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Test
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25.07.2017

Roland SE-02 Test

Monophoner Analogsynthesizer

Kooperation mit Telekom Electronic Beats

Es ist eine der heißesten Synthesizer-Neuerscheinungen dieses Sommers: Mit dem SE-02 entwickelte Roland in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Synth-Schmiede Studio Electronics einen monophonen Analogsynthesizer mit drei Oszillatoren. Schon der erste Blick auf die Struktur der Klangerzeugung und das Panel macht klar, welcher legendäre "Mini" hier die Inspirationsquelle war, und nimmt man den günstigen Preis von knapp 600 Euro hinzu, dann kann man den SE-02 nur als klare Kampfansage an den kommenden Behringer D auffassen. Soviel aber schon vorweg: Obwohl sich der SE-02 deutlich am Minimoog orientiert, ist er gewiss kein “Klon” und will sich durchaus durch Eigenständigkeit und neue Ideen auszeichnen. Wir hatten die exklusive Gelegenheit, einen der ersten Prototypen des Roland / Studio Electronics SE-02 zu testen.

Dieser Doppeltest entstand in Kooperation mit Telekom Electronic Beats und dem Künstler-Duo Skinnerbox, die den SE-02 im folgenden Video-Review vorstellen. Im Anschluss folgt dann der Test unserer Autoren.

 

Für unsere Review-Kooperation mit Telekom Electronic Beats stellten wir dieses Mal dem Künstlerduo Skinnerbox einen Prototypen des SE-02 ins Studio. Eine Woche hatten die beiden Zeit, sich intensiv mit dem Synthesizer auseinanderzusetzen. Ob sich die Meinung der Künstler mit unserer Erfahrung deckt, erfahrt ihr im Video und im nachfolgenden Test. 

 

Als erstes echt analoges Mitglied der erfolgreichen Roland Boutique-Serie soll der SE-02 vielleicht auch eine Art Wiederbelebung von Studio Electronics' SE-1 sein, der ja ebenfalls stark vom Sound und Konzept des Minimoog inspiriert war. Es scheint, als hätte ein Rennen um die beste günstige Neuinterpretation des monophonen Moog-Klassikers eingesetzt. Wer hat hier die Nase vorn, zumal Moog die Produktion ihrer eigenen, sehr viel teureren Neuauflage kürzlich schon wieder eingestellt haben? Durch den eingebauten, sehr potenten Sequencer, interessante Modulationsmöglichkeiten oder auch das Delay kommt der SE-02 auf jeden Fall schon mal mit mehr Zusatz-Features daher als der noch eine ganze Ecke günstigere Behringer. Der Preis ist heiß und die Freude groß, nun muss der kleine Roland nur noch klanglich überzeugen.

Details

Äußeres

Bei der Größe des SE-02 bleibt Roland seiner Boutique-Serie treu. Das kompakte Format passt wie die anderen Boutique-Geräte zum K-25m Mini-Keyboard, wodurch aus dem Desktop-Synth im Handumdrehen eine alleinstehende Tastatur-Version entsteht. Auch mit dem DK-01 Boutique Dock ist er kompatibel. Die Miniatur-Größe (300 x 128 x 46 mm) ist praktisch für den Transport und lässt den SE-02 in jedem Studio noch Platz finden, jedoch fordert sie auch einige Kompromisse und Abstriche. Einige speziellere der vielen Features sind nur über Tastenkombinationen erreichbar und die winzigen Potis liegen sehr nah beieinander, was großhändige Synth-Enthusiasten in den Wahnsinn treiben könnte. Vor allem bei Potis, die schnell drastische Klangveränderungen hervorrufen können, wie etwa das Feintuning der Oszillatoren, ist es auf dem Panel manchmal arg eng – für unseren Geschmack ist die Miniaturisierung beim SE-02 hart an der Grenze des Erträglichen. Der SE-02 ist ja nicht der erste Mini-Synth, an dem sich in dieser Hinsicht die Geister scheiden. Davon abgesehen, scheint die Verarbeitung des Aluminiumgehäuses aber in Ordnung zu sein, wobei bei unserem Prototypen einige Potis und Schalter noch einen etwas wackeligen Eindruck machten. Es ist zu hoffen, dass bei den Seriengeräten in dieser Hinsicht noch nachgebessert wird.

Bedienfeld und Klangerzeugung

Wie bereits erwähnt, lässt die Aufteilung der Bedienoberfläche keinen Zweifel daran, dass der Minimoog bei den Designern des SE-02 nicht nur im Hinterkopf präsent war. Deutlich wird hier die Struktur des Moog zitiert, mit der Control-Sektion ganz links, den drei untereinander angeordneten Oszillatoren, dem Mixer mit fünf im charakteristischen Zickzack angeordneten Potis, gefolgt von Filter und Envelopes. Allerdings macht sich der Roland das Moog-Design nicht ganz so schamlos zueigen wie der Behringer D: Die Farbgebung ist völlig anders und es fehlen beispielsweise die Moog-typischen Kippschalter. Ein starkes Indiz, dass der SE-02 mehr sein möchte als eine bloße Moog-Kopie.

Beginnen wir mit den Oszillatoren: Es gibt derer drei, die jeweils die Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn steigend und fallend sowie drei verschiedene Varianten der Pulsschwingung erzeugen können. Bei den Oszillatoren 1 und 2 ist der steigende Sägezahn laut Anleitung eine “Kombination aus Dreieck und Sägezahn”, Oszillator 3 liefert hingegen einen reinen Sägezahn. Die Oszillatoren sind als diskrete Analogschaltungen ausgeführt, denen aus Gründen der Stimmstabilität eine digitale Stimmungsüberwachung zur Seite gestellt ist. Pro Oszillator gibt es einen Fußlagen-Wahlschalter, der von 32' bis 2' reicht und wie beim Moog zusätzlich eine Stellung namens "Lo" bietet, die den jeweiligen in einen Tieffrequenzmodus versetzt und somit zu einem LFO macht. Das ist besonders interessant in Verbindung mit der X-MOD-Sektion, zu der wir gleich kommen werden. Oszillator 1 verfügt über ein Tune-Poti, bei den OSCs 2 und 3 stehen Regler für die Feinstimmung bereit. Die Schwingungsform wird pro OSC mit einem Drehschalter gewählt. Ein kleines Schalterchen aktiviert die Synchronisation von OSC 2 zu 1; darunter liegt ein Envelope-Poti, mit dem sich die Filterhüllkurve zur Steuerung von Oszillator 2 heranziehen lässt. Mit dem Schalter KYBD lässt sich OSC3 von der Tastatur entkoppeln und somit zu Modulationszwecken einsetzen.

Die rechts daneben befindliche XMOD-Abteilung sucht man beim Minimoog vergeblich, und spätestens jetzt wird klar, dass der SE-02 ein eigenständiger Synthesizer ist, bei dem der Moog eben nur ein bisschen als Inspiration diente. Hier können sich die Oszillatoren über drei Potis gegenseitig modulieren. Da kommt es natürlich besonders gelegen, dass sie sich einzeln in einen Low Frequency Mode versetzen lassen. Der obere Regler steuert, wie stark OSC2 auf das Filter wirkt. In der Mitte kann man eine Frequenzmodulation von OSC2 durch OSC3 ins Spiel bringen (FM) – hier darf der Oszillator natürlich auch sehr gern im Audiobereich schwingen. Schließlich kann OSC3 die Pulsbreite von OSC 1 und 2 modulieren, was durch das untere Poti aktiviert wird.

Im Mixer treffen sich die Signale der drei Oszillatoren und lassen sich noch um Rauschen und einen Filter-Feedback-Weg ergänzen. Der beliebte Moog-Trick, den Output über den externen Eingang wieder einzuschleifen und so den Sound anzudicken, ist hier also schon eingebaut. Stichwort externer Eingang: Diesen gibt es zwar, er schien aber bei dem von uns getesteten Prototypen noch nicht zu funktionieren.

Nach dem Mixer folgt das Filter, wo der SE-02 mit den typischen Bezeichnungen "Emphasis" für Resonanz und "Contour" für das Poti zur Einstellung der Hüllkurvenintensität abermals viel Moog-Flair versprüht. Zum Einsatz kommt hier klassischerweise ein 24dB-Tiefpassfilter, wie sollte es auch anders sein. Neben den Potis für Cutoff, Emphasis und Contour findet man hier noch zwei Schalterchen, mit denen sich Keytracking um 1/3 bzw. 2/3 aktivieren lässt. Sind beide gleichzeitig aktiv, so beträgt das Keytracking 100%, wodurch sich mit dem oszillierenden Filter Melodien spielen lassen.

Zwei Hüllkurven kümmern sich um Filter bzw. Amp. Sie bieten Attack, Decay und Sustain, aber – Moog lässt grüßen – keine Release-Regler. Stattdessen lässt sich das Release mit einem Schalter für beide oder nur für die Amp-Hüllkurve aktivieren und entspricht dann dem Decay-Wert der jeweiligen Envelope(s). Interessant: Die Amp-Hüllkurve kann statt vom Keyboard Gate auch vom LFO getriggert werden, was durch einen Schalter aktiviert wird.

Stichwort LFO: Der SE-02 verfügt über einen sehr gut ausgestatteten Vertreter dieser Gattung, der rechts von Filter und Envelopes zu finden ist und die Schwingungsformen Sinus, Dreieck, Sägezahn fallend, Sägezahn steigend, Rechteck / Puls (drei verschiedene Breiten), Random und Sample & Hold erzeugt. Mit zwei Reglern lässt sich die LFO-Modulation der Oszillatoren und des Filters regulieren. Praktisch: Mit dem MODE-Schalter kann der LFO nicht nur zur Tastatur synchronisiert werden, sondern auch in einen “One-Shot-Modus” versetzt werden, in dem er seine Schwingungsform nur einmal durchläuft und somit zu einer weiteren, simplen Hüllkurve wird. Ein weiterer Schalter erlaubt die Synchronisation zu einer MIDI Clock, die bei Bedarf auch das Delay betreffen kann.

Selbiges nimmt den Bereich ganz rechts auf dem Panel ein und verfügt über die drei Regler TIME, REGEN(erate) zur Einstellung der Zahl der Wiederholungen und AMOUNT zur Regelung des Effektanteils. Ein simpler Delayeffekt, der aber umso wirksamer sein kann.

Springen wir nun noch kurz nach ganz links in die Control-Sektion, wo sich die Einstellmöglichkeiten für den Glide-Effekt (Zeit und Typ: exponentiell oder linear) und den Effekt des Modulationsrades befinden. Mit dem Regler WHL MIX kann das Verhältnis zwischen XMOD- und LFO-Modulation gewählt werden, das beim Betätigen des Modulationsrades zum Einsatz kommt.

Der untere Bereich der Oberfläche beherbergt eine große Zahl von Knöfpen für globale Einstellungen, Soundauswahl und den Sequencer. Ganz links findet man einen Value-Regler, mit dem man Werte im Display einstellen kann. Ein Druck darauf aktiviert die Speicherfunktion. Eine Tempo-LED zeigt das Sequencer-Tempo an. Daneben liegen eine Reihe von Tastern, die je nach Betriebsmodus (Patch, Step Sequencer oder Song) verschiedene Funktionen kontrollieren, wie etwa Transpose und Octave up/down im Patch-Modus oder Note, Gate, Glide und Parameter beim Sequencer. Jetzt folgen die 16 Step-Taster des Sequencers, die außerdem zur Auswahl von Patches und Songs dienen und vor allem im Sequencer-Modus über Tastenkombinationen noch viele weitere Funktionen zugänglich machen. Sie werden von einem kleinen, 3-stelligen 7-Segment-Display in zwei Blöcke geteilt. Das Display zeigt zum Beispiel Patchnummern an und ermöglicht die Einstellung von Werten wie Shuffle. Die Parameterwerte der Klangerzeugung werden hier jedoch leider nicht angezeigt, was insofern schade ist, weil man sie im Sequencer aufzeichnen kann und eine Anzeige dabei eine bessere Kontrolle böte. Ganz rechts fehlt nun nur noch der MANUAL-Taster, der den Sound auf die aktuelle Stellung der Regler einstellt. In den Sequencer- bzw. Song-Modi dient er als Start / Stop.

Anschlüsse

Rückseitig verfügt der SE-02 über eine Netzteilbuchse (im Gegensatz zu den digitalen Roland Boutique Geräten ist kein Batteriebetrieb möglich), einen kleinen Power-Schiebeschalter und ein ebenso winziges Volume-Poti. Die Audio- und CV-Anschlüsse sind alle als Miniklinkenbuchsen ausgeführt, was zwar bei derartigen Miniatur-Synthesizern üblich ist, aber doch immer etwas semiprofessionell wirkt. Es gibt einen Kopfhörerausgang, einen Mono Line Out und den besagten External Input, der bei diesem Prototypen noch nicht wie geplant funktionierte. Zur Verbindung mit anderen analogen Gerätschaften oder Modularsystemen bietet der SE-02 CV/Gate Inputs und einen zusätzlichen CV Input für den Filter Cutoff. Sie arbeiten im 1V/Okt.-Format. Außerdem sind analoge Trigger-Ein- und Ausgänge vorhanden, die die Synchronisation mit analogen Drum Machines und Sequencern ermöglichen. Auf der digitalen Ebene kommuniziert der SE-02 über MIDI In/Out (inkl. MIDI-CC-Steuerung der Synth-Parameter) und USB, wobei die USB-Verbindung sogar Audio überträgt, sodass man den SE-02 direkt in der DAW aufnehmen kann. Dazu muss ein spezieller Treiber installiert werden.

Ein Punkt, in dem der Roland SE-02 gegenüber dem Behringer D den Kürzeren zieht, ist das Fehlen von Patchpunkten in der Klangerzeugung. Während man beim Behringer an verschiedenen Stellen im Signalweg Audio- und Steuersignale abgreifen und einspeisen kann, präsentiert sich der SE-02 als fest verdrahteter Synthesizer. Modular-Enthusiasten könnten daher versucht sein, zum Behringer zu greifen. Betrachtet man den SE-02 als in sich geschlossenen Synthesizer, dann stört das Fehlen nicht, da die Modulationsmöglichkeiten auch ohne Patchpunkte umfangreich und vielseitig sind.

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