Test
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11.12.2018

Praxis

Verwendungszweck

Der geschlossene Studiokopfhörer Sennheiser HD 300 Pro ist aufgrund seiner überragenden Geräuschdämmung für den Einsatz in einer lauten Umgebung (Aufnahmeraum, Live-Einsatz, Broadcasting) prädestiniert. Als Abhörwerkzeug für klangentscheidende Maßnahmen im Studio sehe ich den HD 300 Pro eher nicht, da es für diese Aufgabe auch im eigenen Hause geeignetere Kopfhörer mit einer detailreicheren Wiedergabe gibt.

Tragekomfort

Mit dem HD 300 Pro beweist Sennheiser der Konkurrenz, dass hoher Tragekomfort bei Kopfhörern geschlossener Bauart kein Hexenwerk ist! Die vertikal und horizontal flexibel gelagerten und großzügig dimensionierten ovalen Ohrmuscheln passen sich perfekt meiner Kopfform an, selbst die von DJs bevorzugte Trageweise über einem Ohr ist problemlos möglich. Die dicke Polsterung ist auffallend weich und geschmeidig, was sowohl für die Ohrmuscheln als auch den Kopfbügel gilt. Besonders beim Bügel fällt bei vielen Modellen anderer Hersteller die Polsterung für mein Empfinden mangelhaft aus. Somit ist der HD 300 Pro ein echter Tipp für lange Sessions! Auch an der gerasterten Größeneinstellung gibt es nichts zu bemängeln. Das Anpassen an die Kopfgröße ist leichtgängig, ohne dass sich der Kopfhörer beim Ab- und wieder Aufsetzen unbeabsichtigt verstellt.

Klang

Für den Test des Sennheiser HD 300 Pro wurden die folgenden Kopfhörerausgänge bzw. Verstärker verwendet:

iPhone SE

UAD Apollo 8

SPL Phonitor mini

Lake People G93

Neben diversen akustischen Experimenten (Sinus-Sweeps, übliche DAW- Tätigkeiten) habe ich einen stilübergreifenden Mix eigener und fremder Produktionen über den HD 300 Pro angehört und analysiert.

Frequenzgang

Die Klangsignatur des Sennheiser HD 300 Pro könnte man als angenehm und unaufdringlich charakterisieren, was an seiner wohltuend warmen Basswiedergabe sowie tendenziell mild-samtigen Höhen liegt. Letztere kaschiert beispielsweise (vorhandene) unangenehme Zischlaute, was für viele Monitoringanwendungen vorteilhaft ist, den HD 300 Pro für kritische Klangentscheidungen aber ungeeignet erscheinen lässt. Der mittlere Frequenzbereich prescht nicht wirklich hervor und gliedert sich homogen ins Gesamtgeschehen ein, wobei besonders die oberen Mitten etwas verhaltender sind als beim preiswerteren und diesem Band lebendigeren Sennheiser HD 280 Pro. Bei vielen Anwendungen, besonders in hoher Umgebungs- und gegebenenfalls auch hoher Abhörlautstärke ist diese unaufdringliche Art der Frequenzabbildung aber durchaus zweckdienlich und nicht zu bemängeln.

Impulsverhalten

Entsprechend des hauptsächlichen Einsatzszenarios agiert der HD 300 Pro mit seiner Transientenabbildung und Dynamikwiedergabe mehr als zufriedenstellend, wobei im Direktvergleich zu geschlossenen Modellen (Audio-Technica ATH-M50, Adam Audio Studio Pro SP-5), die auch für die Verwendung beim Mischen und Mastern empfohlen werden, teilweise sehr deutliche Unterschiede bezüglich der Impulstreue und Lebendigkeit auszumachen sind. Dies ist weniger Kritik als eine Abgrenzung der Einsatzbereiche des geschlossenen Sennheiser Kopfhörers, der keine „Audio-Lupe“ zum Editieren und auch kein Geheimtipp zum Finden der richtigen Kompressionseinstellungen ist – und dies auch nicht von sich behauptet, obwohl der vergleichsweise selbstbewusste Preis Erwartungen bezüglich einer universellen Verwendbarkeit wecken könnte.

Räumliche Abbildung

Der HD 300 Pro hat eine vergleichsweise breite Stereobühne und profitiert wie viele Kopfhörer seiner Bauart von der Crossfeed-Funktion meiner SPL-Kopfhörerverstärker. Die Lokalisation einzelner Schallquellen im Stereopanorama gelingt dem 300er auf akzeptablem Profi-Niveau, doch eine bemerkenswerte Tiefenstaffelung und Darstellung von Räumen kann man dem geschlossenen Sennheiser Kopfhörer nicht nachsagen. In seinem Spezialgebiet hat das aber auch keine besondere Relevanz. Dass Sennheiser weiß, wie man Kopfhörer mit authentischer Raumabbildung baut, haben sie spätestens mit dem offenen Spitzenkopfhörer HD 800S bewiesen.

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