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Test
10
23.07.2019

Praxis

Schnelles Sounddesign

Schon beim ersten optischen Eindruck wirkt Monoment sehr schlank, aufgeräumt und übersichtlich, das verspricht einen schnellen Workflow.  

Ein Sound besteht aus bis zu zwei Layern, Source A und B, in die jeweils eines von 122 Samples geladen werden kann. Die Samples sind in die Kategorien Analog Clean, Analog Dark, Analog Punchy, Analog Rich, Digital Clean, Digital Dark, Digital Noisy, Digital Punchy, Digital Rich, Organ, Processed und Sub aufgeteilt. Die zweite Quelle kann zudem über einen Regler in Cents oder über den Schalter in Oktaven detuned werden, für die Oktavierungs- und Chorus-Effekte zwischen den beiden Layern. Außerdem kann man über „Analog Dirt“, dem Sound für eine bessere Durchsetzungskraft, dem Mix verschiedene Geräusche beimischen und diese dann entweder direkt zum Output schicken oder mit durch den folgenden Filter schleifen.

Der Filter wird im GUI zentral über ein Display dargestellt. Resonance und Cut-off des Filters lassen sich im Display mittels des grünen Punktes „einzeichnen“, wie man das von modernen EQs her kennt. Oder man regelt die Werte über die Filtersektion am rechten Rand des GUIs. Schon hier zeigt sich das Bedienkonzept von Monoment: Der Filter-ADSR wurde durch einen einzigen Regler ersetzt. Ebenfalls im mittigen Display beheimatet ist die LFO-Sektion, die erst nach einem Klick auf den korrespondierenden Button sichtbar wird. Der LFO ist bei Monoment offensichtlich nicht so wichtig, deshalb ist er im Vergleich zu anderen Synths auch einigen Limitierungen unterworfen. Keytrack triggert zusätzlich, je nach gespielter Tonhöhe, ein unterschiedliches Ansprechverhalten des Filters.

Let’s change the sound

Der untere Teil des GUIs beherbergt einige klangbezogene Funktionen, die in zwei Tabs angeordnet sind: Tone und Effects.

Unter Tone findet sich die Source-Sektion. Der Source-Mix balanciert die Lautstärke der beiden Layer aus, mit korrespondierenden Pegelanzeigen. Verwendet man nur einen Layer, ist der Regler entweder ganz nach links oder rechts zu drehen. Ist Cross-Over aktiviert, werden die beiden Sources bei der eingestellten Frequenz getrennt. Das ist zum Beispiel interessant, wenn man Source A mit einem Sub-Basssound füttert und beim Sound in Source B hingegen auf dessen Tiefen verzichten möchte. 

Die Velocity lässt sich abschalten. Das ist echt praktisch und beschleunigt wiederum den Workflow, denn es erspart einem eine spätere Nachbearbeitung im MIDI-Editor. Das Pitch-Wheel eines angeschlossenen Keyboards funktioniert zwar, aber da es keine Einstellungen dazu im GUI gibt, sind die Legato- und die Glide-Funktion umso wichtiger. Wählt man Legato, wird der Glide nur dann ausgelöst, wenn zwei Noten legato gespielt werden. Setzt man die Noten dagegen ab, gibt es keinen Glide.

Monoment kommt ohne klassische ADSR-Funktion aus, dafür hat man sich bei Softube etwas anderes einfallen lassen. Man benötigt nämlich nur zwei Regler. Punch wirkt im Wesentlichen wie ein Envelope. Im negativen Bereich wird der Sound einfach verzögert, im positiven wird der Attack knackiger, ähnlich wie bei einem Transient-Shaper. Release steuert logischerweise das Ausschwingverhalten. In den meisten Fällen ist das völlig ausreichend. Der Bass eines Tracks lässt sich im Vergleich zur Kick somit schnell etwas verzögern oder  punchiger  machen.

Zum Schluss kommen wir noch zum Aging-Regler. Dieser fügt laut der Erklärung unterhalb des Reglers „Noise, Drift, Grit, Mojo, Dungeons & Dragons“ hinzu. Tatsächlich wird der Basssound dadurch aber weniger stabil, was die Tonhöhe betrifft, und er wird im Attack unvorhersehbarer. Außerdem bekommt er so Distortion, Schmutz und analoge Wärme.

Top Effekte

Der andere Tab enthält die Effekte. Drive ist selbsterklärend und enthält zwei verschiedene Modi. Transformer ist wesentlich subtiler, mit Modern kann ein Sound ziemlich zerstört werden. Auch wenn man bei elektronischer Musik klassischerweise keinen Raum auf dem Basssound haben möchte, hat es sich Softube nach eigener Angabe zur Aufgabe gemacht, wenigstens ab und zu die Regeln zu brechen. Klang und Mix-Level sind steuerbar, Zeit oder Größe sind hingegen fix. Auch hier spart sich Softube wieder mehrere (EQ-)Controls, wie man sie sonst an dieser Stelle findet. Monoment funktioniert dagegen eher in Klangdimensionen. Das spart wieder Zeit und ist viel intuitiver. Die fünf Raummodi Neutral, Electric, Metal, Rusty und Dirty klingen aber auch so fantastisch. Den einen oder anderen Basssound kann man so definitiv etwas interessanter machen, ihm mehr Tiefe geben und ihn besser an den Mix anpassen.

Das intuitive Konzept begegnet uns dann auch in der Equalization-Sektion. Auch hier sucht man klassische EQ-Parameter vergeblich. Entweder man macht den Bass etwas flacher, oder man fügt ihm noch mehr Bass hinzu. Tilt steuert das klangliche Erscheinungsbild des Sounds, entweder dunkel oder hell, wie man das zum Beispiel auch vom Decapitator von Soundtoys mit seinem Tone-Regler her kennt. 

Richtig viel Energie liefert dann noch der Multibandkompressor, mit dreiteiliger Gain-Reduction-Anzeige, vergleichbar mit OTT in Serum. Unglaublich, wie viel Charakter und Drive so einem Sound aufgedrückt werden können.  

Spatialization steuert zum Schluss das Stereo-Imaging des Sounds, der dort in tiefe und hohe Frequenzen unterteilt wird. So lässt sich der Bass zum Beispiel schon im Plugin als Monosignal anlegen. Auch Manipulationen am Stereobild gehören nicht zur typischen Basssoundbearbeitung. Auch hier sind aber durchaus Situationen denkbar, in denen das ganz praktisch sein kann. Hier muss einfach herumexperimentiert werden.

Optische Neuheiten

Drei optische Änderungen sind mir noch ins Auge gestochen. Ruft man erstens ein Preset auf und ändert dann Parameter, wird der Preset-Name in kursiver Schrift angezeigt. So kann man direkt erkennen, dass der kreierte Sound unter eigenem Namen abgespeichert werden muss, wenn man ihn behalten möchte.  

Zweitens sind viele der Regler mit einer besonderen Beschriftung versehen. Während der Detune-Regler mit nur wenigen Einheiten auskommt, die um den Regler herum „aufgedruckt“ wurden, gibt es andere, die über sehr viele Einheiten verfügen, wie zum Beispiel der Filter-Cutoff oder der Source-Mix. Zur besseren Orientierung und für besonders kleine Veränderungen am Regler finde ich dieses Konzept sehr sinnvoll. Außerdem verpasst es Monoment einen individuellen Look.

Und auch das Preset-Fenster ist echt mal was Neues. Dieses öffnet sich außerhalb des GUIs, wenn man auf den Preset-Namen klickt und sieht außerdem einfach gut aus. Tags lassen einen die Auswahl nach Preset-Typ begrenzen und es gibt sogar ein Suchfenster. Die Presets kommen ebenfalls wieder von namhaften Produzenten wie Cr2, Black Octopus, WA Production (auch einPlugin-Hersteller), Vandalism, und von Tobias Menguser selbst.

Fetter Bass

Ungeachtet der Tags im Preset-Fenster klicke ich mich einfach alphabetisch durch die mitgelieferten Sounds und muss meistens nicht lange suchen, um einen fetten Basssound zu finden, der mich sofort inspiriert. 

Man begegnet einigen runden Sounds mit weichen und warmen Tiefen. Fat Sub, Punch Master und Pluck Sub haben amtliche Low-Ends. Da wackelt der Kopfhörer und der Sub-Woofer freut sich.

Die nächsten drei Beispiele gehen dann schon mehr in Richtung Synth-Sound,  alle auch wieder mit ordentlichem Sub-Bass. Hau5 Organ erinnert nicht nur durch die Schreibweise an den kanadischen Produzenten Deadmau5. Global Shooter und Modular Saw Wall wummern durch ihren Sub-Bass-Anteil munter vor sich hin, setzen sich aber durch die mittleren und hohen Frequenzanteile in einem Mix zusätzlich besser durch.

Bei den nächsten drei Beispielen sind wir dann schon im Lead-Sound-Segment angekommen. Fidget zeigt, dass etwas Raum auf einem Bass doch Sinn machen kann. Ambience verleiht dem Sound einen leichten Reverb-Tail, der ihn aufleben lässt. Durch diesen dezenten Einsatz sollte der Effekt im Mix auf keinen Fall stören, aber dennoch zur Atmosphäre beitragen.   

Bei den nächsten beiden Beispielen hört man die beiden Layer deutlich, genau wie Drive und die Multibandkompression. Ohne diese beiden Effekte sind beide Presets wesentlich harmloser. In beiden Fällen wurde ebenfalls ein bisschen Ambience eingebaut, das macht die Sounds, wenn auch wieder dezent eingesetzt, lebendig.

Es gibt aber auch kreative Presets, die über normale Bässe hinaus gehen. Future House Layer ist ein Pluck-Sound, dem zwar die Tiefen fehlen, er dafür aber mit einem interessanten und sehr hohen Pfeifen daherkommt, das genau einen Tritonus höher ist als der gespielte Ton. Das ist ein besonderes Intervall, das oft schräg klingt und dem Sound extrem viel Charakter verleiht. 

Bei L(f)lover kommt nun auch endlich mal der LFO deutlich hörbar zum Einsatz. Er kreiert ein Wobble-Geräusch, wodurch der Sound perkussiv wird. Im Hintergrund hört man dezent die runden Tiefen, die Monoment ausmachen. 

Reese Bass 2 wird dagegen von der Glide-Funktion dominiert. Man kann deutlich hören, wie der langsam eingestellte Glide verzögert auf die gespielten Töne reagiert und sie damit verschmiert. Auch zu Lead-Sounds passt dieser Effekt sehr gut.

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