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Test
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27.05.2014

Rupert Neve Designs Shelford 5051 Test

EQ- und Compressor-Modul

Induktion und Kompression

Rupert Neve Design EQ-/Compressor 5051 aus der neuen Shelford-Serie zum Review bei bonedo – Im kleinen englischen Örtchen Shelford entstanden in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre die vielleicht legendärsten Designs aus der Feder von Rupert Neve. Damit dürfte auch klar sein, warum die neue Reihe diesen Namen tragen darf: Wesentliche Schaltungstopologien der alten Klassiker wurden in die Shelford-Module integriert. 

Auf gar keinen Fall sollte man die 5051-Kombination und andere vervügbare Shelford-Kassette 5052 aber als Vintage-Clones verstehen – es handelt sich hier um komplett neu entwickelte Geräte, die an Schlüsselstellen mit Rupert Neves Vintage-Schaltungen verfeinert wurden. Die Schlacht um den originalgetreuesten Neve-Clone wird an anderer Stelle geschlagen, der Altmeister denkt ein kleines Stückchen weiter. Warum sollte er sich auch wiederholen und fast ein halbes Jahrhundert später noch einmal dasselbe machen?

Details

Ein Channel ohne Preamp ist kein Channel

Mit dem 5051 bewegt sich Rupert Neve Designs ein Stück weit weg vom klassischen Konzept eines Input-Channels. Das Gerät verfügt anders als sein Schwestermodul 5052 nicht über eine Preamp-Sektion, ist also rein für die Bearbeitung von Line-Signalen konzipiert. Hier bietet das Gerät aber eine große Palette an Möglichkeiten, eventuell sogar alles, was man im Einzelfall benötigt. Denn mit EQ und Comp ausgestattet verfügt das Modul über die beiden wesentlichen Komponenten für die Bearbeitung bereits aufgenommener Signale (aber selbstverständlich könnte man das Teil auch hinter einem externen Preamp direkt beim Tracking einsetzen…).

Dynamics pre oder post?

Wie auch das zweite Shelford-Modul, der 5052 Mic Pre/EQ, verfügt der 5051 über zwei gleichrangige Funktionsblöcke. In diesem Falle handelt es sich um die 3-Band-EQ-Sektion und einen üppig parametrisierten VCA-Kompressor, wobei beide Einheiten im Signalweg in der Reihenfolge getauscht werden können. Somit werden also beide Geschmäcker bedient: Ob der EQ vor oder hinter dem Kompressor kommen sollte ist schließlich eine immer wieder heiß diskutierte Frage.

Wo wir gerade beim Routing sind: Zwar lassen sich beide Sektionen nicht wie beim 5052 mit jeweils eigenen Audio-Anschlüssen vollkommen separat betreiben, aber ein kleines Routing-Schmankerl ist hier dennoch vorgesehen. Zwischen den beiden alternativen Line-Inputs kann hin und her geschaltet werden. Somit könnte man das Modul in einen Mischpult-Insert hängen und an den anderen Input beispielsweise einen Mic-Pre hängen. Unterschiedliche Signalflüsse erfordern dann lediglich einen kleinen Tastendruck und kein umständliches Kabelpatchen.

EQ: Griff in die Ahnenkiste – aber deutlich erweitert

Die 3-Band-EQ-Sektion ist eine Neuentwicklung, die aber auf dem sehr soliden Grund legendärer Schaltungsprinzipien stattfand. Rupert Neve Designs schweigt sich hier über die exakte Vorgehensweise aus, aufgrund der großen Ähnlichkeiten zum EQ des 5052 kann man aber davon ausgehen, dass der Apfel hier nicht weit vom Stamm gefallen ist. Und das bedeutet, dass als Pate für den EQ vor allem derjenige des ehrwürdigen 1073-Eingangsmoduls aus den späten 60ern in Frage kommt. Dessen Funktionsspektrum deckt der 5051 in den Grundzügen ab, allerdings jedoch nicht ohne dieses ursprünglich sehr simple Design an wesentlichen Stellen zu erweitern – was vor allem der Flexibilität zugute kommt und damit das Spektrum möglicher Anwendungen doch ordentlich erweitert. 

Für das Bass-Band könnte als Vorbild auch der 1064 in Frage kommen, ein Vorläufer des 1073 und damit einer der ersten Channels dieser so erfolgreichen Serie, die auch die legendären Module 1066 sowie 1084 umfasst. Das Mittenband bedient sich wie das Vintage-Vorbild eines Spulenfilters, was dem seidigen und doch sehr kraftvollen Klang direkt in die Hände spielt. Das Bass-Band kann wahlweise als Peaking- oder Shelving-Filter bertieben werden, und zwar an vier Eckfrequenzen zwischen 35 und 220 Hz, wobei man die 35 Hz, die in bester Vintage-Neve-Manier einen sagenhaften Subbass herausdonnern, unbedingt einmal gehört haben muss.

Das Mittenband bietet sechs Eckfrequenzen zwischen 200 Hz und 6 kHz und ebenfalls einen Hi-Q-Modus, der an denjenigen des Vintage-1084 erinnert. Ein nettes Extra, aber kein Must-Have, da dies eigentlich nur dann sinnvoll ist, wenn das Klangproblem, das man lösen möchte, zufällig direkt im Bereich einer der festen Ansatzfrequenzen rangiert. Alle Bänder bieten mit ±15 dB Gain ausreichend Hubraum, zumal ein EQ mit Vintage-Neve-Charakter dazu tendiert, kräftiger zu klingen als der eingestellte Wert vorgibt. Das Höhenband bietet ebenfalls wahlweise Peaking- und Shelving-Optionen. Zusammen mit den beiden Ansatzfrequenzen 8 und 16 kHz präsentiert es sich also deutlich flexibler als dasjenige des 1073. Schlussendlich hat RND dem 5051 noch einen Hochpass spendiert, der mit einer Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave an den Frequenzen 60 oder 120 Hz greifen kann.

Kompressor: So klassisch ist er nicht

Beim Kompressor handelt es sich um einen ziemlich modern abgestimmtes Teil auf Basis eines VCA-Regelelementes. Im Sinne der Shelford-Thematik wäre ein Diodenlimiter im Fahrwasser des Neve 2254 sehr spannend gewesen, aber augenscheinlich beschränkt sich die Vintage-Reminiszenz des RND 5051 vorranging auf die EQ-Sektion, während RND bei der Dynamikeinheit näher bei seinen aktuellen Prozessoren bleibt. In Punkto Bedienelemente bedeutet dies: Die Dynamiksektion bietet alle fünf typischen VCA-Parameter in Form stufenlos durchstimmbarer Potis mit recht großen Einstellbereichen. Die Kompressionsraten erreichen mit maximal 40:1 Quasi-Brickwall-Sphären, mit insgesamt 20 dB Gain verfügt die Einheit über Reserven, die auch brutalere Einsätze ermöglichen. Der Release-Parameter überstreicht mit 100 ms bis 2,5 s praktisch den gesamten in der Praxis sinnvollen Bereich, einzig die Attackwerte bleiben – wie bei den meisten RND-Kompressoren – ein kleines Sorgenkind. Mit einem Einstellweg zwischen 5-75 ms bekommt man zwar die volle Punch-Range geliefert, muss aber auch beim 5051 auf die Lautmacher-Attackwerte im Mikrosekundenbereich verzichten, die so viele sogenannte „Limiting Amplifier“ zu wahren Klassikern gemacht haben. Meines Erachtens schränkt diese Abstimmung die Einsatzvielfalt dieses Kompressors unnötig ein, zumal rein technisch gesehen mit einem VCA-Comp dieses Typs auch erheblich schnellere Ansprechzeiten problemlos zu realisieren wären. 

Diesem kleinen Wermutstropfen gegenüber stehen jedoch ein paar weitere Extras: So bietet der Kompressor wahlweise den Feedback- und Feed-Forward-Betrieb und ein Hochpassfilter für das Detektorsignal, das fest bei 250 Hz greift. Verschiedene Einheiten des 5051 können gekoppelt werden, und dazu bietet der Kompressor auch noch rückseitige Eingänge für ein externes Sidechain-Signal. Bis auf die eher gemächlichen Attackwerte kann man also von einer Vollausstattung sprechen, zumal zwei LED-Ketten mit jeweils acht Segmenten gleichzeitig die Pegelreduktion und den Ausgangspegel anzeigen.

Shelford: RND-Modulstandard

Konstruktiv setzt RND beim Shelford 5051 auf ein Modul offener Bauform, das wahlweise in einer Lunchbox, in einem größeren Modulträger oder auch in der RND-Konsole betrieben werden kann. Die Fertigung rangiert auf gewohnt hohem RND-Niveau, wobei das moderne Schaltungskonzept auch vor SMD-Bauteilen nicht Halt macht, welche hier einträchtig zusammen mit den Ein- und Ausgangsübertragern sowie der Spule des EQ-Mittenbandes auf den beiden großen Platinen Platz nehmen. Seine ±24V bezieht das Modul von einem externen Netzteil, das bis zu fünf Kassetten mit Strom versorgen kann, mithin also gerade beim Betrieb von ein oder zwei Modulen extrem üppig dimensioniert ausfällt. Einzig die Plastikbuchse für die Stromversorgung wirkt ein wenig unangemessen klapprig, ansonsten erfüllt die Kassette allerhöchste Hardware-Standards.

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