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Test
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23.04.2015

Praxis

Die Qual der Wahl: Aufnahmeformate und Eingangskonfiguration

Der mobile Digitalrecorder Roland R-26 nimmt Audio-Daten im unkomprimierten Wav-Format auf und bietet die üblichen Auflösungen zwischen 44,1 kHz und 96 kHz bei wahlweise 16 oder 24 Bit. So lange der Recorder im 2-Channel-Mode ist und folglich nur ein einzelner Stereo-Track erzeugt wird, steht zudem das platzsparende MP3-Format in drei Qualitätsstufen (128 kbps, 160 kbps und 320 kbps) zur Auswahl. Bei entsprechenden Einstellungen lassen sich Wav- und MP3-Versionen auch gleichzeitig erstellen. Zur Betriebsdauer gibt es keine offiziellen Angaben, in unserem Test lag sie bei batteriebetriebener Aufnahme ohne Phantomspeisung aber bei grob sieben bis neun Stunden. Beim R-26 handelt es sich also nicht unbedingt um einen Großmeister der Energie-Effizienz — man bedenke dabei auch, dass der Recorder von vier AA-Batterien betrieben wird und mancher Konkurrent mit nur zwei Batterien weit länger durchhält. Vor allem für Marathon-Aufnahmen empfiehlt sich die Verwendung des Netzteils.  

Bei all den vielen Anschlüssen und Mikrofonen, die der R-26 bietet, ist die Konfiguration der Eingangskanäle natürlich ein vorrangiges Thema. Soll der Stereo-Track die Signale aus den internen Mikrofonen in anpassbaren Verhältnissen mischen oder doch nur eines der beiden Stereo-Pärchen verwenden? Hängen externe Mikrofone an den Eingangsbuchsen und soll für diese ein gemeinsamer Stereo-Track oder jeweils ein Mono-Track angelegt werden? Oder soll doch lieber der Plug-In-Eingang an der Seite verwendet werden? All dies ist möglich und dank der Tochscreen-Navigation kinderleicht umsetzbar. Auch in den 4-Channel- und 6-Channel-Modes, in denen der Recorder zwei bzw. drei separate Stereo-Tracks für die entsprechenden Eingangskanäle erzeugt, behält man dank der verschiedenen Voreinstellungen zum Routing den Überblick.

Hat man sich für einen Recording-Mode und die passende Kanalauswahl entschieden, dann steht als nächstes das Aussteuern des Eingangspegels an, und auch dafür bietet der Roland R-26 eine Hilfestellung. Die Auto-Sens-Funktion hält sich glücklicherweise damit zurück, den Pegel während der Aufnahme von selbst nachzuregeln, was sich bei manchen vergleichbaren Recordern durchaus als störend erweisen kann. Der R-26 lässt sich dagegen in eine Sens-Phase versetzen, in der man ihm idealerweise das Maximum an zu erwartendem Schalldruck vorspielt. Der Recorder passt darauf die grobe Empfindlichkeit der Mikrofone automatisch an und macht auf dem Display eine Angabe zur empfohlenen Feinaussteuerung über die Input-Regler, die man dann wiederum selbst anpassen kann beziehungsweise muss. Wer dieses Feature verwendet und zur Sicherheit noch ein wenig Headroom lässt, der wird kein Problem mit Übersteuerungen haben, solange keine unvorhersehbaren Naturkatastrophen eintreten. Trotzdem gibt es aber entsprechende Limiter, die genauso wie die Low-Cut-Filter für alle Eingänge separat schaltbar sind, besagte Naturkatastrophen natürlich nicht verhindern, aber im Notfall zumindest eine Aufnahme retten können. Am Rande bemerkt: Die kleine Peak-LED unterhalb des Touchscreens reagiert etwas nervös, und wenn sie kurz einmal aufblinkt, bietet sich in der Regel noch längst kein Grund zur Sorge. 

Ein wenig komplizierter wird das Aussteuern nur in den exotischeren Fällen des 6-Channel-Modes. Wenn beispielsweise jeweils ein Stereo-Track für die zwei Analog-Eingänge, den seitlichen Plug-in-Eingang und das XY-Mikrofon erzeugt werden soll, dann pegelt man über die Input-Regler nur die Analog-Eingänge. Den Rest muss man über den Touchscreen erledigen, und das ist natürlich nicht ganz so komfortabel, funktioniert aber ebenfalls und bietet keinen Grund zur Klage. Diese Lösung ist allenfalls noch besser, als den armen Roland mit sechs Input-Reglern zu bepflastern, die dann doch nur in den selteneren Fällen genutzt werden. 

Klang der internen Mikrofone

Die ersten drei Tracks in unserem Player bieten einen Vergleich zwischen den beiden internen Mikrofon-Pärchen und zusätzlich eine nachträglich erstellte Mischung. Die Aufnahmen wurden im 4-Channel-Mode gemacht, was es ermöglichte, die Signale der Mikrofone getrennt im gleichen Take aufzuzeichnen. Etwas ernüchternd wirkt der Klang des XY-Mikrofons. Die beiden direktionalen Kapseln fangen die Räumlichkeit zwar gut ein, wirken aber etwas dünn und bisweilen unangenehm scharf. Die Omni-Kapseln erzeugen dagegen einen Klang, der zwar nur geringe Stereo-Breite bietet, die Schärfe der XY-Mikros mit seiner weit runderen Wärme aber wieder ein Stück weit ausgleicht. Wenn die beiden Pärchen gemischt werden, kann man durchaus von einer stimmigen Ergänzung sprechen, die zu einem letztendlich doch noch recht runden Gesamtklang führt.

Für die Schlagzeugaufnahmen, die mit einem voreingestellten Mix aus den internen Mikrofonen aufgenommen wurden (Omni:XY bei etwa 3:1) gilt grundsätzlich das Gleiche wie für den von Hand erstellten Mix. Dass zusätzlich noch ein AKG D112 und ein Shure SM57 als Direktmikrofone an Bassdrum und Snare mit aufgenommen werden konnten, sorgt aber natürlich für eine ganz andere Klangwelt. Die abschließende Atmo-Aufnahme wurde in einem Supermarkt gemacht — ebenfalls mit einer Mischung aus beiden internen Mikrofon-Pärchen.  

Die weiteren Talente

Neben seiner Kernkompetenz (der Aufnahme) bietet der Roland R-26 noch einige Zusatzfunktionen, die für Recorder dieser Größenordnung inzwischen fast zum Standard gehören. So kann man mittels aktivierter Pre-Recording-Funktion dafür sorgen, dass die letzten zwei Sekunden vor dem Start eines Recordings noch mit eingefangen werden. Die Auto-Start-Funktion beginnt dagegen ähnlich wie ein Selbstauslöser an einer Kamera einen Countdown oder startet die Aufnahme durch das Überschreiten einer Lautstärkeschwelle. Während einer Aufnahme oder Wiedergabe können Marker gesetzt werden oder Split-Punkte zum Beginnen eines neuen Files gesetzt werden, wobei die maximale Dateigröße aufgrund von internen Beschränkungen bei 2 GB liegt. Wird diese Grenze überschritten, setzt der Recorder die Aufnahme jedoch vollautomatisch und nahtlos in einer neuen Datei fort. 

Das Zuschneiden von Aufnahmen ist bereits im R-26 möglich, auch wenn dies an einem Computer natürlich unkomplizierter ist. Nicht ganz so selbstverständlich ist dagegen, dass der Recorder auch eine Funktion zur Multichannel-Wiedergabe bietet. Wer im 6-Channel-Mode aufgenommen hat, der kann die einzelnen Kanäle separat in der Lautstärke anpassen, tiefere Mixing-Funktionen oder gar Stereo-Mixdowns „in the Box“ stehen dagegen nicht im Angebot. Dafür können aber zumindest einzelne Stereo-Tracks auch im Nachhinein aus dem Wav-Format in Mp3-Files gewandelt werden, und auch ein Anpassen der Wiedergabe-Geschwindigkeit bei gleichbleibender Tonhöhe ist möglich.

Eine Nebenfunktion als Metronom oder Tuner gibt es im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten nicht. Ob man diese vermissen wird, liegt wohl an den persönlichen Präferenzen. Dafür funktioniert der Roland R-26, wenn er über USB mit einem Computer verbunden wird, als ein kleines Audio-Interface mit zwei Eingangskanälen. Diesen Kanälen kann man ganz ähnlich wie im 2-Channel-Mode die internen Mikrofone, die Analog-Eingänge oder den seitlichen Plug-in-Eingang zuweisen, wobei die Stromversorgung in diesem Fall über das USB-Kabel läuft. Direct Monitoring, also das Mithören des anliegenden Signals, ist natürlich möglich, und interessanterweise kann der R-26 unabhängig von einer laufenden Aufnahme im Computer auch noch zusätzlich auf die SD-Card aufnehmen. Unter Windows schlägt sich der Handheld-Recorder im Zusammenspiel mit dem ASIO-Treiber, der von der Roland-Website heruntergeladen werden kann, überraschend wacker. Die Performance ist angenehm stabil und die Latenz liegt bei geringster Buffersize bei etwa 10 Millisekunden, was für Monitoring durch den Rechner gerade noch im annehmbaren Bereich liegt. Das macht die Konkurrenz mit neueren Recordern zum Teil längst nicht so gut. 

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