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23.09.2013

Produce-Alike #23 - Katy Perry "Roar"

"Roar" zum Nachproduzieren

Katy Perry ist zurück und reiht sich in die Riege der Stars ein, denen wir eine zweite Folge der Produce-Alike Serie widmen. Ihr neuer Song „Roar“ verwies schon in der ersten Woche nach der Veröffentlichung sogar die etwa zeitgleich erschienene Comeback-Single "Applause" von Lady Gaga auf die Plätze. Also haben wir den Titel für euch auseinander gepuzzelt.

"Roar" ist ein Midtempo-Popsong, mit dem sich die meist leicht bekleidete Pastorentochter vorsichtig von den Bubblegum-Dance-Pfaden entfernt, die sie zuletzt so erfolgreich beschritten hatte. Das Autoren- und Produzententeam besteht allerdings aus alten Bekannten, die auch schon für ihre früheren Erfolge verantwortlich waren: Neben Perry selbst stehen die Hitexperten Dr. Luke, Max Martin, Bonnie McKee und Cirkut auf der Creditliste.

Intro und Strophe

Gleich zu Beginn des Songs begegnen wir dem leicht stolpernden Groove aus etwas trashig klingenden Oldschool-Vinyl-Samples, der den gesamten Track trägt. Solche Drums findet man in unzähligen Hip Hop Sample Libraries, besonders auf Sample-CDs aus den Neunzigern, die die Wörter "Vinyl", "Street" oder "Hip Hop" im Titel tragen. Ich habe meinen alten Koffer mit Sample-CDs hervorgekramt, aus diversen Einzelsamples in Logic ein EXS24-Programm gebastelt und dann nach Lust, Laune und Gehör Samples kombiniert. Auf der "1" kommt zusätzlich zu der dünneren, stolpernden Kickdrum eine etwas tiefere, fettere Kick zum Einsatz. Die Snare auf der "2" ist recht dünn, während die "4" durch ein lauteres, trashiges Snaresample betont wird.

Vor allem die Snares bekommen recht viel Hall, und auf der „4“ spielt zusätzlich ein stark verhallter Schellenkranz:

Die Achtelfigur aus Orgel und Gitarre, die dazu spielt und im Intro und den Strophen hauptsächlich für das harmonische Gerüst zuständig ist, klingt ebenfalls wie ein Sample von einer alten Platte – wie ein Schnipsel aus einer Performance einer Band. Beginnen wir mit der Gitarre:

Hinzu kommt eine Orgel, für die ich mein Nord Stage 2 angeworfen habe.

Um den Sample-Charakter zu erreichen, werden die Gitarre und die Orgel auf einen gemeinsamen Bus geroutet. Hier arbeitet zunächst ein recht großer Hall. Danach habe ich das Freeware-Plugin Izotope Vinyl eingefügt, mit dem man den Sound etwas „auf alt“ zurecht biegen kann. Der Hall kommt hier bewusst nicht als Sendeffekt zum Einsatz, weil auch er durch das Vinyl-Plugin laufen soll – bei einem Sample von einer alten Aufnahme würde ja auch der Hall alt klingen.

Nun brauchen wir noch einen Subbass, in meinem Fall vom Moog Little Phatty. Der Sound hat eine relativ lange Glide-Phase – beim Spielen einer neuen Note brauchen die Oszillatoren also recht lange, um zum neuen Ton zu rutschen. Der Bass durchläuft einen Chorus und ein Plugin, das zusätzliche Obertöne generiert und die Basswahrnehmung auf kleinen Boxen verbessert.

Damit ist das Intro fertig, und nebenbei auch gleich die Strophe. Mit diesem kurzen Pattern geht es nämlich direkt weiter bis zum Chorus. Zur Hälfte der Strophen ändern sich die Vocals und gehen in eine Art Prechorus über – das Instrumentalplayback bleibt aber unverändert.

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