Hersteller_PRS
Test
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22.09.2014

Praxis

Dass der Hals ziemlich fett in der Hand liegt und stark an einen alten Vintage-Shape erinnert, ist kein Wunder, denn nicht nur die Bezeichnung „Regular“ bezieht sich auf die Machart und Form der Hälse, die PRS in den späten Achtzigern produzierte. Da ich recht große Hände habe, fiel mir die Umgewöhnung nicht sonderlich schwer, Kollegen mit kleineren Händen könnten jedoch ins Schwitzen kommen. Was bei Gitarren grundsätzlich wünschenswert ist, gilt auch in diesem Fall: am besten selbst ausprobieren!

Die S2 Custom liegt gut ausbalanciert auf dem Bein und lässt sich im Sitzen äußerst komfortabel bespielen, genau wie im Stehen, wo sich die Gitarre automatisch in die richtige Position einpendelt. In beiden Spielsituationen sind dank des unteren Cutaways auch die höchsten Lagen sehr gut zu erreichen. Trocken angespielt zeigt sich die Custom 22 ausgewogen mit nicht zu viel Draht im Sound, wobei die Holzauswahl ziemlich klar macht, wohin die Reise klanglich geht. Trotz des fetten Halses lässt sie sich sehr angenehm bespielen und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit zeigt sich relativ schnell, worin seine Vorteile liegen. Bendings gehen beispielsweise sehr leicht von der Hand und Töne schwingen einfach länger aus.

Los geht es mit einigen cleanen Audiobeispielen an einem Fender Deluxe Amp. Ich schalte durch alle drei Pickup-Konstellationen, beginnend mit dem Hals-Humbucker.

Alle drei Positionen funktionieren clean sehr gut und klingen dank der Holzauswahl schön dick und holzig. Jeder Pickup transportiert dabei seine eigene Klangcharakteristik, der Hals-PU schön fett mit einem schönen Attack bei jedem Anschlag. Die Mittelposition, also beide Tonabnehmer zusammen, erzeugt einen etwas glasigeren Klang, der Humbucker am Steg präsentiert sich mittiger und insgesamt erinnert der Sound sehr an eine Les Paul. Kein Wunder, sie trägt ja auch viele Gene von ihr in sich.

Da die Pickups sich splitten lassen, habe ich ein weiteres Beispiel aufgenommen.

Und schon geht es in Richtung Strat. Sehr gekonnt schafft die S2 Custom den Spagat zwischen Humbucker- und Singlecoil-Sounds. PRS-Gitarren werden nicht umsonst gerne im Studio verwendet, wenn es darum geht, möglichst viele Sounds auf Abruf parat zu haben. Die Split-Option klingt nicht, wie sonst so oft, nach einem Kompromiss, ganz im Gegenteil wirken die Sounds allesamt authentisch. 

Zurück im Humbucker-Modus spiele ich eine Funky-Linie mit jeweils einer Position, auch hier geht es mit dem Hals-PU los.

Im Grunde gilt genau dasselbe wie im oberen Beispiel: Alle drei Positionen sind ohne Wenn und Aber sehr gut zu gebrauchen, es hängt nur von dem jeweiligen Musikstil ab, wohin die Reise gehen soll. Die erwähnten Attacks sind auch hier gut herauszuhören, gerade in der Mittelposition schmatzen sie wunderbar!

Ich erhöhe jetzt langsam den Zerrgrad und spiele alle drei Splitsounds noch einmal an.

Das Problem bei dieser Einstellung ist oft das Klirren, das Singlecoils erzeugen, und damit unschöne Sounds generieren. Das ist hier nicht der Fall, die S2 liefert jetzt charaktervolle Klänge, die wie von einer anderen Gitarre zu stammen scheinen. Sehr beeindruckend, muss ich gestehen.

Neuer Amp, neues Glück. Ein JTM Marshall mit moderater Zerrung steht in den Startlöchern. Ich aktiviere jetzt den Steg-Humbucker.

Rocken kann sie also auch, wobei das Klangbild recht ausladend ist. Sie klingt nicht unbedingt trocken und punchy, dafür aber raumfüllend und breit. Perfekt für flächige, fette Riffs - ich hätte ehrlich gesagt etwas mehr Frechheit und Wendigkeit im Sound erwartet. Zwar für das Rockriff zwischendurch gut einsetzbar, ihre große Stärke scheint dieser Modus aber nicht unbedingt zu sein.

Abschließend noch ein kleines Solo.

In diesem Beispiel zeigt sie recht gut, was eigentlich ihre Spezialität ist. Sie singt. Sie klingt fett und der Ton trägt außergewöhnlich lang. Gerade der Hals-Humbucker ist extrem cremig und liefert sofort den Gary Moore “Still got the Blues“ Leadsound. Töne wachsen einfach ineinander und stehen scheinbar endlos. Beeindruckend!

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