Gitarre Hersteller_Prostage
Test
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27.04.2012

Prostage Remote Wah Wah & Remote Volume Test

MIDI-Wah Wah

Ab ins Rack

Die Erfahrungen, die er als Tontechniker und Tourmanager on the road sammelte, waren mit ausschlaggebend für Lukas Truninger, 2001 seine eigene Firma unter dem Namen Prostage zu gründen. 2008 kehrte der gebürtiger Schweizer dann seiner Heimat den Rücken und entwickelt und fertigt seitdem seine Produkte – in erster Linie Remote- und Switchingsysteme für Gitarristen – auf Mallorca.

Im Grunde geht es bei der Mehrzahl der Prostage-Produkte um das Fernsteuern von Gitarrenequipment und Bodeneffekten. Wer sich gerne mit vielen Bodentretern schmückt, weiß um den ewigen Stepptanz auf der Bühne und die nervige Verkabelung vor dem Gig. Bei unseren beiden Testkandidaten Remote Wah Wah und Remote Volume handelt es sich Rackgeräte, die mittels Expressionpedal via Midi vom Bühnenrand aus ferngesteuert werden können.

DETAILS

Während das Remote Volume nur als fernsteuerbarer Lautstärkeregler arbeitet, bietet das Remote Wah Wah zusätzlich den besagten Effekt. Der Vorteil eines im Rack integrierten Pedals liegt auf der Hand, denn es entfallen etliche Meter Gitarrenkabel und die damit verbundenen Klang- und Dynamikverluste. Weil sie per Pedalwippe bedient werden, haben Wah Wahs oder Volume-Pedale ihren Platz in der Regel vorne am Bühnenrand. Das ist sinnvoll, wenn sie in ein gut gefülltes Pedalboard integriert sind. Wer aber seine Bodentreter im Rack untergebracht hat und diese vom Bühnenrand aus mit einem Midicontroller fernschaltet, tut gut daran, auch mit Wah Wah und Volumepedal dorthin umzuziehen, denn sonst wird speziell für diese beiden Mitarbeiter eine Extra-Verkabelung benötigt.

Und genau dafür bietet Prostage eine Lösung. Die Besonderheit der beiden Geräte ist der interne analoge Signalweg, ihr Klang muss keine AD/DA-Wandler durchlaufen und behält seine natürliche Dynamik. Die Aufgabe des Potis übernimmt eine spannungsgesteuerte Schaltung, ein sogenannter VCA, der per MIDI ferngesteuert wird. Statt zweier Pedale sorgt nun ein einzelnes Expressionpedal dafür, dass per Controller-Daten Wah Wah und Lautstärke bedient werden können.

Das Remote Wah Wah dient bei Bedarf auch als Auto Wah, Volumepedal, Level Control, oder Treble Booster.  Bis zu 128 Presets lassen sich speichern und als Programme per Midifußleiste automatisch umschalten. Dazu gehört übrigens auch ein True Bypass, der das Gerät komplett aus dem Signalweg entfernt. Genial ist auch die Möglichkeit, das Remote Wah nach einer individuell voreingestellten Zeit, in der das Pedal nicht berührt wurde, automatisch in den True Bypass Modus zu schalten. Das Herzstück des Gerätes ist die Faselspule, die auch im legendären Cry Baby zum Einsatz kommt. Weitere Bauteile steuern die ausgefuchsten Klangelemente, die mithilfe der kostenlosen Editor-Steuerungssoftware für Mac oder PC angepasst werden können. Diese kann von der Homepage des Herstellers unter www.prostage.eu heruntergeladen werden.

Die beiden Geräte sind optisch nur durch einen kleinen Aufkleber voneinander zu unterscheiden, der des Volume Controllers trägt den Aufdruck „VCA Only version“. Die Geräte machen optisch einen eher unspektakulären Eindruck. Die Elektronik sitzt in einem robusten Stahlblechgehäuse mit den Maßen 145 x 86 x 44 mm. Neben dem Ein- und Ausgang für die Gitarre stehen noch zwei MIDI-Buchsen sowie der Anschluss für das im Lieferumfang enthaltene 9Volt AC-Netzteil zu Verfügung. Ich war neugierig genug, tatsächlich ein Gerät aufzuschrauben, um mir die Verarbeitung im Inneren näher anzuschauen. Viel gibt es hier allerdings nicht zu entdecken. Auf einer einzigen Platine, die vor Bauteilen nur so strotzt, sind alle Anschlüsse und Buchsen direkt verlötet, Aufbau und Verarbeitung machen einen sehr guten Eindruck. Für die Rackbefestigung verfügt das Gehäuse am Boden über zwei Laschen, alternativ kann es natürlich auch mit Klettband flexibel an einer beliebigen Stelle, beispielsweise auf einer ausziehbaren Rackschublade, fixiert werden.

Nach dem Installieren der Software erscheint auf dem Bildschirm eine im Grunde genommen selbsterklärende Bedienoberfläche mit einer ganzen Reihe an Schiebereglern und Knöpfen. Das Ganze lädt schon optisch zum Experimentieren ein, aber auch wer sofort und ohne große Mühe starten möchte, kann auf etliche Standardeinstellungen zurückgreifen. So bietet das erste Preset beispielsweise einen Cry Baby Wah-Sound, das zweite ein Contour Wah. Wer aber seinen Trademark-Wahsound kreieren möchte, dem sind keine Grenzen gesetzt. Mehrere virtuelle Schieberegler mit Bezeichnungen wie Input Gain, Q-Factor, Coil Damping oder Frequency und diverse Knöpfe warten auf Beschäftigung. Wer die alten Roger Mayer Wahs mit Drehstufenschalter kennt und deren Vielseitigkeit zu schätzen weiß, der hat hier die perfekte Lösung vor sich – und weit mehr. Denn nicht nur der Wah Wah-Effekt lässt sich in alle möglichen Richtungen verändern, mit dem Expressionpedal ist das prinzipiell mit allen Parametern möglich. Sogar mehrere Einstellungen sind gleichzeitig manipulierbar. Dazu muss man aber sehr weit in die Programmierung eintauchen und sehr viel herumexperimentieren.

Eine sinnvolle und praxisorientierte Anwendung ist die Verwendung als Booster. Im Gegensatz zum Volumecontroller kann das Remote Wah Wah nicht nur über den kompletten Frequenzgang boosten und als „Cleanbooster“ arbeiten, sondern eine individuell eingestellte Frequenz hervorheben. Diese Funktion unterscheidet sich klanglich von einem feststehenden Wah Wah, und wer schon einmal mit Trebleboostern oder beispielsweise den Pedalen von Xotic herumexperimentiert hat und auf Sounds a la Brian May oder Ritchie Blackmoore steht, kommt hier schnell zu Potte. Soll das Remote Wah Wah als Treble Booster Dienst tun, muss vorher der Effekt und der sogenannte Counter Boost ausgeschaltet werden. Anschließend lässt sich eine voreingestellte Frequenz um bis zu 10db anheben. Dazu kommt ein kompletter Gain Boost, um die Eingangsstufe des Amps noch mehr zu kitzeln.

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