Test
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17.05.2016

Praxis

Vor dem Soundcheck steht die Montage an. Dafür greife ich mir eine Standard-Headshell aus meinem Bestand und verbinde deren Kontakte gemäß Farbcode mithilfe der vier Kabel mit den Konnektoren des Tonabnehmers. Dann wird es ein wenig fummelig, denn im Lieferumfang befindet sich zwar ein Kreuzschlitzschraubenzieher, aber leider kein Schlüssel für die filigranen Muttern des Schraubensatzes. Glücklicherweise jedoch habe ich eine kleine Spitzzange zur Hand. Nun den Tonabnehmer ausrichten und mit einer speziellen Schablone (Zubehör Technics Plattenspieler) den exakten Überhang der Abtastnadel einstellen, den Tonabnehmer auf meinen Technics 1210 MkII montieren und letztlich noch Parameter justieren (Tonarmhöhe ...).

Den Spezifikationen des M35X entnehme ich, dass der Auflagekraftbereich zwischen 1,5 und 3 Gramm (NM) liegt. Beim Minimalwert von 1,5 Gramm lege ich eine laut gepresste (breite Spur, größere Nadelauslenkung) 12 Inch auf und die Nadel bleibt sicher in der Rille und sorgt für ein verzerrungsfreies Playback. Die erste Hürde des Tests ist also genommen. Auch schnelle Basic-Scratches und Backspins sind beim minimalen Auflagegewicht problemlos möglich. Damit können Mix-DJs auf jeden Fall arbeiten und schonen so definitiv ihre Platten. Erst ab einem Auflagegewicht von circa 2,5 Gramm sind komplexere Scratches und schnelle, abrupte Backspins ohne Sprunggefahr möglich. Dieser Wert liegt dennoch völlig im „grünen Bereich“.

Der M35X verfügt über eine für DJs günstige relativ harte Aufhängung des Nadelträgers. So bleibt der Tonträger und somit auch der Tonarm beim hin und her bewegen der Platte ruhig und „schwimmt“ nicht. Störende tieffrequente Nebengeräusche beim Scratchen treten beim M35X glücklicherweise nur in sehr geringem Maße auf. Eine weitere Anmerkung noch dazu: Für Scratch-DJs und Turntablists leider etwas nachteilhaft ist die Tatsache, dass der Nadelträger beim M35X von oben betrachtet nicht sichtbar ist. Ein Needle-Dropping „nach Augenmaß“ ist demnach beim M35X leider nur erschwert möglich.

Klang

Shure macht mit der Aussage, dass der M35X einen hohen Output (6mV) hat, keine falschen Versprechungen. Heraus kommt eine sehr lautes und erfreulich druckvolles Signal. Der Bassbereich ist zwar transparent, doch hätte dem oberen Abschnitt dieses Frequenzfeldes ein wenig mehr „Punch“ gutgetan und die Subanteile könnten für meinen Geschmack ein wenig mehr hervorgehoben werden. Tadellos sind allerdings die Mitten und präsentieren sich glasklar und angenehm kraftvoll. Und auch der Höhenbereich offeriert sich sehr filigran, wenngleich diesem ein Quäntchen mehr Betonung geholfen hätte. Unterm Strich ergibt sich ein sehr charakterstarker Klang, der vielleicht nicht „perfekt“ ist, aber in Anbetracht von Preisklasse und Nadelschliff (sphärisch) als gut ein gestuft werden muss.

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