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Test
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28.04.2017

Roland VP-03 Test

Vocoder

VP-330 Emulation nicht nur für unterwegs

Mit dem VP-03 hat Roland als Teil der Boutique-Serie einen Vocoder herausgebracht, der sich in Sachen Bedienung und Design als digitale Neuauflage des legendären VP-330 aus dem Jahr 1979 präsentiert. Damit führt Roland den Weg fort, seine Analog-Klassiker in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts zu übersetzen. Eine gute Idee, denn die Japaner sind bekanntlich Väter einer ganzen Reihe erfolgreicher, legendärer Synthesizer und musikelektronischer Meisterwerke – darunter eben auch der VP-330 und die Rackversion SVP-350.

Nachdem bereits Geräte wie der Jupiter-8 oder der Juno-106 trag- und bezahlbar wieder zum Leben erweckt wurden, erweiterte Roland seine kompakte Boutique-Serie im letzten Jahr um die TR-09 Drum Machine und die TB-03. Aber auch dem 1979 erschienenen Vocoder-Innovateur VP-330 spendiert man nun ein neues Gewand. Optisch wirkt der VP-03 wie eine Miniatur-Version des Vintage-Vorbilds und soll mit erweiterten Funktionen wie etwa einem Step-Sequencer überzeugen. Was steckt sonst noch hinter Rolands Mini-Vocoder? Im Test haben wir uns den VP-03 genauer angeschaut.

Details

Äußeres

Der Begriff „Miniatur“ trifft es ziemlich genau: Die bewährte Fader-Struktur der Bedienpanels alter Roland Synthesizer wurde stark verkleinert und kompakt auf die Oberfläche des VP-03 übertragen. Somit versteckt er sich mit gerade einmal 30 cm Breite und 940 g Gewicht unbemerkt in jeder Handtasche. Trotz der kleinen Bauteile kommt der VP-03 dank seiner metallenen Frontplatte erstaunlich robust daher; das kaum vorhandene Wackeln der Mini-Fader spricht für eine solide Verarbeitung. Optional erhältlich sind das Mini-Keyboard K-25m und das Case/Dock DK-01, in die der VP-03 eingesetzt werden kann. 

Anschlüsse

Neben On/Off-Schalter und Volume-Poti befindet sich auf der Rückseite ein 3,5 mm Stereoklinkenanschluss als Audioausgang. Wie es bei den Mini-Synthesizern dieser Tage leider zunehmend üblich ist, wurde auf vernünftige Großklinkenanschlüsse für L/R-Out verzichtet. Somit braucht man ein spezielles Y-Kabel, um den VP-03 an die Eingänge eines Mischpults oder an ein Audiointerface anzuschließen. Für den mobilen Einsatz wurde wie bei den anderen Boutique-Geräten ein kleiner Lautsprecher verbaut, der mit dem mittigen Vocoder-Sound erfreulicherweise deutlich weniger Probleme hat als beispielsweise mit den fetten Bässen des JP-08 oder JU-06. Außerdem gibt es einen Kopfhörerausgang.

Über die MIDI In/Out-Buchsen lassen sich externe Keyboards/Controller anschließen oder beispielsweise weitere Synthesizer der Boutique-Reihe mit dem Vocoder synchronisieren. Auch eine Micro-USB-Buchse gibt es. Sie dient einerseits zur Stromversorgung und andererseits zur Übertragung von MIDI- und Audiodaten von und zu einem Computer, wodurch der VP-03 auch als Audiointerface arbeiten und direkt aus der DAW mit Carrier- und/oder Modulatorsignalen versorgt werden kann (dazu später mehr). Was leider weggelassen wurde, ist ein analoger Eingang für ein Carrier-Signal. Daher ist es nicht möglich, mal eben schnell einen anderen Synthesizer o.ä. anzustöpseln – es sei denn, man geht den Umweg über die DAW und USB. Schade!

Auf dem Frontpanel findet man einen XLR-Eingang, der für ein externes Mikrofon vorgesehen ist. Leider wurde auf eine Kombibuchse (XLR+Klinke) verzichtet, was den Anschluss externer Line-Geräte erschwert. Das mitgelieferte Schwanenhalsmikrofon macht äußerlich einen soliden Eindruck und wird vom VP-03 mit einer Betriebsspannung von 3 Volt versorgt, wofür es den Schalter „Plug-in Power“ gibt. Bei Bedarf kann es durch jedes beliebige dynamische Mikrofon ersetzt werden; dann sollte der Schalter auf „OFF“ stehen. Ein Netzteilnschluss fehlt leider; der VP-03 kann wahlweise über Batterien oder den Micro-USB-Anschluss versorgt werden. Wird die USB-Versorgung abgetrennt, wechselt der VP-03 nicht automatisch auf Batteriebetrieb, sondern muss neu eingeschaltet werden. 

Bedienfeld und Klangerzeugung

Wie der Vorfahre VP-330 ist der VP-03 in die Sektionen Vocoder, Human Voice und Strings aufgeteilt. Die Emulation basiert wie bei den anderen Boutique-Geräten auf Rolands Prinzip des „Analog Circuit Behaviour“ – also der virtuellen Nachbildung der analogen Schaltung auf der Bauteilebene.

Das Grundprinzip der Vocoder-Sektion ist simpel: Der Carrier – die zu bearbeitende Soundgrundlage – wird im Gerät erzeugt oder über USB eingespeist und dann durch den Modulator – meist ein externes Mikrofonsignal – angetriggert und bearbeitet. Je nach Struktur der Formanten, also der Klangcharakteristik der Eingangssignale, variieren die Details im Vocoder-Sound des VP-03. Die Formanten des VP-03-eigenen Carrier-Signals können außerdem im Sub-Menü dahingehend angepasst werden, dass der erzeugte Klang mehr nach einer Frauen- bzw. Männerstimme klingt. Im Gegensatz zu anderen modernen Geräten, die eine Vielzahl an Variationen anbieten, bleibt Roland jedoch beim Carrier-Grundsound dem Original treu und konzentriert sich auf den markanten VP330-Klang. Im Vocoder-Bereich findet man schließlich noch einen Button für Rolands altbekannten und lieb gewonnenen Ensemble-Effekt, der das Signal angenehm moduliert und in ein Stereobild verbreitert. 

Der Roland VP-330 war nicht nur als Vocoder beliebt, sondern auch als String- und Chor-Maschine. Also bietet auch der VP-03 die Sektionen „Strings“ und „Human Voice“, die beide eigenständige Klangerzeugungen sind und nicht vom Mikrofonsignal beeinflusst werden. Mit den Balance-Reglern lassen sie sich dem Gesamtsound beimischen oder auch einzeln verwenden, wenn man den Vocoder abschaltet. Die String-Sektion erwacht mithilfe eines MIDI-Keyboards zum eigenständigen Synthesizer mit regelbarem Attack und Tone. Die einzige weitere Regelmöglichkeit ist die Release-Zeit, die zugleich die Human-Voice- und Vocoder-Sektionen beeinflusst. Beim „Human Voice“-Sound kann zwischen den Fußlagen 8' und 4' gewählt oder auch gemischt werden, außerdem gibt es auch hier einen Ensemble-Knopf. Die Attack-Zeit ist getrennt regelbar, den Release-Regler teilt sich „Human Voice“ mit den Strings und dem Vocoder.

Schließlich ist noch ein einstellbarer Vibrato-LFO an Bord, der auf alle drei Sektionen wirkt. Er bietet Regelmöglichkeiten für Rate (Frequenz), Delay Time (Einsatzverzögerung) und Depth (Modulationstiefe).

Die beiden Ribbon-Controller für Pitch Bend und Modulation können noch weitere Funktionen annehmen, damit auch ohne MIDI-Controller sinnvoll mit dem VP-03 gearbeitet werden kann. Beispielsweise dienen sie zur Tempo/Pitch-Einstellung des internen Step-Sequencers, der zugleich die wesentliche Erweiterung des Funktionsumfangs im Vergleich zum historischen Vorbild darstellt.

Der sechsfach polyphone Sequencer spielt bis zu 16 Steps im Loop und ist mit einem Play/Pause-Knopf ausgestattet, der in Tastenkombination mit anderen Knöpfen dann noch das Einstellen von Parametern wie Swing, Step-Anzahl oder Preset-Auswahl ermöglicht. Der VP-03 bietet insgesamt 16 Speicherplätze für selbstgebaute oder hauseigene Sequenzen.

Auch die Chord-Memory-Funktion gab es beim Vorbild nicht. Diese ordnet einzeln gespielten Tönen bestimmte Akkorde zu, wodurch sich ohne großen Aufwand interessante Harmonieverschiebungen bauen lassen.

Betrachtet man die wesentlichen Funktionen und das Layout des VP-03, dann scheint sein minimalistischer Aufbau im Geiste alter Vintage-Geräte ihm einige Vorteile gegenüber modernen, komplexen Digital-Vocodern zu verleihen. Zugleich bietet er mit dem Sequencer eine zeitgemäße Erweiterung, die gerade im Kontext moderner elektronischer Musik interessant erscheint. Spiegeln sich diese Tendenzen im Klang wider? Wir hören mal rein.

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