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08.03.2021

Roland JUNO-60 Test

Klassischer Juno-60 als Software-Synthesizer-Plugin

Effekte, Arpeggiator und zweite Hüllkurve

Der Roland Juno-60 ist inzwischen vielfach kopiert worden: In verschiedenen Hardwarevarianten, so etwa mit dem Roland Boutique JU-06, und wahrscheinlich noch häufiger als Software. Alle angesagten Emulationen findet ihr im übersichtlichen Vergleich in unserem Bonedo-Feature. Dort ist auch der bereits etwas länger verfügbare Roland Juno-106 vertreten. Nun folgt in der Roland Cloud sein berühmter Vorgänger, der Juno-60, dessen klanglichen Eigenschaften wir in diesem Test einmal genauer beleuchten. Im Abo-Modell „Ultimate“ ist der Juno-60 bereits enthalten. Der Lifetime-Key ohne dauerhafte Abo-Bindung beläuft sich auf 149 US-Dollar. 

Mit dem Juno-60 erwirbt man übrigens auch einen Synthesizer im Plugout-Format, der sich in Rolands System-8 integriert. Für Livekeyboarder, die ohne Laptop auftreten möchten, ist das eine praktische Zugabe. Sowohl mit der Hardware System-8 als auch mit dem JU-06 aus der Boutique-Serie sind alle Parameter des Juno-60 steuerbar.

Details & Praxis

Bis auf weiteres konzepttreu

Schon optisch ist es ganz ein klassischer Juno-60. Das GUI lässt sich frei skalieren und stellt die bekannte Benutzeroberfläche des Roland-Klassikers auf jedem Monitor sehenswert dar. Ein DCO, der durch einen Suboszillator und einen Rauschgenerator unterstützt wird, bietet die Wellenformen Sägezahn und Rechteck sowie eine Pulsbreitenmodulation. Das Filter setzt als resonanzfähiger Tiefpass an und stellt außerdem noch einen Hochpassfilter bereit, bei dem man zwischen einer Juno-60- und Juno-106-Charakteristik wählen kann.

Eine Abweichung vom originalen Konzept: Filter und Lautstärke müssen sich nicht eine Hüllkurve teilen, denn der Juno-60 aus der Roland Cloud bietet zwei separate Hüllkurven. Ansonsten bleibt es bei der recht einfachen Parameterstruktur. Drei Effektblöcke runden den Sound des Instruments ab. Natürlich steht der geliebte Chorus mit seinem typischen Grundrauschen an erster Stelle. Als Variante kommt der Boss CE-1 hinzu und natürlich gibt es neben Overdrive auch Delays und Reverbs. Das ist ein gutes Aufgebot, wobei vor allem die Qualität des Reverbs eher bescheiden ist. Nicht zu verschmähen ist der temposynchronisierbare Arpeggiator und der Fakt, dass der Software-Juno zwei Stimmen mehr bietet und dynamisch spielbar ist.

Klingt der virtuelle Juno-60 von Roland anders als seine neuere Variante Juno-106?

Wie die anderen Synthesizer aus der Roland Cloud klingt der Juno-60 ziemlich authentisch. Für den Start gibt es zwei Bänke mit jeweils 64 Patches, die schon klar aufzeigen, dass der Juno-60 so vielseitig einsetzbar ist wie sein Original. Künftig werden in der Cloud sicherlich Presets nachgereicht, so wie die beiden Sets “CyberCity“ und „Synthwave“ mit jeweils 32 Sounds.

Es ist aber auch keine Challenge, seinen eigenen Sound am Juno-60 zu erstellen, denn das GUI ist angenehm lesbar und die Regler wie Knöpfe überschaubar. Die eigentliche Frage lautet: Gibt es denn größere Unterschiede zwischen dem virtuellen Juno-60 und dem Juno-106? Um dies herauszufinden, haben wir einige Fallbeispiele vorbereitet, die eine Antwort liefern.

Fallbeispiele Juno-60 versus Juno-106

Zunächst liefern wir uns eine Filterfahrt mit einem Sägezahn-DCO. Die Filterresonanz ist halb aufgedreht, Chorus 1 ist eingeschaltet. Wie anhand der beiden ersten Audio-Demos zu erfahren, sind zwar Differenzen zu hören, aber noch nicht besonders deutlich. Mit dem zweiten Beispiel ändert sich das: Wir verwenden die Filterhüllkurve mit einem moderaten Filter-Decay bei maximaler Intensität und einem Minimum für den Cutoff-Wert. Diese Einstellungen werden 1:1 auf die beiden Synthesizer übertragen.

Zur Überraschung verhalten sich Juno-60 und -106 klanglich unterschiedlich, wie Hörbeispiele 3 und 4 demonstrieren. Das ändert sich auch nicht, wenn der Sub-Oszillator mit der Rechteckwellenform unisono geschaltet wird. Die Basssequenzen von Demo 5 und 6 unterscheiden sich eindeutig. Beim letzten Fallbeispiel nehmen wir eine Pulsbreitenmodulation per LFO und Chorus 1 zum Vergleich. Wieder sind klare Unterschiede zwischen den beiden Juno-Emulationen akustisch wahrnehmbar.

Auf den Punkt gebracht: Der Juno-60 ist ein idealer Retro-Synth, während der Juno-106 mit seinem bratzigen Gesamtsound eher „moderner“ klingt und sich für technoide Musik anbietet. Dieser etwas aggressivere Sound wird auch am Hochpassfilter deutlich. Beim emulierten Juno-60 findet sich die Option, den Hochpass entweder mit der Charakteristik des Juno-60 oder den Juno-106 zu verwenden. Beim entsprechenden Audio-Demo bitte genauer auf den Bassbereich achten.

Bonedo Patches

Die Patches für die Klangbeispiele habe ich selber mit dem Juno-60 erstellt. An erster Stelle steht ein „Polysynth“, der aus dem DCO mit Pulsbreitenmodulation plus ein wenig Suboszillator besteht und mit dem Chorus 2 viel Wärme und Fülle bekommt. Die Filtermodulation ist per MIDI-Controller erfolgt, praktisch alle Parameter des Juno-60 lassen sich per „MIDI Learn“ frei zuweisen. Richtig viel Filterresonanz ist beim „Leadsynth“ zu spüren, der auf Velocity reagiert. Beim „Sweep Pad“ kommen zwei Chorus-Effekte hintereinander zur Geltung, was einen breiten warmen Sound erzeugt. Der „Bass“ ist ein stark gefilterter Sägezahnoszillator ohne Effektzugaben. Beim „Brass“ kommt ebenfalls ein Sägezahn, allerdings mit anderen Einstellungen für die Filterhüllkurve. Der „Arpeggiator“-Sound nutzt subtil den Overdrive aus der Effektsektion des Juno-60.

Was könnte optimiert werden?

Im Grunde hat Roland schon einen großen Publikumswunsch erfüllt: Anders als der originale Juno-60 verfügt die Emulation über zwei Hüllkurven. An der Architektur sollten keine Eingriffe vorgenommen werden – ein Juno muss da einfach original bleiben. Allerdings könnte man den Unisono-Mode durch die Parameterstereobreite und die Verstimmung erweitern, die sich  detailliert bearbeiten lassen. Bei der Effektsektion sollte unbedingt noch ein Phaser ergänzt werden. Darüber hinaus könnte Roland über ein neues Browsersystem nachdenken, das – wie bei der Arturia V-Collection – Presets aller Cloud-Instrumente übergreifend kategorisiert. Es wäre klasse, wenn noch einige Presets für den Juno-60 hinzukämen, denn die Preset-Auswahl ist bei vergleichbaren Emulationen einfach größer.

Fazit

Zugegeben, mit dem Arturia JUN-6V sind weitaus modulativere Klänge möglich, während etwa der TAL U-No-LX preiswerter ist. Dennoch vermittelt der Roland Juno-60 am besten das Gefühl, das sich auch bei der Arbeit mit dem klassische DCO-Synthesizer einstellt. Er klingt tatsächlich anders als der Roland Juno-106 – im Original und erfreulicherweise auch als Emulation. Wer Synthesizermusik im Stile der 80er Jahre produziert, findet mit dem Juno-60 den passenden Kandidaten. Er macht genau das, was man von einer Emulation erwartet – nicht mehr, nicht weniger. Insgesamt bekommt man ein souveränes Instrument, auf das man beim Produzieren gern zugreift und das den Nutzwert der Roland Cloud nochmal erhöht.

  • PRO
  • Klassischer DCO-Sound des Roland Juno-60
  • Großes fotorealistisches GUI
  • Einfache Bedienung
  • Flexibel nutzbare Klänge
  • Interner Delay-FX
  • CONTRA
  • kein Contra
  • FEATURES
  • Hersteller: Roland
  • Name: Juno-60
  • Typ: Synthesizer / Roland Juno-60 Emulation
  • Systemvoraussetzungen: Ab Windows 10, Mac OS X ab 10.13
  • VST3, AU, AAX (64-bit)
  • PREIS
  • Preis ca. 149 USD

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