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Test
3
02.03.2012

PRAXIS

Das FP-7F allein aufzubauen bzw. überhaupt erst einmal aus seinem Karton zu befreien, ist schon eine recht schweißtreibende Angelegenheit. Dieses Instrument ist wuchtig und schwer. Optional bietet Roland auch einen passenden Ständer aus massiven Teilen an. Der KSC-44 genannte Untersatz ist ebenfalls Bestandteil dieses Tests. Mit vier Schrauben werden die zwei Seitenteile des Ständers mit dem Mittelstück verbunden. Anschließend wird das FP-7F dann mit vier weiteren Schrauben von unten am Ständer fixiert. Wenn das fertig ist, erhält man einen schicken, soliden Aufbau, der auf Gummifüßen ruht. Hier wackelt oder klappert nichts. Ein Notenständer, der an der Rückseite des FP-7F befestigt wird, gehört mit zur Grundausstattung.

Natürlich kann man das FP-7F aber auch auf einen „normalen“ Keyboardständer stellen und sich den originalen Roland-Ständer sparen. Gerade Live-Musiker werden wohl zu dieser Variante greifen. Neben dem ansteckbaren Notenständer gehören eine deutsche und eine englische Bedienungsanleitung, ein Sustainpedal und das externe Netzteil zum mitgelieferten Zubehör.

Ich schalte das Instrument an und spiele ein paar Takte mit dem ersten Grand Piano Sound „SuperNATURAL Piano“. Mein erster Eindruck ist: Die Tasten der  „PHA III Ivory Feel-S“-Tastatur schmeicheln mit ihrer Elfenbein-ähnlichen, leicht rauen Oberfläche den Fingerkuppen. Das "Fingernägelklappern", das man von vielen anderen Tastaturen kennt, ist hier deutlich abgeschwächt. Die Mechanik ermöglicht ein nuanciertes Spiel von PPP bis FFF, und wer die Anschlagempfindlichkeit anpassen möchte, dem stehen dafür mehrere Härtegrade zur Auswahl. Auch fixed Velocity ist wählbar. Der Regelweg der Tasten ist verhältnismäßig lang, so wie man das von einem Flügel her kennt. Auch verfügen die Tasten über einen Druckpunkt. Das ist ein subtiler aber fühlbarer Widerstand, der nach ca. einem Drittel des Weges auftritt. Ein weiteres Merkmal „echter“ Flügeltastaturen.

Der Klang, der aus den eingebauten Lautsprechern kommt, ist detailreich, recht räumlich und klar. Man kann durchaus sagen, dass dies täuschend echt nach einem Flügel klingt. Die Lautsprecher machen einen guten Job. Will man jedoch tiefe Donnerbässe hören, sollte man das FP-7F lieber an eine entsprechend ausgestattete Abhöranlage anschließen, denn das ganze klangliche Volumen eines Flügels können die relativ kleinen eingebauten Boxen natürlich nicht wiedergeben. Beim Fortissimo in den tieferen Lagen verzerrt der linke Lautsprecher gelegentlich, und wenn man sein Ohr direkt über die Gitterverkleidungen der Boxen hält, hört man ein leises Rauschen. Nicht schlimm, aber den Perfektionisten könnte es stören. Wer die internen Lautsprecher nicht benutzen will, der kann sie mit einem Knopf auf der Rückseite abschalten.

Noch eine kleine Randnotiz: ein direkter Vergleich mit dem kleinen Bruder FP-4 in Bezug auf Tastatur und Klang offenbarte ein klares Ergebnis. Ohne das FP-4 herabwürdigen zu wollen: Wer noch zwischen diesen beiden Roland-Modellen schwankt und höchste Ansprüche ans „Flügelfeeling“ hat, der sollte den großen Bruder, das FP-7F wählen.

Die anderen Klänge des FP-7F haben mich nicht so begeistert. Der zweite Flügel-Sound ist passabel, setzt sich aber vom Grundklang her nicht wesentlich vom Ersten ab. Die Upright-Klaviersounds sind okay, wirken aber etwas „unspeziell“. Schade, hier hätte ich mir mehr gewünscht! Gemessen am Klang der originalen Rhodes- und Wurlitzer-Instrumente sind die E-Pianos des FP-7F enttäuschend; sie klingen statisch und unrealistisch. Dennoch mag man hier aber fündig werden, wenn man mal eben schnell etwas „Funkiges“ oder „Jazziges“ aus dem Hut zaubern will (oder muss).

In der gleichen Kategorie werden auch noch Vibraphon-, Clavinet-, Celesta, Steeldrum- und Marimba-Klänge angeboten. Unter den weiteren „Tone“-Tastern findet man Orgeln, Streicher und Pads. Auch für diese Sounds gilt: Für meinen Geschmack sind sie nur bedingt brauchbar; da gibt es deutlich Besseres auf dem Markt. Schön ist, dass man bei einigen Orgel-Klängen die Zugriegeleinstellungen beeinflussen kann und es für diese Sounds einen zuschaltbaren Leslie-Effekt gibt. Dieser ist klanglich zwar eher mäßig, aber immerhin. Theoretisch ließen sich die Zugriegel der Orgel-Patches zwar auch live steuern; das Editieren über das Display dürfte in der Praxis auf der Bühne aber zu kompliziert sein. In den übrigen Kategorien werden noch Gitarren, Bässe, Bläser sowie ein komplettes GM2-Kit geboten, das auch einige Drum Sets enthält. Das FP-7F bietet also einen Rundumschlag in Sachen Sounds, für meinen Geschmack aber in der Summe leider mehr Quantität als Qualität. Doch bevor es hier zu negativ wird, sei noch einmal betont: Das FP-7F definiert sich als Digitalpiano, und auf dem Gebiet des Flügelklangs liegt auch ganz klar seine Stärke!

Alles, was man an einem Klang editiert, ist auch sofort und am gleichen Ort gespeichert. Das Anlegen von User-Sets oder die Veränderung der Reihenfolge der Patches sind leider nicht vorgesehen.

Looper

Der Looper ist ein feines Feature zum Jammen und Spaß haben. Auch zum Üben kann man sich damit schnell ein kleines Play-Along zusammenschustern. Die Bedienung ist recht leicht zu verstehen und alles funktioniert hier so, wie es soll. Für die Bühne ist der Looper aber eher nichts, zumindest nicht im Sinne der typischen Technik von Loopstation-Künstlern. Beim FP-7F liegt immer ein Schlagzeug- oder Schlagzeug/Bass-Pattern zugrunde (das man allenfalls leise stellen kann) und das Tempo wird nicht durch die erste aufgenommene Phrase definiert, sondern global am FP-7F eingestellt. Erst kommt der Einzähler und dann wird geloopt, bis einem die Ideen ausgehen ...

Session Partner

Session Partner ist eine intelligente Begleit-Band Automatik, die Arrangements aus vielen Stilistiken anbietet - jeweils mit Intro, Hauptteil, Outro und einem Variationsmodus. Im Display wird immer die gerade erklingende und die als nächstes kommende Harmonie angezeigt. Aber das ist noch nicht alles. Session Partner bietet darüber hinaus als Option eine automatische Akkorderkennung, mit der sich die Harmonien den auf der Tastatur gespielten Tönen anpassen. Das funktioniert in den meisten Fällen auch ganz gut. Wer die Harmonien gezielter steuern will, der hat die Möglichkeit die Tastatur in zwei Bereiche zu teilen und beispielsweise mit der linken Hand lautlose Akkorde zu spielen, die Session Partner dann als Harmonien verwendet. Der rechte Tastaturbereich steht in diesem Fall zum (hörbaren) Spielen von Tönen zur Verfügung. Um Soli oder rhythmisches Spiel zu üben, ist das eine gute Sache. Der Klang der Session Partner Playbacks ist, nun ja, quantisierter GM2-Standard. Man höre und urteile selbst:


Audio Key

Audio Key macht es dem Musiker leicht, der gerne zu Playbacks übt oder Aufnahmen und Samples in seine Performance mit einbezieht. Über den USB-Steckplatz kann das FP-7F WAV- oder MIDI-Files lesen. Die Bedienung des Players gestaltet sich recht einfach. Um mit Sample- oder Part-Mappings zu arbeiten, sollte man sich die kostenlose Software „Audio Key Utility“ bei Roland herunterladen. Damit kann man die Tastenbelegung schnell und komfortabel vornehmen. Die Transponierung der Tonhöhe und Verlangsamung bzw. Erhöhung des Tempos funktioniert bei kleinen Werten recht gut, das gilt auch für die „Center Cancel“-Funktion für Karaoke-Zwecke. Allerdings erzeugt diese auch einen metallischen Klang. Enthält eine Datei einen Liedtext, kann er auf dem Display angezeigt werden und läuft im Karaoke-Stil mit.

Mic Harmony

Um den Vocal Harmonizer zu nutzen, muss man zuerst ein dynamisches Mikrofon an der entsprechenden Klinkenbuchse anschließen. Der Effekt erzeugt nun zur Singstimme weitere Chorstimmen, die harmonisch passen bzw. sich an den Akkorden orientieren, die man auf der Tastatur spielt. Wer es genau wissen will: Man kann die genauen Noten der Chorstimmen nicht vorgeben. Sie werden aus den Harmonien abgeleitet und richten sich in puncto Lage immer nach der Hauptstimme. In den tiefen Lagen klingt der Harmonizer etwas matschig und brummig, und manchmal entstehen auch ungewollte Wackler, wenn man die Töne nicht sofort trifft. Mit einer sauberen Intonation kommt man hier aber zu ganz erfreulichen Ergebnissen! Das Harmonizer-Setting „Trio“ hat mir am besten gefallen. Das Quartett klingt oft überladen bis dröhnig, und beim Duett klingt die zweite Stimme schon arg künstlich und springt für meinen Geschmack zu viel um die Hauptstimme herum. Mal oberhalb, mal unterhalb ... Entscheidend bei allen Harmonizer-Settings ist aber immer auch die Mischung im Gesamtmix.

Hervorzuheben ist, dass man Looper, Session Partner, Audio Key und Harmonizer in ihren wichtigsten Funktionen auch per Fußpedal steuern kann! Und die Tatsache, dass das mitgelieferte Sustainpedal über eine ausklappbare Anti-Wegrutsch-Fußmatte verfügt, ist fast als genial zu bezeichnen.

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