Hersteller_Radial_Engineering
Test
3
09.11.2017

Radial Engineering Key-Largo Test

4-Kanal Stereo-Mixer mit USB-Soundkarte und Midi

Der Problemlöser

Es gibt ja im Grunde zwei Arten von Produkten. Da sind auf der einen Seite die,von denen man weiß 'aha, das kommt von einem Hersteller, deren Pipeline vorsieht, halbjährlich Neuheiten auf den Markt zu bringen - also haben sich die Entwickler mal wieder was Neues überlegt'. Und die anderen, wo man das Gefühl hat 'Mensch, da hat offenbar jemandem ein Problem unter den Nägeln gebrannt und hat deshalb etwas gebaut und bringt das jetzt auf den Markt'. Der Key-Largo fällt ganz klar unter die sympathische letztgenannte Kategorie, denn er setzt sich mit seinen Funktionen genau in eine Nische. Hier ist es die Leerstelle, die irgendwo zwischen Sub-Mixer, Soundkarte, Midi-Interface und Bodentreter liegt. 

Konzeptionell handelt es sich beim Key-Largo um einen 3-Kanal Stereo-Mixer mit integrierter USB-Soundkarte (USB ist der vierte Kanal) und Midi-Interface, einem Effekt-Send pro Kanal und zwei Tastern, von denen der Eine die Effektschleife aktiviert, der Andere als Sustain-Schalter agiert. So simpel ist das. Aber die Einfachheit einer Idee zeigt bekanntermaßen, wie gut sie ist und tatsächlich dauert es nur einen kurzen Augenblick und man versteht schlagartig, dass sich mit dem kompakten Key-Largo eine ganze Reihe an Live- und Studio-Szenarien im Griff halten lassen, für die man sonst mindestens drei einzelne Geräte zum Einsatz bringen müsste: Einen Mixer, eine Soundkarte, ein Midi-Interface und gegebenenfalls sogar noch ein Bodenpedal. Abgesehen vom Management einer Keyboardburg, fällt einem hier natürlich sofort der neuzeitliche Hybrid-Computermusiker als dankbarer Anwender ein, der neben dem Ausgang des Rechners vielleicht noch ein bis zwei externe Klangerzeuger und Grooveboxen samt Effektgerät unter Kontrolle halten muss. Ob der Key-Largo alle Erwartungen an ein schlankes Setup erfüllen kann, haben wir entsprechend neugierig ausprobiert.

Details

 

Auspacken

Der Key-Largo reist in einer einfachen Pappschachtel ohne weitere Sicherung gegen Verrutschen beim Transport. Das ist in Anbetracht des Gewichts schon ein kleines Bisschen gewagt. Man kann es aber auch in das volle Vertrauen des Herstellers in die Stabilität ihres Produktes werten. Neben dem Key-Largo selbst enthält die Verpackung ein Netzteil mit auffälligem rotem Kabel, eine gut geschriebene englische Anleitung sowie einen ziemlich schicken, 8 GB fassenden USB-Stick im flachen Schlüsselformat. Auf diesem finden sich die Windows-Treiber, das Manual und ein Demo-Video.

Erster Eindruck

Direkt nach dem ersten Handkontakt ist klar: Der Key-Largo ist ein Panzer. Gut 1,5 Kilo bringt die kleine Box auf die Waage. Das ist allerdings auch kein Wunder, wenn man sieht, dass sie komplett aus 2,1 Millimeter dickem Stahl gefertigt ist: Das ist eben solides Bodeneffekt-Design und kein fimschiger Controller-Kram. Auch der Griff zu den Potis ist vertrauenserweckend: Sie sitzen fest und ohne Spiel in ihren Achsen. Relativ stramm ist allerdings auch der Drehwiderstand der Potis – besonders in der FX-Reihe. Versehentliches Verstellen sollte hier also nicht so leicht passieren. Auch Fehler beim Verkabeln sollten eher unwahrscheinlich sein, denn die Buchsen sind sowohl von oben, als auch hinten beschriftet.

Anschlüsse

Gehen wir die Buchsen – in der logischen Reihenfolge Input zu Output - von rechts nach links durch: Zunächst kommen die drei Stereo-Klinken-Eingänge, die – steckt man nur den linken Kanal ein – zu Mono-Inputs werden. Es folgt die Send/Receive-Schleife in Form von zwei Stereo-Klinkenbuchsen. Daran an schließt sich ein symmetrischer Monitor-Out (Klinke) und der Main-Out in Form von zwei symmetrischen XLR-Buchsen. Weiter nach links folgt dann eine weitere - mit Volume beschriftete – Stereo-Send/Receive-Scheife. Diese ist den Eingängen nachgeschaltet und dient primär dazu, ein Stereo-Schweller-Pedal anzuschließen und so die Gesamtlautstärke mit dem Fuß zu regeln.

Alternativ kann man diesen Weg natürlich auch als Master-Insert benutzen, was für viele Live-Setups extrem hilfreich sein kann: Sei es, dass man einen Master-Effekt im Stil eines Kaoss-Pads oder einen Summen-Kompressor/EQ einschleifen will. Es folgen noch ein USB-Port zum Betrieb der 24Bit/96kHz-Soundkarte und die Buchse zum Anschluss des Netzteils. Der Blick auf die Seiten, zeigt rechts einen DIN-Midi-In/Out und eine Buchse zur Weitergabe des Sustain-Schalters an angeschlossene Keyboards. Tief im Gehäuse versteckt sind dann ein Taster mit dem man das Schaltverhalten des Sustain-Tasters bestimmt und einer, der festlegt, ob die Soundkarte im Recording- oder Live-Modus agieren soll.

Recording bedeutet, dass das Audiomaterial der drei analogen Eingänge an den Rechner weitergegeben wird. Live leitet den Audiostrom vom Rechner auf den entsprechenden vierten Eingang. Auf der gegenüberliegenden Seite sitzt dann ein Taster mit dem ich den FX-Send zwischen Stereo und Mono umschalten kann. Dass die Taster so tief verbaut sind, soll sicherlich als Schutz gegen versehentliches Verstellen dienen, bedingt aber in der Praxis, dass man zum Umschalten immer einen dünnen, spitzen Gegenstand wie beispielsweise einen Stift braucht – ideal ist das nicht, auch wenn der Gedanke dahinter gut und nachvollziehbar ist.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

AKAI MPC Touch Test

Mit der MPC Touch vereint der Hersteller AKAI die Vorzüge der computerbasierten Groove-Produktion mit den haptischen Möglichkeiten eines Hardware-Controllers inklusive eines hochauflösenden Touchscreens. Ermöglicht dieses innovative Gerät einen neuen MPC-Workflow?

Tascam LM-8ST

19“ Keyboard-Mixer sind etwas aus der Mode gekommen. Zu unrecht? Vielleicht, denn zumindest der Tascam LM-8ST bietet Keyboardern einige interessante Features.

User Kommentare