Mikrofon Hersteller_Shure
Test
2
02.12.2016

Praxis

Keine weiteren Fragen beim Handling

Um es kurz zu machen: Als formal leicht geschrumpftes Gesangsmikrofon zeigt sich das Shure Beta 57A bei der Positionierung unauffällig, es ist minimal größer als das SM57, ins Gewicht fallen dürfte dies aber in den meisten Fällen nicht. Spannender sind da die klanglichen Unterschiede, welche trotz enger Verwandtschaft ziemlich deutlich ausfallen.

Überraschende Ergebnisse an der Snare

An Testschallquelle Nummer Eins, meiner ungedämpften Zildjian Glockenbronze-Snare, bestätigt sich meine Vermutung bezüglich eines deutlich erweiterten Höhenbereichs des Beta 57A nicht. Stattdessen stellt es eher die mittigen Obertöne des Schlagfells in den Fokus. Für sich genommen klingt das Beta 57A damit eher schlank, hier zeigt sich die ab 1000 Hertz abfallende Frequenzkurve. Fans eines rockigen "100-Hertz-Bauchs" sind hier nicht an der richtigen Adresse. Aber auch Freunde besonders "teppichfreundlicher" Snaredrum-Mikrofone wie des Telefunken M80 oder des Sennheiser MD441 kommen hier nicht unbedingt auf ihre Kosten. Im Vergleich ist das SM57 voluminöser als das Beta 57A, nimmt es dafür allerdings mit den Mittendetails nicht ganz so genau. Hier könnt ihr euch das anhören:

Transparenz statt Bassvolumen an den Toms

Nach den Höreindrücken an der Snare erscheinen die Ergebnisse an den beiden Yamaha Recording Toms nicht wenig verwunderlich. Solo abgehört, gefällt mir sowohl am 13er als auch am fetten 18x16 Zoll Floortom das SM besser. Es klingt einfach voller und bassiger, während das Beta dagegen etwas dünn wirkt. Im Kontext mit den Overheads ist diese leichte "Unterbelichtung" der tieferen Register allerdings von Vorteil, denn die verwendeten AKG C214 bilden die Toms schon recht bassig ab, so dass sich beide Signale zu einem transparenten Gesamt-Sound verbinden. Wie bei allen Mikrofonen spielt hier also der eigene Einsatzbereich eine Rolle, eine klare Empfehlung für SM oder Beta würde mir hier schwer fallen. Müsste ich wählen, würde ich an kleineren Toms das Beta und an größeren das SM nehmen. Am besten hört ihr euch das selber mal an.

Detailreichtum statt Mittendruck am Gitarren-Amp

Sowohl das SM57 als auch der Testkandidat sind ausgewiesene Gitarrenamp-Mikrofone, allerdings scheint es hier die berühmten zwei Lager zu geben. Die einen, die den typischen Mitten-Wumms des SM lieben auf der einen Seite, auf der anderen diejenigen, denen es eher um Detailreichtum und Natürlichkeit geht. Als Schallquelle kommt ein Budda Superdrive 80 2x12 zum Einsatz, welcher die Saitenschwingungen einer Patrick Eggle Berlin Plus Gitarre verstärkt. Die Testergebnisse bestätigen die nachgesagten Eigenschaften, denn das SM klingt tatsächlich runder und voller, während das Beta in den oberen Mitten mehr Details liefert. Im Clean-Modus wirkt das Beta etwas nasaler und weniger voluminös, Griffgeräusche treten stärker in den Vordergrund als beim SM.

Im High-Gain-Betrieb ist der klare Sieger im Solo-Hörtest das SM57. Es bringt den charakteristischen Druck und verleiht den Mitten eine schöne Dimension und Körperlichkeit. Das Beta mag realistischer zu Werke gehen, zeigt sich im Gesamteindruck aber ziemlich nasal, es fehlt der Schub. Trotzdem dürfte dieser Sound in dichten Arrangements seinen Platz in Mischungen finden, die untenrum schon ziemlich voll sind. Hier kommen die Soundfiles:

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare