Test
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10.02.2020

Sabian HHX Thin und Medium Becken Neuheiten Test

Hi-Hat-, Crash- und Ride-Becken

Aufpolierte Kanadier

2001 kam die Sabian HHX-Serie auf den Markt. Mit der Weiterentwicklung der HH-Serie, mit tieferer Hämmerung und dunkleren, komplexen bis hin zu trashigen Klängen, begann Sabian neue Klangtrends auf dem Beckenmarkt zu setzen, die heute im Line-up fast aller großen Hersteller angekommen sind. Mark Love, Sabians oberster Beckenschmied und Chefentwickler, gelang es darüber hinaus, in der Zusammenarbeit mit Künstlern wie JoJo Mayer, Dave Weckl, Will Calhoun oder Mark Guiliana eine neue, künstlerisch inspirierte Klangkultur zu etablieren, die viele Jahre als richtungsweisend galt.

Doch die Zeit dreht sich unaufhörlich weiter. Während bei Sabian viele Modelle innerhalb der Serien wechselten und eine Zeit lang für etwas Unübersichtlichkeit sorgten, haben Firmen wie Meinl oder Zildjian nicht geschlafen: Sie nutzen die volle Power des Internets, um mit starken Marketingkampagnen und klarer Identifikation bei einer neuen Generation junger Schlagzeuger zu punkten. Nicht zu unterschätzen ist auch die Konkurrenz durch eine Vielzahl von türkischen Schmieden, die seit den Nullerjahren verstärkt auf den Markt drängen.

Mit dem neuen Sabian-Logo, das als eine Art Befreiungsschlag auf der NAMM 2019 enthüllt wurde, wollte man sich ein neues Image verpassen: Sabian als traditionsreiche, starke und eigenständige Marke, die unabhängig von kurzweiligen Trends ist und für hohe Qualität und Soundkultur steht. In der in weiten Teilen kollektiven Empörung über das neue Design traten diese Punkte eher in den Hintergrund, der Logo-Shitstorm brachte Sabian aber zumindest die größte virale Aufmerksamkeit auf der vorletzten Winter-NAMM ein.

Ungeachtet dessen fertigt Sabian tolle und eigenständig klingende Becken, wie wir in diversen Testberichten feststellen konnten. Wo die aktuellen HHX-Modelle einzuordnen sind, erfahrt ihr jetzt.

Details

Aus Studio und Stage wird Thin und Medium

Von Pearl Europe, dem deutschen Sabian-Vertrieb, bekamen wir eine ganze Palette an Sabian-Neuheiten zugeschickt. Neben den neu designten HHX Complex Cymbals, die mein Kollege Max Gebhardt in einem weiteren Test vorstellt, waren auch die überarbeiteten HHX Thin- und Medium-Modelle dabei. Die vormaligen HHX-Bezeichnungen Stage, Studio und Power werden durch die neuen Thin- und Medium-Varianten abgelöst. Sabian belässt es aber nicht bei einer reinen Namensänderung, auch am Hammering-Pattern wurde gefeilt, um die Becken noch dünner gestalten zu können und gleichzeitig mit noch zügigerer Ansprache auszustatten. Alle Becken sind weiterhin im Traditional- und Brilliant Finish erhältlich.

Die HHX Crashes sind breit aufgestellt

Bei den Crash-Modellen bekamen wir gleich sieben Becken zugeschickt, vier Thin Crashes in 14“, 16“, 18“ und 20“ sowie drei Medium Crashes in 16“, 18“ und 20“. Die Crashbecken haben allesamt eine dunkel gefärbte, ungehämmerte Bell, die bei den Medium-Modellen etwas rundlicher und stärker gewölbt ausfällt. Mit Ausnahme der Glocke ist die komplette Oberfläche hochglanzpoliert. Unter dem gleichmäßigen runden Abdrehmuster auf der Fläche ist das vielschichtige Handhämmerungs-Pattern gut erkennbar. Die Form der Einschläge reicht von kreisrunden bis hin zu „Fingerabdrucks“-förmigen Figuren. Der Ring um die Glocke ist mit einem feinmaschigen, sehr dichten Pattern gehämmert, wohingegen der äußere Bereich nicht mit dem Hammer bearbeitet wurde. Etwa zwei Zentimeter vor dem Rand sind die Becken nur noch abgedreht.

Der Gewichtscheck ergibt, dass die Thin- und Medium-Modelle gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Das 18“ Thin Crash wiegt 1354 Gramm, das Medium Crash 1432 Gramm. Trotzdem lassen sich die Thin-Modelle mühelos mit der Hand biegen, das geht bei den etwas kräftiger ausfallenden und mit mehr Grundspannung versehenen Medium Crashes nur mit wesentlich mehr Körpereinsatz.

Das 20“ Medium Ride und das 21“ Thin Ride

Passend zur Optik und Hämmerung der Crashbecken sind auch das 20“ Medium Ride und das 21“ Thin Ride gestaltet. Das 20“ Medium Ride (2374 Gramm) ist mit seiner etwas rundlicheren Bell bei flachem Profil augenscheinlich als klassischer Allrounder konzipiert, das leichtere und etwas dünnere 21“ Thin Ride (2231 Gramm) wandelt dagegen im Fahrwasser moderner, sehr gut ancrashbarer Rides mit einer roh belassenen Bell. Mit dem 21“ HHX Groove Ride hat Sabian seit Langem ein beliebtes und etwas stärker dimensioniertes Modell im Programm. 

Die zwei Hi-Hats gibt es nur in Medium-Stärke

Passend zur vormaligen Stage-Linie sind die beiden Hi-Hats in 14“ und 15“ nur in Medium-Ausführung erhältlich. Die Waage zeigt beim 15“-Modell 1089 auf 1383 Gramm, das 14“ ist mit 1001 auf 1259 Gramm nur unwesentlich leichter. Wer hier noch leichtere Modelle bevorzugt, könnte sich zum Beispiel in der HHX Legacy Serie umschauen. 

Sämtliche Testbecken sind ohne Makel verarbeitet, runde Mittellöcher und ebene Kanten geben keinen Grund zur Beanstandung. Lediglich der Logodruck könnte bei einigen Modellen etwas kräftiger aufgetragen sein.

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