Test
5
26.04.2021

Praxis

Wer sich erst einmal davon überzeugen möchte, ob Serato Sample seinen Preis von 99,00 Dollar auch verdient, kann zunächst die kostenlose, 30 Tage gültige Trial-Version ausprobieren. Dazu bekommt ihr 20 Loopmasters-Samples gratis, bei der Kaufversion gibt es weitere 30 oben drauf. Die Installation des Plug-ins ist simpel, sodass mit dem Öffnen der Producing-Software, in meinem Fall Ableton Live, Serato Sample sofort in den Audio-Unit- und VST-Plug-ins gelistet ist. Beim Start fordert Serato Sample zunächst zum Laden einer Audiodatei auf. Ist ein Track von der Festplatte ausgewählt, wechselt das Plug-in zur Sampling-Oberfläche. Dort steht der Track dann mit analysierten BPM, Key-Wert, Wellenform und Spektrogramm bereit.

Find Samples, Set Random und Serato DJ

Um Samples im Track penibel genau zu positionieren, gibt es wie bei Serato DJ eine Zoom-Ansicht inklusive „Frozen-Mode“, die das laufende Spektrogramm um ein Vielfaches vergrößert und auch einfriert. Damit die Samples nicht nur das Tempo des jeweiligen Projekts der DAW per Sync übernehmen, sondern sich auch phasengenau anpassen, kontrolliert und adaptiert das Plug-in die Beatgrids unter „Grid“ in der Waveform-Ansicht, eine Funktion die Serato DJ-Benutzer bestens kennen. Per „Set“ werden die Beatgrids gesetzt, sofern das noch nicht beim Laden des Tracks erfolgte. Bei Bedarf fixiert man manuell den ersten Marker auf den Downbeat per gehaltener linker Maustaste. Sollten die folgenden Balken nicht auf den Beats sitzen, dann verschiebt man den ersten Marker auf gleiche Weise auf den entsprechenden Beat. Dadurch verrücken die folgenden Beatgrids auch.

An der anvisierten Stelle für ein Sample heißt es dann, einen Hotcue-Button zu drücken und schon ist das Sample gefixt und auf dem Pad hinterlegt. Mit dem bereits erwähnten Find-Samples-Funktion schlägt Serato Sample automatisch bis zu 32 Samples vor, allerdings vorrangig Kicks, Snares, mitunter auch Vocal-Silben. Wer Leadsounds oder Basslines benötigt, der sollte sich besser selbst auf die Suche begeben, es dem Zufallsgenerator „Set Random“ überlassen und die in Serato DJ gespeicherten Hotcues übernehmen.

Set Slicer

Das Zerstückeln eines Tracks in seine einzelnen Beatfragmente, mit dem Kick und Snare fortlaufend auf die Performance-Pads eines Controllers gelegt werden, kennt ihr vielleicht schon als Slicer-Feature von Serato DJ. Ähnlich läuft es auch beim Serato Sample ab. Drückt ihr „Set Slicer“ bei einem ausgewählten Sample, werden auf die Hotcues im wählbaren Abstand von 1/16 bis 16 Beats 15 weitere, auf das Sample folgende Schnipsel abgelegt. Bei einem eingestellten 1-Beat-Raster platziert Serato Sample beispielweise 15 anschließende, auf die volle Zählzeit zu hörende Sounds. Der Abstand lässt sich anschließend verkürzen und vergrößern, dazu auch nahtlos im Track in beide Richtungen verschieben. Bei einem Slicer-Abstand von 1/8 Beat wandern alle 16 Hotcues gemeinsam um eine Zählzeit im Track, bei ¼ Beat um zwei Zählzeiten.

In Ableton Live und Co integrieren

Serato Sample benötigt einen Wirt wie Ableton Live, mit dem es interagiert, von dem es auch das Tempo per aktiviertem Sync zieht. Sich als Slave den Master-BPM unterzuordnen, ist jedoch kein Dogma. Letztlich spielt das Tempo des Samples nur eine Rolle, wenn die Sample-Länge einen Beat überschreitet.

Mit dem Öffnen des Plug-ins legt Ableton Live auch eine dazugehörige MIDI-Spur an. Wenn ihr erneut den Sampler in der Plug-in-Liste anklickt, erweitert sich das Arrangement um eine weitere Spur. Legt allerdings besser den Sampler als Drum Rack an, das in Ableton Live unter den Drums zu finden ist. Ist Serato Sample in das Drum Rack gezogen, klickt anschließend auf die Kettenliste, um in den anschließenden geöffneten Eingängen und Ausgängen die MIDI-Eingangsnote von der Standardeinstellung C1 auf All zu ändern, damit die Samples auch polyphon spielen.

Wie viele ihr davon in einer Ableton-Live-Session anlegt, hängt von eurer Kreativität ab und wann ihr euren Rechner damit leistungsbedingt in die Knie zwingt.

In Native Instruments Maschine öffnet man dagegen eine neue Group, lädt Serato Sample, das sich unter den gelisteten Sounds befindet, und beginnt eine Scene samt verschiedenen Patterns. Mit bis zu 16 verschiedenen Serato-Sample-Implantaten können diese gefüttert werden. Die damit fast unbegrenzten Sampling-Möglichkeiten bekommt man einfach nicht satt.

Das Triggern per Tastatur und Controller

Die von Serato Sample gesetzten Hotcues als Sample-Point verteilt das Plug-in auf die 32 Pads, die man per Maus, mit Tastatur-Shortcuts (Ableton Live) oder mit den Pads eines angeschlossenen MIDI-Controller triggert. Standardmäßig liegt das erste Sample immer auf dem Grundton von C-Dur (Taste C1). Sollten die Pads beim Drücken der Tastatur nicht reagieren, dann befindet ihr euch in der falschen Oktave, worauf euch Sample hinweist. In Ableton Live passt ihr beispielweise mit den YX-Tasten eures Keyboards die Oktave an.

Besser geht es natürlich mit den zugeschnittenen MIDI-Controllern Push 2 oder Maschine von der Hand. Auch hier müssen die Spielregeln zunächst neu festgelegt werden. Auf dem Push 2 liegen die ersten 16 Samples spielbereit und chronologisch auf einer 4x4-Pad-Matrix, sofern der Sampler in einem Drum Rack von Ableton Live implantiert ist. Um auf die zweite Reihe der Samples zuzugreifen, springt man im Push 2 eine Oktave nach oben. Sollte Serato Sample in eine herkömmliche MIDI-Spur eingepflegt sein, verteilt Ableton Live alle Samples leider nicht chronologisch, damit unübersichtlich und lückenhaft auf der Pad-Spielwiese des MIDI-Controllers.

Bei Maschine drückt ihr zunächst Shift und Pad Mode. 16 Pads leuchten anschließend auf, sind allerdings erst spielbereit, wenn ihr die momentan angespielte Oktave dem Grundton C1 anpasst. Um auf die zweite Ebene der weiteren 16 Pads zu gelangen, springt ihr ebenfalls auf die nächste Oktave, sodass das neunte Sample auf C2 liegt.

Bei beiden Controllern fällt die nur beschränkt native Unterstützung auf. Die Knobs des Push 2 greifen von Haus aus beispielweise auf den Trigger-Modus, das Tempo und Key-Shifting zu. Vereinzelte Parameter lassen sich über die Drehknöpfe von Maschine modifizieren.

Leider übernehmen die Controller nicht die verschiedenen Farben der Sampler-Hot-Cues, sodass deren Pads nur einfarbig illuminiert werden, auch wenn sie RGB unterstützen. Die Informationen zur mehrfarbigen Beleuchtung wie im GUI sendet Serato Sample nicht an den MIDI-Controller. Ein Nachteil für die visuelle Orientierung, vor allem beim Finger-Drumming mit Maschine.   

Verschiedene Spielmöglichkeiten

Alle ausgewählten Samples spielen entweder so lange, wie das Pad gedrückt bleibt oder bis zu einem definierten Ende. Die dafür notwendige Länge eines Samples legt man durch Verschieben des oberen und unteren Markers im Spektrogramm fest. Die Rhythmik und den tonalen Verlauf schreiben allerdings die Musikproduktionsprogramme mit den gesetzten Noten im entsprechenden Editor vor. Alle 32 Noten ab C1 aufwärts ordnet die musikalische Herberge des Samplers per Klaviatur den Samples zu. Noch mehr Spielraum bietet der Keyboard-Modus des Samplers, mit dem ein Sample wie ein Synthie-Sound auf der kompletten Klaviatur gespielt beziehungsweise im MIDI-Noten-Editor gesetzt werden kann, dies ein- oder per „Poly“-Einstellung in Akkorden mehrstimmig. Sollen im Pattern zwei verschiedene Samples zugleich erklingen, ist ebenfalls der polyphone Spiel-Modus erforderlich.

Mit aktivierter Velocity reagieren die Samples auch anschlagsdynamisch. Für weitere Authentizität sorgt der in Version 1.3 eingebundene Glide-Knob im monophonen Keyboard-Mode, der zwischen zwei gespielten Pads einen Bending-Effekt erzeugt. Der Glide-Knob arbeitet wahlweise im Trigger- oder Sustain-Modus. Letzterer bewirkt wie bei einem Pedal des Klaviers ein längeres Ausklingen des Sounds nach dem Anschlag des Samples. 

Klanglich überzeugt das Plug-in dank der Übernahme von Pitch ´n Time, mit der Timestretching und Keyshifting auf Profi-Niveau arbeiten. Das Tempo des Original-Files drosselt man damit ohne Probleme um ein Vielfaches, ohne dass es verwaschen, unsauber und von Artefakten übersäht klingt. Per Knopfdruck verdoppelt beziehungsweise halbieren sich die BPM, oder man stellt prozentual die gewünschte Tempo-Änderung ein. Auch die Key-Wert-Anpassung hört sich authentisch und nicht künstlich an, sofern die ausgewählten Samples keine Stimmen betreffen. In bis zu +/- 24 Halbtonschritten beugt sich der Tonwert der Harmonie. Zusammen mit Filter, Attack und Release kann man sich wirklich austoben und damit die Herkunftsspuren jedes einzelnen Samples wahrlich verwischen.

Um Platz für neue Samples zu schaffen, werft im Sampler einfach den Track mit dem Eject-Button aus oder geht erneut auf den Serato-Sample-Button des Plug-ins. Der zuvor abgelegte Track wird aus dem Sampler geschmissen, die MIDI-Noten im Editor bleiben bestehen. Oder legt einfach eine neue Spur an und belegt diese erneut mit Serato Sample.   

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare