Test
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05.12.2018

Sabian FRX Cymbals Test

Becken Serie

Weniger Frequenzen, mehr Sound?

Ein Gitarren-Amp auf einer Guillotine, statt des Messers kommt jedoch ein Becken zum Einsatz. Diese Print-Werbung aus den späten Neunzigern verdeutlichte den alten Lautstärkewettstreit zwischen Drummer und Saitenfraktion durchaus anschaulich. „Marshall-Türme“ wurden von den Beckenherstellern als der natürliche Feind des Rockdrummers ausgemacht, laute, aggressive Cymbals als probates Gegenmittel angepriesen. Diese Zeiten sind vielleicht noch nicht überall vorbei, aber dass in den letzten Jahren gewisse Veränderungen stattgefunden haben, ist nicht zu leugnen. Sich selbst aufnehmende Bands, komplett digital arbeitende Gitarristen und die Sorge um die eigenen Ohren haben die Ansprüche an die Beckenlautstärke verändert. Andererseits ist es manchmal gar nicht so einfach, die Becken konstant leise zu spielen. Womit wir bei unseren heutigen Testbecken wären. Sabian FRX heißt die neu entwickelte kanadische Oberklasse-Serie. 

Moderne Becken sollen in erster Linie „musikalisch“ klingen, sich leicht aufnehmen lassen, den proberäumlichen „Band-Frieden“ nicht zu sehr strapazieren und gleichzeitig normal spielbar sein.  Um all diese Anforderungen zu erfüllen, hält die Beckenschmiede-Trickkiste einige Kniffe bereit. So reduziert der Verzicht auf das Abdrehen die scharfen Obertöne, und eine besonders dünne Blechstärke sorgt für einen dunkleren Klang mit kurzem Sustain. Mit seinen HHX O-Zone Modellen hat Sabian Anfang der 2000er zudem einen neuen Trend begründet, nämlich die gelochten Becken. Große Bohrungen im Metall verursachen einerseits eine Unterbrechung der Schwingung, andererseits eine Massereduktion. Ein „trashiger“ Sound mit schneller Ansprache und kurzem Ausklang ist die Folge. Den soll es bei den FRX Becken allerdings nicht geben. Viele kleine Bohrungen sollen stattdessen für eine Lautstärkereduktion bei gleichzeitigem Erhalt eines vollen Beckenklangs sorgen. Ob wir Trommler nun trotz kräftigem Hinlangen den Band-Frieden erhalten können, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details

Typisch Sabian: „Raw Bells“ und Bohrungen

Bei der Lieferung der Testobjekte fällt mir zunächst das humane Gewicht des Kartons auf, schließlich befindet sich ein nicht unerheblicher Teil der FRX-Produktpalette darin. Ich entnehme der Verpackung zwei Rides in den Größen 20 und 21 Zoll, zwei Crash-Becken in 16 und 17 Zoll sowie eine 14er Hi-Hat. Ebenfalls lieferbar sind 15er Hats, 18 und 19 Zoll große Crashes sowie ein 22er Ride-Becken, diese Modelle standen jedoch nicht zum Test zur Verfügung. Kommen wir nun zur näheren Inspektion der Testinstrumente. Auch ohne Logos wären diese schnell als Sabian-Produkte identifizierbar. Alle Becken verfügen über beidseitig roh belassene Kuppen, wie man sie beispielsweise vom bekannten Raw Bell Dry Ride oder verschiedenen HHX-Modellen her kennt. Die enge Verwandtschaft zu letzteren zeigt sich auch im sehr feinen, ebenfalls beidseitig aufgebrachten Abdrehmuster. Weiter geht es mit der Hämmerung, welche ebenfalls klar als HHX-Bearbeitung erkennbar ist. Längliche, voneinander abgegrenzte Einschläge verteilen sich kranzförmig über die Beckenoberseiten, von unten ist keines der FRX-Modelle gehämmert. Anders als beispielsweise bei den X-treme Crashes, fallen die Einschläge auch nicht sonderlich tief aus, sondern wirken eher subtil. Bis hierhin sind unsere Testbecken annähernd identisch bearbeitet, allerdings haben wir das Hauptmerkmal der FRX-Serie noch gar nicht begutachtet. 

Die Crashes fallen sehr dünn aus, ihre Kuppen sind nicht gehämmert

Dicke, starre Crash-Becken machen nicht nur den Bandkollegen oft Kopfschmerzen. Auch Tonleute sind nur selten von allzu brachialen Akzenten begeistert, denn im Zweifelsfall diktieren die Becken den gesamten Drumsound. Zunächst verordnete Sabian seinen FRX Crashes daher eine dünne Materialstärke, meine Digitalwaage zeigt für das 16er 810 Gramm an, beim 17er sind es 1030. Das Hauptmerkmal sind jedoch Ringe aus kleinen Bohrungen, welche sich jeweils über die Hälfte der Kuppen sowie über den oberen Teil der Beckenprofile verteilen. Beim 16er zähle ich sieben dieser umlaufenden Ringe, beim 17er sind es acht. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass die äußeren über die doppelte Anzahl von Löchern verfügen. Im Gegensatz zu den restlichen Testbecken bleiben die Kuppen der Crash-Becken ungehämmert.

Drei Unterschiede zu den Crashes fallen bei der genaueren Untersuchung der beiden Ride-Becken auf. Da wären zunächst die gehämmerten Kuppen. Die Tiefe der Einschläge entspricht jener der Beckenprofile, fällt also nicht so tief und offensichtlich aus wie beispielsweise bei einem HHXtreme Crash. Der zweite Unterschied betrifft das Gewicht. Um die Stick-Definition möglichst klar zu halten, hat Sabian die Rides im Verhältnis etwas dicker gestaltet als die Crashes. Aufgrund der Bohrungen ist eine aussagekräftige Vergleichbarkeit mit anderen, normalen Rides schwierig, 2100 Gramm und 2300 Gramm verdeutlichen den Eindruck trotzdem recht anschaulich. Wie beim 17er Crash gibt es auch bei den Rides jeweils acht der konzentrischen Bohrungsringe, verteilt auf Kuppen und Profil. Es kommen jedoch noch drei der Lochkränze hinzu. Diese befinden sich etwa vier Zentimeter vom Rand entfernt und sind offenbar für die Kontrolle des Ausklangs zuständig. 

Am „normalsten“ kommen die Hats daher

Zumindest optisch fallen die Hats am zurückhaltendsten aus. Wäre nicht der einzelne Ring aus Bohrungen, der um die Top-Beckenkuppe herum läuft, würde auch der Sabian-Kenner Schwierigkeiten haben, sie von einer HHX Stage Hat zu unterscheiden. In puncto Gewicht kommt hier das bewährte Rezept aus schwerem Top- und eher leichtem Top-Becken zur Anwendung. 820 Gramm und 1180 Gramm zeigt die Waage. 

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