Software Hersteller_Softube
Test
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04.01.2020

Praxis

Wie geht das?

Ist alles ordnungsgemäß installiert finden sich in der DAW des Vertrauens entsprechende Console 1 VST-, VST3- und AU-Plugins sowie eine auch übergreifende GUI bzw. Software namens „Console 1 OSD“ ein, was für On-Sceen-Display steht bzw. der Display-Mode ist und im Prinzip losgelöst von der DAW als ein Art Overlay arbeitet. Die Console 1 Plugins zieht man jedenfalls auf jede Spur, jeden Return sowie Master, die man bedienen möchte. Und schon meldet die DAW dem OSD Channel-Nummern und Kanalnamen aus der DAW. Praktisch.

Alles geil mit VST3 und Presonus VST Extension 

Je nach DAW könnt ihr nun entweder die Volumes Pan, Solo und Mute innerhalb der einzelnen Plugins ändern oder sogar direkt die Parameter eurer DAW steuern, inklusive drei Sends –  und das alles unkompliziert vom Gerät aus! Dieses DAW Control Feature ist ein fettes Plus, funktioniert aktuell aber nur mit VST3 sowie Studio One 3.3, Cubase 9.5.10, Sonar, Reaper 5.50 und Live 10 in der Beta.

Logic Pro und Pro Tools bleiben mit reduzierten Funktionsumfang außen vor – das ist allerdings nicht die Schuld von Softube, sondern der entsprechenden DAW-Hersteller, die gern ihr eigenes Süppchen kochen und fremde Parteien nicht so gern ans Eingemachte lassen.

Schnelle und sehr intuitive Bedienung von Live, Studio One und Cubase

Die Bedienung von Live 10 Beta beispielsweise ist sehr intuitiv: High-Cut, Low-Cut, Gain, Send 1, 2, 3 und natürlich Volume sowie Drive/Character lassen sich extrem schnell bedienen – und das ohne Blick zum Monitor und ohne Display am Gerät. Das OSD braucht man also nicht unbedingt. Lediglich Rec-Arm kann man nicht aktiveren.

Verschiebt man Spuren, sortiert Console 1 auch automatisch neu. Von links nach rechts finden sich am Gerät so alle Tracks, alle Returns und zum Schluss der Master – falls man ihn vergibt. Zehn bankbare Fader sind außerdem der Anzahl wegen super – schließlich hat man ja zwei Hände mit je fünf Fingern. Die meisten anderen Motor-Fader-Controller basieren auf acht Fadern, was irgendwie zu wenig ist, oder auf 16 Fadern, was dann oft Platzprobleme bringt. Zehn Fader hingegen sind perfekt – genau wie der Verzicht auf einen expliziten Master, den man ohnehin nie anfasst.

Ich vermisse hier nur ein paar kleine Details: Zum einem wäre ein zweiter Shift-Taster links am Gerät schön. Zum anderen wäre es auch gut, die Send, Gain und Cut Modes für die Fader feststellen zu können, sodass man Console 1 unkomplizierter einhändig bedienen könnte – und die andere Hand für die Maus frei bleibt. Wie sich Console 1 Fader mit mehr als einer Unit bedient, konnte ich aus Mangel einer solchen leider nicht herausfinden – ich hatte aber nicht das Gefühl, dass man mehr als zehn Fader braucht. 

Und ohne VST3 und Presonus Extension?

Kommt man nicht via VST3 und Presonus VST Extension – beispielsweise bei Logic und Pro Tools – an die Volumes, Pans und Sends der DAW ran, kann man Console 1 dennoch nutzen, es erfordert nur deutliche Disziplin. Für einige Funktionen macht es nun mal Sinn, das Plugin als letztes auf die Spur zu packen – allen voran Volume. Andererseits sind Funktionen wie der Low-Cut idealerweise als erstes auf einer Spur zu nutzen. Da muss man sich also schon mal unnötig festlegen. Wer richtig diszipliniert ist, kommt sicherlich nur mit Console 1 Plugins aus und hat diesbezüglich dann gar keine Probleme – aber gibt es solche Leute überhaupt?! Ein Umweg wäre es, mehr als eine Instanz des Channel-Plugins pro Spur zu insertieren – nur wird es dann noch unübersichtlicher. Das gilt aber nur für die AU- und VST-Workarounds – mit VST3 und Presonus Extension kann man ohnehin nur ein Plugin pro Spur nutzen – zumindest in der aktuellen Live 10 Beta. Apropos Beta – die crasht auch aktuell gern mal, wenn man Spuren des Console 1 Fader löscht. Ob das nun an Ableton oder Softube liegt – man weiß es nicht.

Fehlendes Hardware-Display

Das Console 1 On-Sceen-Display bietet eine gute Übersicht über Gain, Volume, Pan, Sends, Drive und Tone. Displays oder Farbkodierungen der Fader am Gerät gibt es wie gesagt nicht – Tracknamen über den Fadern wären zwar schön gewesen, vermisst habe ich sie aber nicht. Es bietet sich eventuell an, einen zusätzlichen 20-Zoll-Monitor für Console 1 anzuschaffen und diesen direkt über der bzw. den Units anzubringen, falls man Console 1 Fader nicht direkt zwischen sich und Hauptmonitor stellen möchte. Dennoch empfand ich die Arbeit mit dem (auto-)zuschaltbaren OSD Overlay als absolut ausreichend.

Wie viele Spuren man letztendlich als übersichtlich erachtet, ist eine persönliche Frage – und dazu muss man sich einfach einarbeiten. Der Layer-Mode mit seiner Möglichkeit, eine Art VCA-Gruppe zu bilden, spart bei großen Sessions wirklich Zeit, zumal man jeden Kanal auch mehreren Layer-Gruppen zuweisen kann. Die Möglichkeit, alle Volumes sowie andere Parameter wie Drive einer Layer-Gruppe gleichzeitig zu ändern, sollte nicht mit der Möglichkeit, nur den Bus leiser zu machen, verwechselt werden. Die Zuweisung der Layer-Gruppe erfolgt am Gerät, ebenfalls sehr intuitiv und schnell! Was allerdings nicht geht, ist den Drive-Algorithmus für alle Kanäle gleichzeitig zu ändern – oder ich habe es einfach noch nicht gefunden?!

Darf ich mir noch etwas wünschen? Softube hat bereits in der Vergangenheit mit Universal Audio zusammengearbeitet, sodass sich einige UAD-2 Plugins in Console 1 öffnen lassen. Wie wäre es also, wenn man die Universal Audio Audiointerface Monitoring Console (wie beispielsweise bei meinem X16) demnächst auch mit Console 1 Fader bedienen könnte? Traumhaft wäre das, traumhaft – macht das mal, Softube!

„Console 1 ohne Fader“ und/oder Console 1 Fader

Beide Controller zusammen bringen den meisten Spaß – keine Frage. Gut finde ich, dass man aber nicht unbedingt beides haben muss. Beide Systeme machen also auch ohne den Gegenspieler Sinn. In vielen Foren und sogar in den Videos von Softube selbst sieht man entsprechende Stands, die beide Controller übereinander zeigen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass es auf Dauer geil ist, immer über eines der Geräte herübergreifen zu müssen und die Handballen nicht irgendwo ablegen zu können. Für mich gehören die Kästen also nebeneinander. Die Integration beider Controller funktioniert jedenfalls sehr gut – Änderungen an dem einem Gerät werden auch von dem anderen übernommen. Ebenfalls schön: Es gibt bei zwei Geräte auch zwei Shift-Taster.

Select Drive – Klang

Console 1 Fader kommt aktuell mit den zwei Console-Drive-Geschmacksrichtungen Tube und Discret daher, die beide dank Charakteranpassung durchaus ein breites Spektrum zwischen muffig-warm bis hin zu dünn-bright an Sättigung abdecken. Welche Konsolen dahinterstecken, ist mir nicht ganz klar, aber eigentlich ist es auch egal. Tube, wer hätte es gedacht, gefällt mir jedenfalls am besten!

Wer weitere Erweiterungen von „Console 1 ohne Fader“ – API, Neve, Summit, SSL 9000 und SSL 4000 – oder auch Softube Harmonics bzw. Softube Tape besitzt, kann diese natürlich ebenfalls nutzen. Der Kauf der Console 1 Erweiterungen für „Fader 1“ alleine lohnt sich aber nicht. Die EQs und Kompressoren, die zu den Erweiterungen nun mal dazugehören, kann man ohne „Console 1 ohne Fader“ Hardware zwar über das rudimentäre „Console 1 ohne Fader“ Plugin nutzen, so richtig geil ist das aber nicht, zumal einem auch die Übersichts-Darstellungen dann fehlen. Generell wird es ein wenig umständlich, sollte die Hardware einmal nicht zur Hand sein. Klanglich finde ich die Softube Sättigungen aber wirklich gut und sie gehören zweifelsohne zu den Plugins, die am besten klingen – an echte Hardware, beispielsweise SSL Fusion, kommt das allerdings (noch) nicht heran.

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