Potikappen des Bass-Bandes konnten diese auch visuell unterschieden werden, daher die Bezeichnungen. Die „Brown“-Abstimmung entspricht dem ursprünglichen Filter-Design, das SSL in den ersten E-Series-Konsolen anbot. In diesem Modus arbeitet der EQ generell etwas weicher: Der maximale Q-Faktor in den Mittenbändern beträgt 2,5, die maximale Amplitude aller Bänder liegt bei ±15 dB. Die Shelving-Filter haben eine Flankensteilheit von 6 dB/Oktave und eine feste Güte von 0,8 im Bell-Modus. Die stufenlos durchstimmbaren Frequenzbereiche der einzelnen Bänder bleiben in beiden Betriebsvarianten jedoch die gleichen: LF 30-450 Hz, LMF 200 Hz – 2,5 kHz, HMF 600 Hz – 7 kHz sowie HF 1,5 kHz – 16 kHz.

Schaltet man den EQ nun in den „Black“-Modus, so wird das EQ-Layout aktiviert, das SSL Mitte der 80er-Jahre gemeinsam mit der Producer-Legende George Martin entwickelte. Der Black-EQ packt in allen Aspekten stärker zu. So erhöht sich die maximale Filteramplitude in allen Bändern auf satte ±18 dB, die Filter werden generell steiler. In den Mittenbändern beträgt der schmalste Q-Faktor nun 4, und in den beiden Außenbändern 1,3. In anderen Worten: Während der klassische Brown-EQ sich besser fürs „Sweetening“ eignet, sollte man für „chirurgisches“ Filtern eher zur Black-Variante greifen. Toll, dass SSL auch im 500-Modul beide Varianten anbietet.

Abgesehen von den im 500-Format prinzipbdedingt fehlenden Recall-Funktionen (diese erfordern die spezielle Ausstattung des X-Rack-Frames) und den wegen der kleineren Frontplatte eingesparten Status-LEDs an den Druckschaltern entspricht das 500-Modul somit exakt der X-Rack-Version dieses Equalizers.

Details 611DYN

Die Dynamikeinheit der E-Serie bietet für einen Mischpult-Kanalkompressor vergleichsweise viele Optionen. Genau dies war auch eines der revolutionären Merkmale dieser Konsolen, als SSL in den späten 70ern auf der Bildfläche erschien: Eine – zumal so vielseitige – Dynamikeinheit in jedem Kanalzug hatte es bis dato in dieser Form nicht gegeben. Schon mehr als 10 Jahre vor SSL hatten die EMI-TG-Mischpulte Limiter in jedem Channelstrip, doch erstens waren und sind diese Pulte echte Exoten, zweitens kann der TG-Limiter hinsichtlich der Vielseitigkeit mit dem SSL nicht ansatzweise mithalten.

Wie auch beim 611EQ lassen sich die Kompressor-Parameter mittels Potis stufenlos einstellen. Ratio reicht von 1:1 bis 1:∞, der Threshold kann zwischen +10 und -20 dB gesetzt werden. Der Release-Parameter überstreicht mit 0,1 bis 4 Sekunden einen ungewöhnlich weiten Bereich, für die Attack-Zeit bietet das Modul immerhin zwei unterschiedliche Presets: Mit entweder 3 oder 30 mS bleibt dieser Kompressor aber immer punchy, Ansprechzeiten im Mikrosekundenbereich sind nicht möglich. Dazu gesellen sich dann eben noch die Schalter für Hardknee/Softknee (von SSL, die anfangs sogar  VCAs dieses Herstellers einsetzten, in bester DBX-Tradition „Over Easy“ genannt) und für die lineare/logarithmische Release

.Neben der Kompressoreinheit bietet das Modul auch eine Gate/Expander-Sektion, die mit den Raten ∞:1 (Gate) sowie 2:1 (Expander) arbeitet. Mit dem Range-Poti lässt sich der maximale Hub von bis zu 40 dB einstellen. Der Release-Parameter entspricht dem der Kompressorsektion, die Ansprechschwelle kann zwischen -30 und +10 dB eingestellt werden. Eine automatische Hysteresefunktion sorgt im Gate-Betrieb dafür, dass das gefürchtete „Flattern“ weitestgehend vermieden wird: Je niedriger der Threshold-Parameter, desto gutmütiger reagiert das Gate, damit die Ausschwingvorgänge des Signals möglichst gut erhalten bleiben. Auch die Gate/Expander-Abteilung bietet zwei Attackwerte, welche mit 100 μS sowie 1,5 s deutlich schneller als beim Kompressor sind.

Die Aktivität jeder Sektion wird mit zwei LED-Ketten mit jeweils fünf Segmenten angezeigt. Das ist nicht üppig, angesichts des eingeschränkten Platzes auf einer Modul-Frontplatte aber zu verschmerzen. Als optische „Hausnummer“ funktioniert die Anzeige gut, für den Rest sind eh die Ohren da... Gegenüber dem X-Rack-Modul muss man bei der 500-Kasse wiederum auf die Status-LEDs verzichten. Auch der Link-Modus wurde eingespart.

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