Test
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06.03.2018

Praxis

Ich habe den SP-404A auf eine Acid-House Jam-Session mitgenommen, um zu sehen, wie er im Zusammenspiel mit seinen Roland AIRA-Kumpels TR-8, TB-3 und dem Mixer MX-1 performt. Vorher habe ich den kleinen Sampler dafür mit etwas Klangmaterial aus dem Computer bestückt, vor allem atmosphärische Flächen, Drones und SFX, aber auch ein paar langsame Breakbeats.

Sample-Import

Ist die SD-Card z.B. per Card-Reader an einem Computer angemeldet, lassen sich beliebig viele WAV-Files in den Import-Ordner laden. Diese werden beim Import dann in einem Rutsch auf die Pads der angewählten Bank verteilt und zwar nach der alphabetischen Reihenfolge. Man kann diese dann später noch umsortieren oder sollte gleich beim Import darauf achten, die Files entsprechend zu benennen. 

Nach dem Einlesen verbleiben die WAV-Dateien im Import-Ordner und sollten vor dem nächsten Import gelöscht werden. Diese Prozedur ist etwas kompliziert, aber funktioniert, wenn man sie einmal verinnerlicht hat.

Die Samples werden vom SP-404A schön ordentlich nach den zehn Samplebänken und Zahlen („A0000001.WAV“, „A0000002.WAV“ und so fort) durchnummeriert. Vorsicht, die Dateibezeichnungen nicht umbenennen und ihnen womöglich Klarnamen geben: Der SP-404A findet sie dann nicht mehr.

SP-404SX Wave Converter Software

Die per Card-Reader für den Computer lesbar gemachte SD-Card erscheint in einer rudimentären Darstellung auf dem Desktop. Pro Sample-Slot können nun per Import-Dialog WAV-Dateien auf die Karte geladen werden. Aber immer schön ein Sample nach dem anderen. Kein „drag and drop“. Nicht mal kopieren von einem Slot in den anderen ist in der Software möglich, kann aber im Nachhinein im SP-404A erledigt werden. Das Prozedere ist wirklich „letztes Millenium“ und möge als warnendes Beispiel dafür dienen, dass früher tatsächlich nicht alles besser war.

Sampling

Natürlich kann der SP-404A auch selbst sampeln, entweder per Line-Eingang oder auch mit dem integrierten Mikrofon. Bitte erwartet hier keine audiophilen Höchstleistungen, es taugt für spontane kleine Geistesblitze, die so dringend festgehalten werden müssen, dass die Qualität des Mikros egal ist. Natürlich kann auch ein besseres Mikrofon angeschlossen werden. Ganz wichtig: möglichst keine Kunstpausen vor der Aufnahme, denn der Start- und Endpunkt des Samples lässt sich nur sehr fummelig einstellen. 

Das Quellensignal erklingt, sobald der SP-404A in den REC-Modus geschaltet wird. Jetzt kann einer der Effekte dazugeschaltet und mit aufgenommen werden. Natürlich kann DJ den kleinen Roland so auch als Insert-Effekt nutzen. Zum Sampeln benötigt man jedoch einen freien Sample-Slot. Overwrite ist nicht an Bord. Wenn das frische Sample nicht gut gelungen ist, muss der Slot stets erst wieder per „Delete“ freigeräumt werden. Das ist zwar sicher, weil man immer noch mal das zu löschende Sample anspielen muss, bevor man es womöglich versehentlich löscht. Aber es ist auch ziemlich umständlich.

Ist das Sample dann erst einmal im Sampler, sollte der Spaß eigentlich richtig losgehen. Aber der hält sich in engen Grenzen. Die Samples können nicht gepitcht werden. Auch chromatisches Spiel ist nicht möglich. Die Sounds lassen sich wirklich nur triggern, mit Effekten belegen und im Sequencer programmieren. Aber Timestretching funktioniert, wenn auch in bescheidenem Ausmaß. Das Sample lässt sich entweder auf eine konkrete BPM-Zahl oder aber an die Geschwindigkeit des Patterns bzw. der MIDI-Clock anpassen.

Allerdings ist Timestretching auch nicht bis zur Bewusstlosigkeit möglich. Bei einem Beat-Loop mit 85 BPM Originalgeschwindigkeit ist eine Bea-Range von 44 bis 109 BPM möglich, bei 125 BPM die Range von 65 bis 160 BPM. Leider klingt der Timestretching-Algorithmus nicht besonders gut und verändert auch das Timing des Samples. Schön wäre es auch, die Sample-Loops per Trigger-Impuls an das Pattern-Tempo anzupassen. Per Live-Sequencing ist das ausgesprochen fruchtlos. Und Step-Sequencing geht wie gesagt nicht. Dazu fehlt zudem die Möglichkeit, im laufenden Betrieb Sound einzusampeln und takt- oder beatgenau weiter zu loopen.

Der SP-404A ist daher kein sonderlich gut tauglicher DJ-Loop-Sampler. Sampling funktioniert am besten, wenn man abseits der Bühne in aller Ruhe ein Sound-Set vorbereitet. Oder die Sounds – noch besser – einfach importiert.

Effekte

Die Effektsektion ist die Gleiche wie beim SP-404SX. Auf das letzte angewählte oder auch mehrere Pads lässt sich ein Echtzeiteffekt anwenden. Dabei fällt u.a. auf, dass der Sound des Filters sehr harsch klingt und die Resonanz sehr laut werden kann. Voice Transform lässt in bescheidenem Maße Veränderungen der Tonhöhe zu. Mit dem Delay lassen sich interessante Dub-Effekte erzeugen, leider fehlt für den richtigen Dub-Flavour ein Filter im Echo.

Der Isolator cuttet Bässe, Mitten oder Höhen, kann diese aber auch leicht boosten. Der DJ-FX-Looper arbeitet ähnlich wie der Stutter-Effekt in der Roland AIRA TR-8, nur wesentlich weniger vorhersehbar und effektiv. Das Multieffektprogramm schließlich bietet unter anderem einen recht brauchbaren Hallraum. 

Die Qualität der Effekte geht in Anbetracht des Preises in Ordnung. Aber Vorsicht: Gerade der Filter-Effekt kann sehr krasse Übersteuerungen erzeugen. Einige Effekte wie Tape-Delay, Flanger oder Bit Crusher hätte ich mir im direkterem Zugriff anstatt Voice Trans oder dem DJ-FX-Looper gewünscht, aber das geht leider nicht. Hier ein paar Klangbeispiele. Einmal Breakbeat mit den Effekten Filter, Voice Trans, Delay, Isolator, DJ FX und Multi FX, einmal Pad mit den Effekten Filter, Voice Trans, Delay, Isolator, DJ FX und Multi FX.

SP-404A in Aktion

Im folgenden Video demonstriere ich das Sampling, das Timestretching und die sechs Effekte des SP-404A.

Mijk van Dijk macht den Timbaland: Erst sampelt er die eigene Stimme mit dem internen Mikrofon des SP-404A. Dann läuft der Sampler im Sync mit TR-8 und TB-3. Mijk legt nach und nach alle sechs Effekte auf die Stimmsamples.Dann spielt er einen Pad-Sound durch die Effekte. Schließlich triggert er einen Drumloop und verändert die Geschwindigkeit. Dabei offenbart der SP-404A die Grenzen seiner Timestretching-Fähigkeiten: Bei einem Beat mit einer Originalgeschwindigkeit von 85 BPM ist bei 111 BPM Schluss. Dann wird der Beat-Loop mit halber Geschwindigkeit abgespielt.

Roland AIRA TR-8 Zusammenspiel

Interessant ist der SP-404A im Zusammenspiel mit der Roland AIRA TR-8. Ab System-Version 1.5 bietet die TR-8 neben den verschiedenen XOX-Variationen pro Instrument auch noch auf dem äußersten Step ein weißes Pad, das MIDI sendet. Wird es angewählt, wird ein Sample des SP-404A getriggert. Der vorher selektierte TR-8-Sound klingt ebenfalls. Soll nur das Sample erklingen, muss die weiße Taste erneut gedrückt werden. Beim dritten Schalten erklingt wieder nur der TR-8-Sound. TR-8 und SP-404A lassen sich also layern. Gut, MIDI-Triggering funktioniert mit anderen MIDI-Drum-Machines auch und wäre kein Grund für Jubelstürme. Der Clou ist jedoch, dass von der TR-8 angewählt und auch per Kit gespeichert werden kann, ob nur der TR-8-Sound, nur das SP-404A-Sample oder auch beide erklingen und das Sample auf den Lautstärke-Fader des jeweiligen TR-8-Instruments reagiert.

Die Integration ist so tief, dass die 404-Pads nur aufleuchten, wenn auch der Lautstärkefader des zugeordneten TR-8-Kanals hochgezogen ist. Bei runtergezogenem Volume bleibt das 404-Instrument stumm und das Pad dunkel.

Leider reagiert der SP-404A nicht auf andere Regler wie Pitch oder Decay, aber immerhin: Es fühlt sich ein wenig so an, als hätte die TR-8 ein Sample-Upgrade erhalten. Die TR-8 triggert die ersten 11 Pads der Bank A. Natürlich kann nebenbei auch noch ein Pattern des SP-404A im MIDI-Sync mitlaufen. Wird die SP-404A durch den External-Input der TR-8 gesendet, ist die Scatter-Funktion auf die SP-404A anwendbar. In diesem AIRA-Produktvideo wird das schön demonstriert.

Einschränkend muss man leider auch konstatieren: Die TR-8 triggert wirklich nur die Pads 1 - 11 der Bank A des SP-404A an. Wie schön wäre es, wenn jeweils die ersten elf Pads der angewählten Bank gespielt würden – dann hätte man immerhin zehn komplette Sample-Drumkits am Start. So wie es jetzt ist, hat man pro SD-Karteninhalt nur ein per TR-8 triggerbares Kit zur Verfügung. Die übrigen 101 Sampleslots können natürlich nach wie vor per Fingerdrumming oder internem 404-Sequencer gespielt werden.

Sequencer

Ach ja, der Sequencer: Wer bei einem Sampler mit der ikonischen Nummer „404“ einen X0X-mäßigen Step-Sequencer erhofft hat, den muss ich enttäuschen: Step-Recording à la AIRA ist beim „AIRA-Sampler“ gar nicht vorgesehen. Die Programmierung erfolgt ausschließlich in Echtzeit und ist gewöhnungsbedürftig geblieben. 

Gestartet wird ein Pattern per „Select“ und Anwahl eines der blinkenden Patterns. 120 stehen theoretisch zur Verfügung, aber nur bespielte Pattern können auch angewählt und generell abgespielt werden. Möchte man ein leeres Pattern anwählen, muss das erst mal per Aufnahme erzeugt werden. Gestoppt wird mit dem Cancel-Button, der sich zwei Reihen unter dem Select-Button befindet. Besitzer früherer SP-404-Inkarnationen kennen das, für Menschen wie mich, die Sequencer mit dedizierten Start- und Stopp-Tastern vorziehen, ist das erst mal eine Umstellung.

Pattern-Recording ohne den Sequencer anzuhalten, ist möglich, aber das Metronom zählt genau dann los, wenn Record scharfgeschaltet wird, auch mitten im Takt. Wird die Aufnahme ausgelöst, wird nochmals ein einaktiger Vorzähler gestartet und zwar wieder völlig unquantisiert.

Untightes Einklopfen der Beats lässt sich auch mit der Quantize-Funktion nicht befriedigend geradebügeln. So wurde bei meinen Patterns immer die erste Bassdrum auf dem Downbeat verschluckt und tauchte trotz Quantisierung erst wieder im zweiten Takt auf. Wenn das Gerät wenigstens Loops sauber auf dem Downbeat triggern würde. Aber auch das will live eingeklopft werden. Sehr anachronistisch. 

Ebenso schmerzlich fehlen mir brauchbare Echtzeit-Jam-Funktionen. Zu einem programmierten Pattern mit weiteren Sounds dazu zu spielen ist schlichtweg nicht möglich. Erst muss man in den Record-Modus wechseln (der Sequencer stoppt), ein Pattern anwählen (das Metronom beginnt zu piepsen und die Record-Taste zu blinken), dann Record erneut bestätigen (das Metronom zählt einen Countdown herunter, dann startet das Pattern), dann nochmals „Record“ drücken (jetzt blinkt die Record-Taste erneut) und dann kann man endlich, endlich, endlich nach Herzenslust mit den verfügbaren Sounds spielen, ohne dass das Herumprobiere gleich aufgenommen wird. Nein, intuitives Pattern-Sequencing geht im Jahre 2018 anders. Dabei weiß Roland doch, wie es geht. Die AIRA TR-8 und TB-3 sind Musterbeispiele für das gelungene Zusammenspiel von Step- und Live-Recording.

Anwendungsbereich

Für wen eignet sich die SP-404A nun? TR-8-User, die unbedingt Samples triggern wollen, finden hier (ab TR-8-Version 1.50) einen guten Partner für ihre Lieblings-Drum Maschine. Einen prima Job macht der SP-404A im Installationsbereich bei Theatern oder in einem Live-Set, wenn live bis zu 2 GB große Samples, Soundscapes und Drones abgefeuert werden sollen.

Für das unkomplizierte Abspielen von Playbacks ist das Gerät ebenfalls ideal. Vorteil von Laptop oder MP3-Player: Hier kann man im Song hin und her scrollen. Aber wenn man das nicht braucht, ist der SP-404A für diesen Zweck ein guter Zuspieler.

Auch für DJs erscheint das Gerät geeignet als Echtzeiteffektgerät für eingehende Signale und sogar als Recorder zum Aufzeichnen eines Live-Sets. Aufnahmen erfolgen in WAV und können immerhin 2 GB lang sein. Echtzeit-Loopen von eingehenden Signalen ist jedoch nicht möglich.

Zum intuitiven Beats bauen und DAWless jammen ist der SP-404A leider weniger geeignet. Der Sampler befindet sich auf dem Entwicklungsstand von vor 15 Jahren und da waren Live-Sampling, Timestretching und Programmieren bei stets laufendem Sequencer noch nicht selbstverständlich. So bleiben gerade im Standalone-Betrieb viele Ansprüche unerfüllt, die man eigentlich an einen DJ-/Loop-Sampler im Jahr 2018 stellen könnte. 

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